RECHTE MUSIK UND FASCHO-ROCK

RECHTSEXTREMISMUS & NEUE RECHTE
                               (Vorträge bzw. Seminare auf Anfrage!)
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I) DIE SPEERSPITZE DER STAMMTISCHE  (1996)

II)  DORFMUSIK IN DEN MODERNEN ZEITEN (Der Rechtsrockproduzent Torsten Lemmer)
                                                                                                            (1995)

III) DIE NEUE RECHTE oder DAS SPIEL IST AUS  (1994)

IV) DIE NEUE RECHTE, DIE MUSIK UND DER RIEFENSTAHL  (1999)

V) AUF BRAUNEN KRÖTENSTÜHLEN   (2001)

 VI) DIE GESCHICHTE DER SKINHEADS    (2002)
           Der Geist von 69 und die Hirnrisse auf dem Weg nach Rechts

  VII) Eine kleine Anmerkung zum "DEUTSCHLANDLIED"
                                 (+ MP3)

VIII) "RUNEN RAUNENDE ROCKER  in der Neofolk- & Darkwaveszene" (2003)

NEU  IX)  "GABBER - Dezibel, Feyenoord & Fascho" (2007)

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Die Speerspitze der Stammtische
Die rechtsextremistische Jugendmusikszene
(Dr.Lutz Neitzert)

(in: "Populäre Musik und Pädagogik"- Hrsg. Jürgen Terhag / Oldershausen 1996)

Nach dem Hype, den das Thema Fascho-Rock in den Jahren 1992/93 (aus gegebenen Anlässen von Hoyerswerda bis Solingen) erlebte und in dessen Zuge selbst noch die letzte Garagenband zum Trendsetter hochgespielt worden war, legten die meisten Journalisten das Sujet dann schon nach kurzer Zeit als hinreichend abgefeiert wieder ad acta. So entstand in der Öffentlichkeit der Eindruck, die unbehagliche Sache hätte sich ja dann wohl erledigt.
Diesen medialen Windschatten wußten nun die Produzenten der rechten Musikszene durchaus für sich zu nutzen. Man professionalisierte den Vertrieb, rekrutierte (landesweit) neue Bands und versuchte vor allem, über den engen Kreis der Skinheads hinaus auch andere musikalische Stilrichtungen zu bedienen. So gibt es mittlerweile neben den einschlägigen Skin-Bands (in der Nachfolge von Störkraft, Noie Werte oderKraft durch Froide) in der Szene Heavy-Metal-Combos (Saccara), Rockabillies (Schlagzoig), Mädchen-(Renee-)-Kapellen (Monique/Lack & Leder) neben tümelnden Liedermachern (Frank Rennicke, Rene Heizer), völkisch-mystische Artrock-Gruppen (Blood Axis, Allerseelen) neben ersten Techno-Projekten (Standarte). Als Prototyp und rührigster Vertreter unter den rechten Musikproduzenten firmiert heute der ehemalige Störkraft-Manager Torsten Lemmer. Bis 1993 saß er noch als (in TV-Talkshows und im Spiegel-Interview) stets medienpräsenter Geschäftsführer einer Freien Wählergemeinschaft im Stadtparlament Düsseldorf (dort u.a. im Ausländerausschuß und im Musterungsausschuß der Bundeswehr) und fungierte eine zeitlang als Mitherausgeber des neurechten Programmorgans Europa vorn. Seither allerdings widmet er sich weniger der Parteipolitik und mehr geschäftlichen Interessen. In seinen diversen Firmen (Dorfmusik, Funny Sounds & Vision), in seiner Zeitschrift (Moderne Zeiten) und seinem Versandhandel präsentierte er in den letzten Jahren ständig neue Bands - mit solchen Namen wie: Rheinwacht, 08/15, Foierstoß, Siegeszug, Sturmtrupp, Tollwut, Oithanasie oder Oistar Proper. (Insgesamt gibt es in Deutschland heute ca.100 Fascho-Gruppen). Dorfmusik in den Modernen Zeiten! Eine Jugendbewegung formiert sich als die Speerspitze der Stammtische! (Noch vor wenigen Jahren wäre alleine die Vorstellung doch wohl reichlich absurd erschienen). Für dieses Programm steht Torsten Lemmer. Notabene: statt der ehedem bei Skin-Bands üblichen martialischen Landser-Ästhetik verpaßt er neuerdings seinen Platten zur Coverillustration Gemälde der deutschen Romantik (mit Vorliebe solche von Caspar David Friedrich), und auch in der Tonlage kommen seine Musikanten zunehmend dezenter daher. Überhaupt läßt sich nicht nur auf politischem Feld, sondern auch in der nationalistischen Kulturszene so etwas beobachten wie eine fortschreitende (Jörg) Haiderisierung. Ganz entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen haben nicht zuletzt die Böhsen Onkelz. (s. auch "homepage8") Im Herbst 1995 belegte die Gruppe mit ihrer neuen CD "Hier sind die Onkelz" bereits wieder Platz 5 der deutschen Verkaufscharts - und das ohne jede kommerzielle Werbung, trotz des Boykotts durch Radio und Fernsehen und trotz des Boykotts durch die meisten der großen Schallplattenläden. Mittlerweile unter Vertrag beim Majorlabel Virgin (im edlen Stall u.a. auch der Rolling Stones) sind die Onkelz längst mehr als nur ein Randphänomen unserer Rocklandschaft. Über sie hat sich (unabhängig davon, wie weit ihre oft erklärte Abkehr von der extremistischen Szene tatsächlich vollzogen ist) ein rechter Mainstream angebahnt, in den Macher wie Lemmer in Zukunft versuchen werden, ihre Produkte einzuspeisen. Und was die Böhsen Onkelz selbst heute in ihren Songtexten verkünden, ist zwar gewiß nicht mehr vordergründig als politisch rechtsradikal und rassistisch einzustufen (Zeilen wie einstmals - "Türkenfotze naßrasiert" - finden sich dort nicht mehr), doch noch immer propagiert die Band auf fatale Weise eine zutiefs sozialdarwinistische Weltsicht und Ghettomentalität: "Lieber stehend sterben". Aber auch jenseits der Schmuddelecke beginnt man (von was auch immer beseelt und wie auch immer gesinnt) mit Versatzstücken faschistoider Ästhetik zu hantieren. Das Mystisch-Völkische scheint neuen Reiz zu gewinnen (und auch der alte Riefen-Stahl wird längst - nicht nur bei den naßfrisierten Duschgel-Heroen aus der Werbung - in neue Formen gegossen). Die Zeitschrift Junge Freiheit (das einflußreichste Intelligenzblatt der Neuen Rechten) schrieb in ihren Ausgabe vom 1.September 1995 unter der Überschrift "Neues aus der rechten Independent-Szene/Jugendkultur `Im Blutfeuer'": "Abseits vom unappetitlichen Gegröle der `Oi-Bands' hat sich Unkonventionelles eine Plattform geschaffen: inmitten des Arkanums linksalternativen Bewußtseins, inmitten der Independent-Kultur also, sprießen schwarze Blüten...Die rechte Independent-Szene hat es sich in der denkbar remotesten Nische gemütlich gemacht: in der Schnittstelle von nietzscheanischem Nihilismus, Wagnerschen Mythen, okkulter Dunkelei und `rechtem' Heroismus...Immer vielfältiger und unübersehbarer werden Stile und Ausdrucksformen, eine genaue Zuordnung dieser oder jener Strömung oder gar P(olitical) C(correctness)-orientierte Kontrolle erscheint kaum noch möglich. Eben diese kreative Anarchie in der Welt der Musikkultur öffnet Nischen für Künstler, die ihre ästhetischen Wurzeln in einer Lebensauffassung verorten, die man gemeinhin als `rechts' apostrophieren würde". Dabei rekurriert man auf Bands wie etwa Blood Axis(USA), die (stilistisch an Laibach erinnernd) in ihre Klangcollagen Originalreden Hitler's oder des rumänischen Faschistenführers Codreanu ebenso einbauen wie Zitate von Ernst Jünger, und die ihr CD-Booklet schmücken mit dem Krückenkreuz (dem Symbol auch des Ku-Klux-Klan). Oder das österreichische Projekt Allerseelen, eine Industrial-Rock-Band, deren Kopf unter dem Pseudonym Kadmon nebenher eine Schriftenreihe (Aorta) herausgibt mit Aufsätzen über Leni Riefenstahl, den völkisch-jugendbewegten Maler Fidus oder den Stauferkaiser Friedrich II. Eine englische Formation namens Death in June (ein Bandableger in Australien nennt sich Strength through Joy/Kraft durch Freude), die in düstere Rockmusikschwaden immer wieder alpenländische Bierzeltfolklore einmischt) oder auch die deutsche Gruppe Ernte, welche (musikalisch im Stile von Witthüser & Westrupp) unplugged tümelt: "Die das Dunkel überwanden bleiben stets zur Tat bereit...Sonnenwende, heil'ge Brände..." Die hier angesprochenen neuen Tendenzen innerhalb der rechten Musikszene sind in ihrem Potential noch kaum abzuschätzen, und es bleibt abzuwarten, wie weit sie sich über das Stadium des bloß Skurrilen hinaus entwickeln werden. Die folgende Analyse bezieht sich davon absehend im wesentlichen auf die eigentliche Musik der rechten Skinheads.

Geschichte und Herkunft des Fascho-Rock
Trojan hieß eine (1968 gegründete) britische Schallplattenfirma, die Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre den Musikgeschmack der damals in London aufkommenden ersten Skinhead-Bewegung (Trojan-Skins) bediente. Auf ihrem Programm standen dabei solche Namen wie The Maytals, The Upsetters oder auch Desmond Dekker. Musiker, zumeist aus Jamaika, deren Ska-, Reggae-, Rocksteady- oder Bluebeat-Musiken von jungen westindischen Einwanderern nach England importiert worden waren. Verschmolzen mit Idiomen des klassischen angloamerikanischen Rock entstand so bald schon der gemeinsame Sound einer multikulturellen Jugendszene, in welche sich auch die frühen Skins integriert hatten1. Vor allem die Ska-Musik erschien vielen Jugendlichen damals als ein neuer, unverbrauchter, authentischer und d.h. in erster Linie, als ein von der Musikindustrie noch nicht korrumpierter Stil. Eine Form musikalischen Ausdrucks, die sich wesentlich  abhob von den immer pompöser überladenen Produkten der kommerziellen Popkultur2. Man suchte wieder nach einer einfacheren, handfesteren, unmanierierteren Art von Jugendmusik. Vor allem sollte sie tanzbarer sein als jene eher kontemplativen und anspruchsvollen Zuhörkompositionen, die damals unter dem Etikett Adult oriented Rock (Rock für Erwachsene also) die Regale der etablierten Plattenläden und die Programme der Radiosender füllten. Nach diesem weitgehend unpolitischen Vorspiel etablierte sich dann in den sozial und ökonomisch spannungsreicheren Lebenswelten der ausgehenden 70er Jahre - erneut in London - eine zweite und nun eindeutig auch politisch motivierte Skin-Generation3. Als Parallel- und bald schon Gegenbewegung des eher linksgerichteten PUNK4 entstand hier zum ersten Mal eine Jugendsubkultur am rechten Rand des ideologischen Spektrums. Gewaltbereiter im Habitus spielte man in dieser Szene nun auch eine ungleich härtere Musik. Hatten die "Trojan-Skins" eine Synthese kreiert aus Karibik-Sound und Stilelementen des Rock'n'Roll, Rhythm & Blues bzw. Soul, so lud man nun auch den Ska-Beat auf mit den Energien aggressiverer Rockmusikgenres und integrierte zudem (in hoher Dosierung) Elemente des Punk. Ausgerechnet diesen ihrem Ursprung und ihrem Wesen nach kosmopolitischen Musiken also unterlegten jetzt die White Power-Skins (die Boneheads) ihre unverhohlen rassistischen Texte.

"Bimbomusik und Discoklänge kotzt uns alles an. Es ist doch klar, daß echten Deutschen so ein Dreck nicht gefallen kann. Unsere Texte sind deutsch, der Rhythmus ist schnell, das ist die Musik, die uns gefällt...!"(Noie Werte)
"Meine Musik ist laut und schnell, mein Lieblingsbier ist deutsch und hell...!"(Endstufe)

Oi (!s.Anmerkung X!) nannte man diesen Stil, und schon hinter der Bezeichnung verbirgt sich eine politisch die Richtung weisende Bedeutung: um 1980 erschien ein Skinmusik-Sampler unter dem Titel Strength thru Oi, durchaus ganz bewußt angelehnt an das altbekannte Nazimotto Strength through Joy/Kraft durch Freude (abgebildet auf dem Cover fand sich zudem das Foto eines einschlägig bekannten englischen Neofaschisten5). Immer tiefer geriet die Skinbewegung in den Dunstkreis rechtsextremistischer Organisationen6 im Umfeld des British Movement und der National Front7. Vor allem zwei Bands sind seither musikalisch und weltanschaulich die Wortführer und erklärten Vorbilder der Szene: Skrewdriver - 1977 von Ian Stuart-Donaldson gegründet und eng verbunden mit dem rassistischen Blood & Honour-Movement - und No Remorse - gegründet 1986 von Paul Burnley. Eine Textzeile ihres Songs Bloodsucker wird in der rechten Szene immer wieder zitiert und skandiert:"One day the world will know that Adolf Hitler was right!" (Ein anderes Lied der Gruppe trägt den Titel Six Million lies und bestreitet den Holocaust). Eingebettet wurde die Oi-Musik in ein immer dichteres Netz politisch-ideologischer Agitation8 (vor allem in den Fanzines verknüpft man Informationen über die Bands und ihre Songs wie selbstverständlich mit Propagandamaterialien diverser neofaschistischer Parteien) und Aktion (immer wieder enden Auftritte solcher Gruppen in Angriffen auf Ausländer9, Obdachlose oder Behinderte). Bald schon konstituierten sich über England hinaus europaweite Vertriebsstrukturen10 und die einschlägigen Musiker geben ihre Konzerte seither überall auch auf dem Kontinent. In Deutschland faßte die Skinbewegung Anfang der 80er Jahre zunächst im Umfeld der Fußball-Hooligan-Szene11 Fuß. (Wobei in der DDR allerdings schon früh durchaus auch die intendierte politische Ausrichtung aufgenommen und übernommen worden ist).

1) Auch die erste Skin-Hymne, in ihrem Charakter ein eher fröhliches Tanzstück, war unüberhörbar geprägt von den Rhythmen der Karibik: Skinhead Moonstomp der Band Symarip.
2) Etwa von sog.Art(o.Culture-)-Rock-Bands wie Yes, Emerson, Lake & Palmer oder Genesis.
3) Mit den Skins mußte in den Arbeitervierteln Englands zum ersten Mal eine nachwachsende Generation im Nachkriegseuropa die Erfahrung machen, daß es ihr nicht mehr selbstverständlich besser gehen würde als ihren Eltern. (Der englische Jugendforscher J.Clarke sprach von den Skinheads als den "enterbten Erben").
4) Bis heute spielt man in den Punk-Bands den gleichen Musikstil wie bei den Fascho-Skins - entstanden innerhalb der gleichen Szene, in den gleichen Lokalitäten, aus den gleichen musikalischen Ingredienzen und eben auch aus den ursprünglich gemeinsamen Motiven einer Jugendbewegung gegen die Musik der Woodstock-Vätergeneration.
5) Nicky Crane, ein Aktivist des rassistischen British Movement.
6) Wenngleich bis heute auch immer interne Gegenrichtungen existierten: etwa die sogenannten S.H.A.R.P.s/SkinHeads Against Racial Prejudice oder die Redskins, die sich bewußt auf ihre multikulturellen Ursprünge berufen.
7) Auch das erste genuine Oi-Label, White Noise, war eine Gründung der National Front.
8) Um 1980 riefen Skrewdriver und einige rechtsradikale Parteifunktionäre in England die Aktion Rock against Communism ins Leben - als Reaktion auf Rock against Racism, eine Initiative der sozialistischen Anti-Nazi-League.
9) Paki(stani)-Bashing heißt das in England, Türken- oder Fidschis-Klatschen hierzulande.
10) In Deutschland machte sich anfangs der 80er Jahren vor allem die Firma "Rock-O-Rama" und ihr Besitzer Herbert Egoldt einen Namen als Vertreiber neofaschistischer Rockmusik, in Frankreich war es vor allem der Verlag Rebelles Europeens (Brest) des rechtsradikalen Aktivisten Gael Bodilis. Auch in allen anderen europäischen Ländern hat sich eine rechte Musikszene etabliert - und darüberhinaus gab es bald auch in den USA Bands wie Bound for Glory, die engen Kontakt pflegten zu neofaschistischen Organisationen wie der White Aryan Resistance, dem Ku-Klux-Klan oder der NSDAP-AO des Gary Rex Lauck.
11) Sah man doch hier immer schon in den englischen Schlachtenbummlern die Vorbilder.
 

!!! (Anmerkung X: Der Begriff „Oi" ist seither innerhalb der Skinheadszene heftig umstritten und unterschiedlich bedeutet: während die Fascho-Skins sich das medienpräsente Etikett sofort zu eigen gemacht haben, insistieren die - eigentlichen - Ur-Skins darauf, daß damit doch gerade ihre dezidiert „unpolitische" Musik und Weltanschauung gemeint sei. Solange jedoch die Rechten in der Szene den Ton angeben, solange werden sie auch in diesem Fall - den SHARP(= SkinHeads Against Racial Prejudice)-Skins sei's geklagt - die Deutungshoheit innehaben.
Wenn ich hier von "politisch die Richtung weisend" spreche, so meint das nicht zuletzt auch die fatale Tatsache, daß vor allem in Deutschland (folgenreich auch schon in der DDR) fast nur das Image des "rechten Skins" damit auch des Synonyms "Oi = Fascho-Rock" wahrgenommen und kopiert worden ist.)
 

Noch 1987 hatte sich die Rockmusikzeitschrift Spex über die "besorgt sozialdemokratische Arschlöcherfraktion,(die einen) Popanz 'Faschometaller' (aufbaut)" mokiert - fünf Jahre später dann, im November 1992, titelte man selbst "The Kids are not alright": "...der Neonazi-Underground, von dessen Existenz man in den Achtzigern wohl wußte, der einen aber aufgrund von Unter-vielem-anderen-gibt-es-auch-das-Irrelevanz nicht interessierte, beginnt plötzlich durch aktuelle Anlässe gestärkt aus seinem Schattendasein herauszutreten (wer hätte schon damit gerechnet, daß die Onkelz mal Platz 5 der LP-Charts erreichen würden)"!

Handgemacht und beim Wort genommen

- Musikalische Machart

Eine OI-Band ist (im Normalfall) eine reine Gitarrenband, d.h. Lead-, Rhythmus-, Baßgitarren mit Schlagzeug und Gesang. Nur selten einmal tauchen in der ursprünglichen Skinhead-Musik andere Instrumente auf (und wenn, dann gelegentlich in wohl eher parodistischer Absicht z.B. das Akkordeon). Im Gegensatz zum heute in Popmusik Üblichen verzichtet man zudem weitgehend auf jedes elektronische Klangraffinement sowie auf alle übertriebenen Studiotricks (und das nicht mangels Equipment, sondern durchaus mit Absicht und gemäß der Oi-Punk-Tradition). So präsentiert sich eine Musik in extremster Lautstärke (120 Phon und mehr), in schnellen Tempi, mit hochverzerrtem Gitarrensound, kaum differenziertem durchgängigem Rhythmus (mit starker Offbeat- bzw. Backbeat-Betonung1), harmonisch weitgehend beschränkt auf die drei Grundakkorde (gespielt zumeist als Powerchords, d.h. ohne Terz) und einem grölend-röchelnden Machismo-Gesang. All dies verleiht dem Fascho-Rock eine Aura des Handgemachten, des Echten. Auch der Verzicht auf die Zurschaustellung von Virtuosität und auf ausufernde Soloeskapaden der Interpreten unterstützt das Prinzip einer In-Group-Musik.

1) In diesem musikalischen Kontext unüberhörbar ein Erbe des Ska. Musikphysiologen halten den Offbeat-(bzw. Backbeat-)Akzent (der in seiner Metrik dem Schlagrhythmus des menschlichen Herzens diametral zuwiderläuft) für das vielleicht stärkste musikalische Mittel zur Erzeugung von Aufregung (nicht nur im Oi - auch einer der größten Konzertskandale und -krawalle der klassischen Musikhistorie, die Uraufführung des "Sacre du printemps" von Strawinsky, verdankte sich wohl nicht zuletzt diesem Effekt).

- Die Texte: Fataler Realismus

Textstellen, welche die rechtsextremistische Gedankenwelt der Oi-Bands belegen, die braucht man nicht mühsam zu suchen, besteht ihr Repertoire doch fast ausnahmslos aus Songs mit rassistisch-gewaltverherrlichenden Inhalten (selbst noch im Liebeslied redet man über solche Dinge wie Rassenhygiene oder Blutschande - s.u.). Im Gegensatz zum oftmals als Pendant herangezogenen Heavy-Metal, der in seinen Songs das Schauerliche zumeist irgendwo auf dem Highway to hell, irgendwo im nebulösen Fantasien sich ereignen läßt, sind die Texte der Fascho-Bands geprägt von einem fatalen Realismus. Vermeintlich objektiven Schilderungen von (negativen) Alltagserfahrungen werden schlagwortartig Versatzstücke aus dem bekannten Vokabular faschistischer und rassistischer Ideologien handlungsleitend und zur Handlungslegitimation entgegengesetzt. Das gerade bei Rockmusik häufig gehörte (und gewiß nicht immer irrelevante) Argument, daß die Textinhalte hinter der Musik verschwindend eigentlich überhaupt nicht apperzipiert werden, trifft auf den Fascho-Rock sicher nicht zu. Seine Liedtexte repetieren Parolen, die jeder seiner Hörer per se bereits kennt und die jedem unmittelbar eingehen1.

"Ich stehe auf der Straße, hab meine Augen auf. Ich warte auf 'nen Türken und dem hau ich eine drauf. Und wenn ich einmal dran bin, dann tret ich auch noch rein, ist ja nur ein Türke, ein altes Kümmelschwein...Sitzt Du mal im Kino und kannst so viel nicht sehn, dann wird wohl ein Türke vor Deinen Augen stehn...Siehst Du einen Türken in einer Straßenbahn, schaut er Dich irgendwie provozierend an. Dann stehst Du einfach auf und haust ihm eine rein, Du ziehst Dein Messer und stichst siebzehnmal hinein...vernichtet ihre Rasse...steckt sie ins KZ...!"(Kanaken-Song/ als Urheber des Textes gilt die Gruppe Endsieg/ in der Szene kursieren jedoch die unterschiedlichsten Versionen dieses Liedes - u.a. als Techno-Dancemusic)

1) Auf die Texte und die Formen sprachlicher Interaktion trifft auch das zu, was der Sozialwissenschaftler und Sprachforscher Bernstein zur Charakterisierung des restringierten Codes schreibt: "(Diese) Sprache...(ist) soziozentrisch, sie dient nicht der...Deskription eines Sachverhaltes, sondern der Einübung des emotionalen Konsensus über diesen. Die Simplizität dieser Sprache, die Unmöglichkeit, in ihr das Gemeinte zu explizieren, setzt eine Kommunikation voraus und reproduziert sie zugleich, in der die Beteiligten auf die Identifikation mit dem Kollektiv eingestimmt werden...Die Sprache perpetuiert die Rigidität quasiritualisierter Interaktionen!"

- Konzerte: Ritueller Aufmarsch statt Bühnenshow

Auftritte von Oi-Bands sind keine Bühnenshows, wie man sie von Popmusikdarbietungen üblicherweise kennt, sondern es sind fast immer durchinszenierte und ritualisierte Aufmärsche1. Dabei oft überregionale Szeneereignisse (1000 Zuhörer - auch wesentlich mehr - sind keine Seltenheit), von der Veranstaltungsvorbereitung, über die Bekanntmachung bis hin zur Anreise der Fans (oft als Sternfahrten organisiert) wird alles geradezu generalstabsmäßig und konspirativ2 geplant. Wobei es gilt, jede Trennung zwischen Zuhörer und Musiker strikt zu vermeiden. Nicht ein Popstar steht abgehoben auf einem Podium, sondern alles verschmilzt - sich steigernd - zu einem gruppendynamischen Prozeß. Aggressiver Pogo-Tanz und politischer Aufruf3 gehen zusammen in einer massenbewegenden Interaktion, an deren Ende oft genug gewalttätige Übergriffe und Krawalle stehen. Es ist dies keine Rock-Show, die ihr Publikum entläßt, wenn der Vorhang fällt; vielmehr ist die ganze Inszenierung dazu angetan, einer eingeschworenen Gemeinschaft den Eindruck zu vermitteln, daß das eigentliche Ereignis möglicherweise noch bevorsteht - nach dem Konzert. Oi-Musik legt es darauf an, Eskalation zu schüren4.

1) Die Musiksoziologie kennt als Gegensatz zur Darbietungsmusik den Begriff Umgangsmusik, der meint eine Musik, die unlösbar in einen sozialen Kontext eingebunden ist (etwa in Militärparaden oder auch im Gottesdienst). Interessant in diesem Zusammenhang ist auch eine Beobachtung des Psychoanalytikers W.Leuschner, der darauf hinweist, daß bei Skinkonzerten häufig ein Wechselgesang zwischen Band und Publikum stattfindet:"(Dies) ist eine elegante Lösung, um nicht nur die äußere Zensur (- die Zuhörer brüllen die strafrechtlich relevanten Textstellen, nicht die Sänger -), sondern auch die Reste von innerer Zensur, von Über-Ich-Hemmungen zu umgehen. So wachsen zwei Submassen...und werden erst als Einheit tätig, Schuld wird eine Angelegenheit der Masse"!(Vortrag - gehalten am 2.10.93 im Sigmund Freud Institut/Frankfurt)
Signifikant ist auch das Fehlen der gewohnten Konzertdramaturgie (- einem aufputschend schnellen Stück folgt entspannend ein langsames, usf. bis zu einer finalen Apotheose -), stattdessen bieten die Skinheadbands meist eine von Beginn an unablässig treibende Tour-de-force.
2) Gerade der Hauch des Illegalen macht natürlich einen großen Teil der Faszination für Jugendliche aus (- oft finden solche Konzerte dann auch irgendwo tief im Wald oder nahe der Grenze statt).
3) Sicher kein Zufall ist z.B. die Ansetzung eines Störkraft-Konzertes in der Nähe von Weimar gewesen: am 20.April 1991 spielte man dort, an Hitler's Geburtstag (- auf dem Plattencover des Livemitschnitts steht zu lesen: "Happy Birthday!")
4) Die in der Musiksoziologie verhandelte Kontroverse, wonach Rockmusik-Rezeption entweder kathartisch (d.h. Aggressionen abbauend) oder aber stimulierend wirkt, ist im Falle der Skinhead-Musik eindeutig zu entscheiden.

- Vertrieb

Neben einschlägigen Kleinlabels (außer den Lemmer-Firmen und Rock-O-Rama seien hier noch genannt: Skull-Records, DIM-Records, der Endsieg-Verlag oder auch Novotny's Noize) wird rechte Rockmusik heute vielfach in Form von Cassetten (dabei auch viele Konzertmitschnitte) verbreitet. (Nicht zuletzt auch eine Folge der Ende 1992 verstärkt einsetzenden strafrechtlichen Verfolgung bzw. Indizierung1). Von Hand zu Hand2 weitergegeben und kopiert erreichen die Songs dabei durchaus sehr hohe Auflagen (die Titel der bekannteren Bands sind heute auf jedem Schulhof für jeden Jugendlichen ohne Mühe zu bekommen3). Im Versandhandel liefert man Oi-Platten oft nur noch gegen Nennung eines (meist in Fanzines lancierten) Codewortes aus. Eine wichtige Quelle sind auch rechte Verlage im Ausland (etwa in Frankreich, England, Spanien oder USA4).
Der reguläre Verkauf im Plattenladen ist dagegen mittlerweile doch weitestgehend unterbunden.

1) Während "linke" Punk-Musik seit je einer fast lückenlosen Kontrolle unterlag, wurde vor 1992 - d.h. vor Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen - erst eine einzige Platte mit rechtsextremistischer Rockmusik auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gesetzt: 1986 die LP "Der nette Mann" der Gruppe Böhse Onkelz (wobei anzumerken ist, als Beleg für die unvermeidliche Ambivalenz solcher Maßnahmen, daß die Karriere dieser Band erst durch die Indizierung - und damit zwangsläufig einhergehenden Bekanntmachung - den entscheidenden Schub erhielt; als Folge der wachsenden Popularität unter rechten Jugendlichen winkte der Band, wie man weiß, am Ende gar ein Exklusivvertrag der renommierten Plattenfirmen Bellaphon und schließlich Virgin).
Wegen Volksverhetzung der Prozeß gemacht wurde bisher u.a. Störkraft, Radikahl, Tonstörung, Noie Werte und Kraftschlag.
2) Gerade das Fehlen des Ruchs der Kommerzialität gilt (und das nicht zu unrecht) als Ausweis der Authentizität.
3) In der EX-DDR waren solche konspirativen Wege für jegliche Art von Rockmusik seit je üblich und sind dort noch immer entsprechend eingespielt.
4) Auch Schwarzmärkte in Polen oder Tschechien gelten als beliebte Handelsplätze der Szene.

- Fanzines

In den ungezählten (oft nur kurzlebigen) Szene-Zeitschriften findet sich eine Mischung aus Veranstaltungshinweisen, Aktionsaufrufen, Plattentips, Musikerinterviews, Kaufangeboten für Tonträger, Bücher und Fanartikel, Werbung und Propaganda rechter Parteien, politisch-ideologischen Pamphleten, Solidaritätsadressen für inhaftierte Märtyrer der Bewegung und auch juristischen Ratschlägen, wie etwa man ein Nazisymbol abändert, um dafür strafrechtlich nicht mehr belangt werden zu können. (Herausgegeben und gestaltet werden Fanzines übrigens häufig von Renees, d.h. Skin-Girls). Einige exemplarische Titel: Attacke, Blut & Ehre, Clockwork Orange(!), Einheit-Stärke-Stolz, Endsieg-Das Zine der nationalistischen Bewegung, Frontal-Ketzerblatt, Heimatfront, Der Kampf, Midgard, Nordwind, Oi! Deutsches Echo, Proissens Gloria, Querschläger, Skinhead erwache, Vereinte Kräfte-Noie Werte, Volkstreue, Weißer Rebell...

Rockmusik in Fraktur gesetzt

- (Deutsche) Tugenden und die Sprache der Großväter

Sekundärtugenden wie Sauberkeit, Tapferkeit, Solidarität, Treue oder Ordnungssinn werden (wie in der faschistischen Tradition immer geschehen) zu Primärtugenden aufgewertet, und damit wird das grundsätzliche Fehlen von solchen Werten kaschiert, die in einem (aufgeklärten) ethischen Diskurs zu rechtfertigen wären. (Bezeichnend ist hierfür etwa die Ausblendung - bzw. bewußte Negierung - der heute und zukünftig wohl bedeutsamsten "Tugend": der Kommunikationsfähigkeit/-bereitschaft. Der sprachliche Diskurs selbst ist bei vielen jungen Leuten per se in Mißkredit geraten).

"Die Plattencover der Nazi-Rock-Bands sind alles andere als Ausdruck von Jugend - wie wir sie kennen ...zumeist bestimmt sortenreine Weltkriegsromantik die Optik. Helden breitbeinig...unter Kriegsdenkmälern, vor berchtesgadenlike Kulisse. Dazu Stahlhelme, Kampfflugzeuge, Reichskriegsflaggen, jede Menge...Nostalgiezeug, nur und nur der Großväter Zeichen!"(Annas/Christoph in "Neue Soundtracks für den Volksempfänger",S.82/Verlag ID-Archiv).

Daß die Enkel Sympathien hegen für die Großeltern (als die quasi natürlichen Verbündeten gegen die Elterngeneration), das ist eine Binsenweisheit. Heute aber bedeutet dies eben auch, daß die junge Generation (gerade in Deutschland) damit zugleich tendenziell einer Weltsicht zuneigt, die sich letztlich in der Diktatur des Dritten Reiches manifestierte.

"Volk steh auf und Sturm brich los...!"(Volk steh auf/Werwolf)
"...ein deutsches Reich mit deutschen Söhnen. Fahne hoch und weiter marschieren...Kraft durch Freude, das ist unser Motto...!"(Unser Land/Oi Dramz)
"...unsere Fäuste hart wie Stahl, unser Herz schlägt treu für unser Vaterland...Wir sind die Kraft, die Deutschland sauber macht...!"(Kraft für Doitschland/Störkraft)
"Du sitzt zu Hause ganz allein,denkst an Deutschland und Dein Heim, so wie es früher einmal war...!"(Blut & Ehre/Oi Dramz)
"Sie hatten nur Stolz in ihren Köpfen und kämpften ..bis zum Erschöpfen. Sie waren die besten Soldaten der Welt..Ihr Leben war schön, doch auch grausam und hart...!"(Soldaten/Endstufe)
"...wir stehen Mann für Mann stark wie deutsche Eichen, die niemand mehr brechen kann...!"(Mann für Mann/Störkraft)
Und auch der Bandname Oistar Proper ist wohl nicht zufällig gewählt.

- Nationalsozialismus

War in den 70er Jahren das Vorzeigen von Nazi-Symbolen1 und die Verwendung von Nazi-Slogans tatsächlich nichts anderes als ein vorsätzliches Bürgerschrecken2 (ganz im Sinne der Thesen von Jugendforschern wie Willis und Clarke, wonach jugendliche Subkulturen vorgefundene Zeichen lediglich ihres inhärenten Provokationspotentials gemäß auswählen, d.h. völlig ungeachtet ihres realen Bedeutungsgehaltes), so ist heute unbezweifelbar auch das damit ideologisch Gemeinte unter jungen Menschen verbreitet wieder virulent geworden.(s.u.) Es ist in diesem Zusammenhang interessant, zu beobachten, daß hierbei weniger der Aspekt des Führerprinzips propagiert wird (- obgleich auch dies durchaus geschieht -), als vielmehr im Vordergrund steht die Illusion von der Macht der (in Bewegung gesetzten) Masse.
(Selbst in Schweden nennen sich übrigens Fascho-Bands nach dem berüchtigten SS-Schergen und sadistischen KZ-Aufseher Dirlewanger bzw. Svastika = Hakenkreuz).
(Beliebt in der Szene als Sportkleidung sind Hemden der Firma Lonsdale - trägt man nämlich darüber halboffen die obligatorische Bomberjacke, so liest man auf der Brust die Buchstaben N-S-D-A, assoziiert natürlich mit NSDAP).

"Hängt dem Adolf Hitler den Nobelpreis um...Hißt die rote Fahne mit dem Hakenkreuz...!"(Hakenkreuz/Radikahl)
"Das Deutsche Reich..., und ein altes Symbol kommt wieder auf die Fahne...!"(Deutsche Jugend/Kraftschlag)

"Kurze Haare, radikal, sozialistisch, national...!"(Kraft für Deutschland/Noie Werte)
"In uns lebt die Erinnerung an das Deutsche Reich, man wollte es erreichen,daß alle werden gleich...Wir sind die Skinheads aus dem großdeutschen Reich...!"(Unser Land/Kraftschlag)
"Wir schauen zurück in die Vergangenheit, in unseren Augen eine herrliche Zeit. Doch die Mächtigen, sie dachten damals schon rot, und sie verhängten ein NS-Verbot...!"(Trotz Verbot nicht tot/Kraftschlag)

1) Immer zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, daß die Verwendung von Nazi-Symbolen in England, Frankreich oder den USA selbstverständlich in einem ganz anderen historischen Kontext steht und entsprechend dort auch divergierende Assoziationen weckt.
2) Beleg dafür ist sicher auch die Tatsache, daß es damals gerade eher linke Bands (wie etwa die Sex Pistols) gewesen sind, die mit Hakenkreuz und SS-Rune Aufsehen erregten und (wohlinszenierte) Skandale verursachten.

- Vaterland

"Wenn die sozialen Zugehörigkeiten...immer bröseliger werden, dann steigt man um auf Zugehörigkeiten, die einem keiner nehmen kann, weil sie sozusagen 'naturhaft' sind: Rasse, Hautfarbe, Nation: 'Ich bin stolz ein Deutscher zu sein', das ist dann die letzte uneinnehmbare Bastion!"(W.Heitmeyer)
So irrational und in keiner Weise stichhaltig die Zuordnungskriterien (weder kulturell noch biologisch) dabei auch sein mögen, der große Vorteil einer solchen Identifikation ist das Kategorische an ihr: man postuliert und nimmt sich damit zugleich das Recht, jede Diskussion als irrelevant zu verweigern.

"Wir kämpfen kahl,unsre Fäuste hart wie Stahl. Unser Herz schlägt treu für unser Vaterland. Was auch geschehen mag, wir werden niemals von Dir gehen, wir werden treu für unser Deutschland stehn...!"(Kraft für Doitschland/Störkraft)
"Land der Liebe, Land des Schönen, Land des Schaffens und der Kraft. Land in Trümmern und voll Stöhnen, Land in Ängsten...Trotz dem Hohn des Erdenfalles, trotz dem Haß, der Dich umgibt, Deutschland, Deutschland über alles, über alles sei geliebt...Land des Lichtes, Land der Weisheit, Land der Denker und der Kunst, neblig Land der Wotansgeister, Land im blutig-roten Dunst, in der Tiefe Deines Falles sei der Weizen neu gesät. Land geplündert und geschändet, doch der Besten nicht beraubt...Deutschland erwache...!"(Deutschland/Kraftschlag)

(Vor 1989 war die deutsche Wiedervereinigung ein wichtiges Thema auch in den rechten Rocktexten).
(Als explizit vaterländische Musik tauchen ab und an Coverversionen deutscher Schlager auf - mit Vorliebe aus dem Repertoire der nationalsozialistischen Unterhaltungsbranche; z.B. Lieder von Hans Albers).

- Das Bild der Frau

Das hier sich manifestierende (auch äußere Erscheinungs-)Bild der Frau (angesiedelt zwischen Lebensborn und BDM) ist sicher unreflektiert nur den Vorgaben des verpflichtenden ästhetisch-ideologischen Gesamtkonzeptes des tradierten Faschismus geschuldet. Und in seinem Anachronismus, seiner Ferne von jeder jugendlichen Alltagsrealität ist es sicher nicht wirklich zu-eigen-gemacht1. In der Darstellung des Geschlechterverhältnisses selbst und des sexuellen Verhaltens zeigt sich aber dann sehr wohl jene psychische Disposition, welche (nach Adorno u.a.) den autoritären Charakter wesentlich prägt: (Männer-)Machtgelüste und zugleich die Sehnsucht nach Heimeligkeit.
(Im Szenejargon - auch in vielen Liedtexten - heißen Skinhead-Mädchen übrigens Renees).
 

"Sie war eine Rasse-Frau, die Haare blond, die Augen blau, doch..einem Ausländer und Asylanten wollte sie eine Heimat geben, und...so begann ihr linkes Leben. Sie ist 'ne Ausländerhure, ohne Moral übt sie Volksverrat..., Rassenmischung tötet unsren Staat...deutsche Frau halt Dein Blute rein, sei stolz auf unsre Rasse, denn so soll es sein...!"(Ausländerhure/Kraftschlag)
"Deutsche Frauen, deutsches Bier, schwarz-weiß-rot, wir stehn zu Dir...!"(Land meiner Väter/Freikorps)
"Deutsches Mädchen, ich brauche Dich, ohne Dich leben, das kann ich nicht. Ich lieg hier im Graben und denk daran, wie schön es doch zu zweit sein kann. Neben mir liegt noch 'ne Flasche vom letzten Geld aus meiner Tasche. Deutsches Mädchen, ich schenke Dir Deutschlands Kinder... Nur an Deutschland und Dich habe ich Gedanken, ohne Euch bin ich am Wanken...!"(Deutsches Mädchen/Oi Dramz)
"Hände weg von unseren Frauen, sonst müssen wir euch was auf's Maul hauen. Wir sind die Skinheads aus dem hohen Norden, wir können es unseren Frauen auch selbst besorgen...!"(Unser Land/Kraftschlag)
"Triffst Du mal 'nen Türken mit einer deutschen Frau,dann ist das Rassenschande, und das weißt Du ganz genau. Drum wartest Du auf ihn an irgendeiner Ecke, schneid ihm seinen Schwanz ab, auf daß er dran verrecke..Tötet ihre Kinder, schändet ihre Frauen, vernichtet ihre Rasse und lehrt ihnen das Grauen...!"(Kanaken-Song")
"Türkenfotze naßrasiert, Türkenfotze glattrasiert...Türken raus...!"(Böhse Onkelz)
"Der eine zieht sie durch, der andere setzt sich drauf und dann gibt es wieder Bier...!"(Frauen, Bier und Tätowieren/Märtyrer)

1) Allerdings finden sich in Fanzines gelegentlich tatsächlich Pinupgirls, die sich ausnehmen wie eine Parodie auf Nazi-Aktmalerei.

Die tradierten Muster einer faschistische Ästhetik - wie auch alle jene begründenden Welterklärungsmuster - besitzen vor allem eines: scharfe Konturen. Ein (vorgeblich) sinnstiftendes Charakteristikum, welches viele Menschen in der Beliebigkeit des aktuellen Anything goes vermissen1. Daß dabei die überkommenen (und - z.B. im Fascho-Rock unreflektiert - übernommenen) Ausprägungen und (Vor-)Bilder zumeist hoffnungslos anachronistisch2, völlig inkompatibel der heutigen Lebensweisen und so letztlich kaum wirklich zu-eigen zu machen sind, das tritt zunächst einmal in den Hintergrund (zumal das den alten Symbolen innewohnende Provokationspotential sich als noch sehr wirkmächtig erweist und natürlich gerade für Jugendliche eben dadurch einen kaum zu unterschätzenden Reiz besitzt).

1) So sehen viele Sozialwissenschaftler neben den sozialen vor allem auch in den sog. psychischen Modernisierungsverlierern das Reservoir für rechte Ideologien (d.h. unter solchen Menschen, die - ökonomisch zwar hinreichend gut situiert - dennoch den psychologischen und intellektuellen Orientierungsanforderungen der modernen (Medien-) Gesellschaft nicht mehr gewachsen sind und die sich so vor der Reiz- und Informationsüberflutung abzuschotten suchen durch bewußte Abgrenzungsstrategien - in ihrer Wahrnehmung wie auch in ihrem Denken). Schon Adorno schrieb in den "Studien zum autoritären Charakter": "Die...Aufgabe, das 'Unverständliche' zu verstehen, führt zu einer paradoxen Lösung, die die Sackgasse erkennen läßt, in die viele Menschen geraten. Das Individuum tendiert dazu, zwei Tricks anzuwenden, die einander widersprechen: Stereotypie und Personalisierung, also Wiederholungen infantiler Muster!... Stereotypie läßt sich durch Erfahrung nicht 'korrigieren'; erst muß die Fähigkeit restituiert werden, Erfahrungen zu MACHEN!"
2) Es steht jedoch zu befürchten, daß die neofaschistische Ästhetik wohl bald schon zeitgemäßere Ausprägungen annehmen wird - wobei allerdings kaum anzunehmen ist, daß sich eine solche Transformation ausgerechnet in einer Szene wie jener der Skinheads ereignen wird, sondern wohl eher in den (heute überall sich konstituierenden) Intellektuellenzirkeln der sog. Neuen Rechten.

Feindbilder

Die Songtexte präsentieren wohlfeile Feindbilder und zur Gewaltanwendung Argumente des moralischen Freispruchs1.

"Neger, Drogen, linkes Gesocks -die Liste wird niemals enden. Die wahren Deutschen...den Bach runtergehen...!"(Warum?/Sperrzone)

1) Die drei Jugendlichen, die im Oktober 1991 in Hünxe zwei libanesische Mädchen durch Brandsätze verstümmelten, gaben zu Protokoll, sich vor der Tat erst enthemmt und in die rechte Stimmung gebracht zu haben: mit Bier und dem Song Bomberpilot der Böhsen Onkelz.

- Der/Das Fremde: Die große Flut, der Untermensch und das deutsche Blut

Der Bielefelder Jugendforscher W.Heitmeyer definiert:
Rechtsextremismus = Ungleichheitsideologie + Gewaltbereitschaft!

"Das Verhältnis zum Fremden...ist abhängig von dem, was uns an uns selbst fremd ist. Das 'innere Ausland'(Freud) bestimmt entscheidend, wie Ausländer erfahren werden...So kann...verdrängt werden, was gesellschaftlich tabuisiert ist oder das eigene Selbstbild zu sehr bedroht. Dies dem Bewußtsein Entzogene kann wiederkehren, indem es auf Fremde projiziert wird, indem es also anderen untergeschoben wird. Im Bild des bedrohlichen Fremden kann dann die verdrängte eigene Aggressivität wiederkehren. Wo geltende Regeln nur widerwillig akzeptiert werden, kann er als Rechtsbrecher erscheinen, wo man viel arbeitet, erscheinen Ausländer leicht als faul1, wo man den Mund halten muß, gelten sie als laut, wo das sexuelle Begehren nicht gelebt werden kann, erfährt man ihre Triebhaftigkeit als bedrohlich!" (G.Vinnai/Sozialpsychologe)

"Die Fremden machen unser Land zunichte, was habt ihr gegen unsere Geschichte...!"(Flut/Radikahl)
"Sie fressen ständig Knoblauch und stinken wie 'ne Sau.Sie kommen hier nach Deutschland und leben hier für lau. Sie bauen hier nur Scheiße und machen hier nur Dreck. Man muß sie einfach töten, alles andere hat keinen Zweck...!"(Kanaken-Song)
"Deutsches Blut darf nie vergehn auf dieser Welt, Deutschland muß zusammenstehn, ganz egal, was auch geschieht...!"(Deutsches Blut/Kahlkopf)
"Deine Rasse zu verscheinasylanten2, wo denn genau leben wir? Dunkle Gestalten,wohin Du schaust, beiß auf die Zähne, ball Deine Faust. Wir lassen uns nicht vertreiben, wir werden in Deutschland Sieger bleiben...!"(Helden/Kahlkopf)
"In mir drin, da tut es weh, wenn ich heut so um mich seh. Ausländer, Aussiedler3 und Asylanten, selten trifft man noch einen Bekannten...!"(Volk steh auf/Werwolf)
"Bald sind Asylanten unsere Herren. Parasiten, das sind sie, arbeiten, das wollen sie nie1...!"(Parasiten/Stuka)
"Der Ausländer hat jetzt Deinen Job1, und der kriegt dafür auf'n Kopp...!"(Du bist stolz/Kraftschlag)
"Sag das Zauberwort Asyl, niemand kann uns halten, wir werden untergehn, das Boot fängt an zu sinken...!"(Asyl/Commando Pernod)
"Überall, wohin Du siehst, siehst Du wie Dein Land überfließt. Fremde Völker nisten sich ein und behaupten auch noch, deutsch zu sein...!"(In ein paar Jahren/Störkraft)
Steuerabgaben für eine Ausländerflut, uns wird das Geld aus der Tasche geklaut. Sie bringen Drogen mit sich, den Dreck, die Gewalt...Sie erheben sich aus dem Untergrund, drängen uns bis an den Rand, diese Gäste voll Dankbarkeit wollen die herrschaft auch in diesem Land...!"(Warum?/Sperrzone)
"Unsere Kultur ist 1000 Jahre alt, doch viele Schwarze sitzen heute noch im finsteren Urwald. Raus mit den Ausländerhuren, raus mit der Asylantenflut, weg mit dem Ausländerpack, denn in Deutschland erwacht die deutsche Wut. Deutschland erwache...!"(Ausländerhure/Kraftschlag)

1) Die Rede, wonach uns das "arbeitsscheue Ausländerpack die Arbeitsplätze wegnimmt", diese Rede hört man nicht nur in Skinhead-Liedern. ("Die Flüchtlinge, ebenso wie die objektiv Schwachen, werden regelmäßig herrischen Wesens und des Strebens nach Macht beschuldigt... Es ist das Bild des...Flüchtlings, der stark und schwach zugleich ist!"/Adorno).
2) Begriffe wie "(Schein-)Asylant" (- auch in bewußter Assoziation zum Wort "Asozialer" -), "das Boot ist voll" oder die "Ausländer-Flut" wurden ohne Zweifel dem Vokabular der Politiker und Journalisten in der öffentlichen Debatte um die Einwanderungsproblematik entnommen.
3) Vor 1989 galten die Rußland- und Polen-Deutschen ja gerade in der rechten Szene noch als unsere deutschen Bluts-Brüder, die es heim ins Reich zu holen galt!

- Der Abschaum: Penner, Junkies, Schwule, Krüppel...

Im Haß auf alles Unterprivilegierte, Ohnmächtige und Stigmatisierte steckt immer auch unausgesprochen die Aversion gegen das Schreckbild einer möglichen eigenen Zukunft.

"Er ist durchtrainiert und abgerichtet,nur abgerichtet um zu vernichten. Kampfhund, Bestie aus Fleisch und Blut...Schlechte Zeiten für den Abschaum im Land...Es erwartet sie eine höllische Qual...!"(Kampfhund/Störkraft)
"Da kommt der Paul mit seinem ROLLSTUHL an. Ich stech ihm beide Reifen platt...Jetzt tret ich zu, jetzt ist er satt...!"(Die Sau von nebenan/Kahlkopf)
"Frauen mit Schwänzen, Männer mit Fotzen, das sind Transvestiten, die find ich zum Kotzen...!"(Endstufe)
"Am Tresen gegenüber glotzen dunkle Penner herüber, doch sie werden beim Pogo schwitzen, wenn wir ihnen ihren Arsch aufschlitzen...!"(Pogo gegen Mitternacht/Werwolf)
"Dreckige Fixer1 in der dunklen Gasse, deutsche Jugend versinkend in den Straßen...!"(Wach auf/Märtyrer)
"Gewalt in den Straßen, Gewalt in den Schulen, Asylantenzustrom, Ehe zwischen Schwulen, millionenschwere Dealer, Massenarbeitslosigkeit - ist das das Ende der Nation?...!"(Ende der Nation/Freikorps)

1) Der Ächtung von Drogen steht (- auch das in unserer Gesellschaft ja durchaus üblich -) die Hingabe an das Kulturgut Bier gegenüber. (Den Streit um das angemessene Rauschmittel - Alkohol oder Marihuana - , den gab es schon zwischen Trojan-Skin und Rastafari).

- Die Linke: Punker, Zecken und der Geist (und die Musik) von Woodstock

Mit "den Linken" ist zum einen politisch gemeint die Anhängerschaft kommunistischer, sozialistischer oder pädagogisch-sozialreformerischer(68er) Ideen, zum andern aber ist "Links" auch ein Etikett für gegnerische Jugendcliquen (vor allem die Punks), ohne daß hierbei konkret auf ein politisches Credo rekurriert wird.
Zu bedenken ist hier natürlich auch, daß in der Ex-DDR der Begriff "Linker" eine durchaus andere Konnotation besitzt als in den westlichen Bundesländern.

"Ich bin froh, daß ich kein Linker bin, denn alles Rot ist Phantasterei...!"(Linke/Wotan)
"Die rote Masse nimmt drastisch ihren Lauf, drum zögere nicht länger, jede Stunde tut not. Dann sei viel LIEBER TOT ALS ROT...!"(Mann für Mann/Störkraft)
"Ich bin Skinhead, ist doch klar, ich finde mich einfach wunderbar.Ich kann Kommunisten nicht ertragen und will Punkern in die Fresse schlagen...!"(Skinhead/Endstufe)
"Rote Flut will uns ertränken,doch wir werden Wellenbrecher sein, Frauen und Kindern die Zukunft erhalten, im Land, das wir lieben, Deutschland...!"(Helden/Kahlkopf)
"Dunkelheit auf Deutschlands Straßen, wenn die linken Zecken schlafen, ziehen wir uns den Fusel rein und treten alles kurz und klein. Nur noch Schutt und Asche bleibt, wo einst die Hafenstraße war. Deutschland braucht uns Skinheads mehr als ein Riesen-Bullenheer...!"(Du bist stolz/Kraftschlag)
"Punks sind dreckige Schweine, Punks sind der Abschaum der Stadt. Ihr rotes Scheißpack, ich hab euch satt. Sein Kiefer zersplittert durch die Doc-Stahlkappe, jetzt noch einen Eiertritt, dann liegt er auf der Matte. Er blutet aus'm Schädel, doch bewegt sich noch, dann tret ich nochmal rein..., immer auf'n Kopf. Und nach diesem Vorfall heißt es dann gleich wieder 'Rock gegen Rechts'...!"(Scheiß Punks/Kraftschlag)
"Skinheads erwachen und scheißen auf die Hippie-Musik...Deutschland erwache und schmeiß die Acid-Musik raus...!"(Skinhead Rock'n'Roll/Endstufe)
"...gegen Spießertypen und Neumondleute...!"(Unser Land /Oi Dramz)
 
 
 

- Die-da-oben: Politiker, Polizei, Lehrer, Medien...

Richteten sich die Aversionen und Aggressionen früherer Jugendbewegungen immer zuerst an die Adresse der Autoritäten, so sind dagegen in der aktuellen rechtsradikalen Szene Angriffe auf die eigentlichen Machthaber weitaus seltener - und wenn, dann erfolgen sie bezeichnenderweise zumeist in direktem Zusammenhang mit der erhobenen Forderung an Die-da-oben nach Beistand im Kampf gegen Die-da-unten.

"...und Die-da-oben, die da sitzen, kommen auch noch dran...!"(Trotz Verbot nicht tot/Kraftschlag)
"Hey Du lächelndes, aalglattes, korruptes Schwein, Du mußt ein Politiker sein...!"(Kettenhund)
"Kameraden, es ist Zeit zu handeln,was man da sieht, das kann man nicht glauben, Scheinasylanten, die uns berauben, hirnlose Politiker, die so etwas zulassen, doch es gibt da noch Skinheads, die Ausländer hassen...An diesem Haß sind nur die Politiker schuld, durch sie verliert das Volk die Geduld...!"(Es ist Zeit zu handeln/Stuka)
"Gewalt überall, wohin ich gehe, in jedem Menschen, den ich sehe...Gewalt ist ein Weg des Lebens. Selbst der Staat braucht Gewalt und er schickt seine Bullen, ist eigentlich alles
vergebens...!"(Gewalt/Endstufe)
"Der ganze Umerziehungsdreck beeinflußt uns nicht. Manche glauben diese Scheiße, doch wir tun es nicht...!"(Kraft für Deutschland/Noie Werte)
"Auch in den Medien kannst Du es sehen,sie wollen Dich alle nicht verstehen...Immer wieder kannst Du es hören, sie wollen unseren Kult zerstören...!"(Tätowiert und kahlrasiert/Werwolf)
"Wer es nicht schafft, und zu verstehen, soll besser aus dem Weg
uns gehen. Sonst ist er, ehe er es begreift, längst schon von uns eingeseift...!"(Working Class/Endstufe)
"Es heißt, unser Staat sei demokratisch, und jeder hätte frei zu sein. Doch denkt man ihm zu national, buchtet er einen ein...!"(Mein Land/Noie Werte)

- Antisemitismus

Antisemitismus ohne Juden - ein altbekanntes Phänomen. In Deutschland leben heute kaum mehr als 40.OOO Bürger jüdischen Glaubens. D.h. in der Alltagserfahrung Jugendlicher ist "Der Jude" in persona so gut wie inexistent, was aber eben nicht verhindert, ja, was sogar dem noch Vorschub leistet, daß gerade "Der Jude" zum idealen Objekt der Projektion taugt und als Sündenbock (bzw., wie gehabt, als potentieller Weltverschwörer) hergenommen werden kann.

"...und eines Tages stürzen wir Zions Thron...!"(Trotz Verbot nicht tot/Kraftschlag)
"Blut muß fließen knüppeldick, wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik...!"(Endsieg)
"Wetz Dir Deine Messer auf dem Bürgersteig. Laß die Messer flutschen in den Judenleib rein. In der Synagoge hängt ein schwarzes Schwein. In die Parlamente schmeiß die Handgranaten rein...!"(Endsieg)

Unter Froinden

- Kameradschaft: Wir vs. Die

Wie Studien in Übereinstimmung belegen, ist für Heranwachsende die Peer-Group (die Gruppe der Gleichaltrigen) für die Ausbildung von Wertmaßstäben und Weltbildern in den letzten Jahrzehnten zunehmend bedeutsamer geworden1; zuletzt in einem solchen Maß, daß dagegen der Einfluß von Eltern oder Lehrern fast zu verschwinden droht. Zugleich ist zu beobachten, daß die Kluft zwischen In-Group (der man sich zugehörig fühlt) und Out-Group (der anderen Clique) immer kategorischer genommen und immer gewaltbereiter aufrechterhalten wird.
Gerade neofaschistische und nicht zuletzt auch paramilitärische Gruppen suggerieren Jugendlichen die Geborgenheit fester sozialer Strukturen und propagieren ihre Weltanschauung unter dem Etikett Kameradschaft.

"Denn unter Froinden, ja, da gibt's festen Halt, unter Froinden, da wird man niemals alt. Bedrückende Stunden, die gibt es bei uns wohl, doch da hilft unser Freund, der Alkohol. Wo es auch scheppert, wie es auch kracht, von ihnen wirst Du niemals ausgelacht...!"(Unter Froinden/Störkraft)
"Zu Gruppen geschlossen, die Fäuste geballt, die Haare geschoren, Zusammenhalt. Zusammenhalt ist unsere Stärke, Zusammenhalt gibt uns die Kraft, Zusammenhalt gibt uns die Macht... Skinhead-Power, der muß sein, denn Skinhead bedeutet, vereint zu sein!"(Zusammenhalt/Endstufe)
"In der Hand den Alkohol, so fühlst Du Dich richtig wohl. So ziehen wir los mit unserer Clique und scheißen auf eure dummen Blicke...!"(Tätowiert und kahlrasiert/Werwolf)
(Signifikant häufig ist in den Songtexten das "Wir-Gefühl" verknüpft mit einem Lob des "Freundes Alkohol").

1) In diesen Kontext gehört auch die sozialwissenschaftliche These, wonach in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Entgrenzung der Jugendphase zu beobachten ist. D.h. durch längere Ausbildungszeiten und (gravierender noch) durch verbreitete Jugendarbeitslosigkeit verschiebt sich der Eintritt in ein geregeltes Erwachsenenleben bei einer steigenden Zahl von Jugendlichen bis weit über das zwanzigste Lebensjahr hinaus, wodurch die biographischen Perspektiven für den Einzelnen immer unabsehbarer werden. In dieser unbehaglichen Situation nun bekommt gerade die Clique immer mehr den Charakter einer Solidargemeinschaft auf Dauer.

- Fußball-Hooligans

Viele Skinhead-Bands der ersten Stunde entstammen der Fußball-Hooligan-Szene. Das entscheidend Reizvolle an diesem Umfeld ist es wohl, daß man hier ein klares Feindbild vorfindet, völlig entlastet von jeder Definitions- und Legitimationsproblematik. (Durchaus gesellschaftlich akzeptiert ist der Grundsatz, wonach der Fan einer Mannschaft damit selbstverständlich zugleich der Gegner aller anderen Schlachtenbummler zu sein hat).

"Eine Masse voller Haß, voller Wut, die alles für die Mannschaft tut. Ob mit Fäusten, Knüppeln oder Stiefeln, es wird das Blut der Gegner fließen. Für die Mannschaft, für das Land erheben die Fans ihre rechte Hand. Es herrscht beim Fußball die Gewalt...!"(Hooligans/Störkraft)
"Wir stehen in unserem Block und singen unsere Lieder, wir stehen zusammen und machen alles nieder. Fußball und Gewalt, blutige Schlachten entwallt...Zerschlagt den Andern das dumme Gesicht...!"(Fußball und Gewalt/Böhse Onkelz)

- Arbeiterklasse

Die Skinheadbewegung rekrutierte sich ursprünglich fast ausschließlich und rekrutiert sich auch heute noch überwiegend aus Arbeiterkindern. Das pathetisch fiktive Bild des Arbeiters, wie es sich in den Liedern manifestiert, stammt, wie ja letztlich alle Ingredienzen der hier kolportierten Weltanschauung, aus der Tradition des 19.Jahrhunderts und ist in der modernen Dienstleistungsgesellschaft so sicher nicht mehr aufzufinden.
(Zum Skinhead-Outfit zählen dann auch neben den breiten Hosenträgern/Braces vor allem die Doc Martens-Arbeitsstiefel/Boots der Londoner Hafenarbeiter).

"Im Arbeiterviertel ist er geboren, zum Skinhead ist er auserkoren...Er ist so, wie er ist, doch die oberen Schichten verstehen ihn nicht,...Arbeiterklasse, Arbeiterklasse, die härteste Klasse, geboren auf der Straße...!"(Arbeiterklasse/Störkraft)
"Noch halten wir zusammen, noch haben wir unseren Spaß, wir sind ganz die Alten, wir sind Working Class...Wir tragen Boots & Braces, wir sind Working Class...!"(Skinheads/Body Checks)

- Rechte Parteien

Anders als etwa in England, wo seit Mitte der 70er Jahre (insbesondere durch die Person des Skrewdriver-Sängers Stuart-Donaldson) die rechte Rockmusik immer eng verstrickt war in die Strukturen extremistischer Rechtsparteien, war dieser Einfluß in Deutschland lange Zeit wesentlich geringer. Mittlerweile jedoch haben Politaktivisten wie Torsten Lemmer, die beiden ehemaligen FAP-Funktionäre Karl Polacek und Thorsten Heise oder der Führer der Sozialrevolutionären Arbeiterfront Andreas Pohl (selbst Skin-Rocker) das Terrain für sich sondiert.

"...und es gründen sich neue Rechtsparteien, für die deutsche Freiheit, ja, so soll es sein...!"(Trotz Verbot nicht tot/Kraftschlag)
 

Im Gegensatz zu früheren Jugendbewegungen, die ihre Auf-/Ausbrüche stets von (sozial) gesichertem Terrain aus starten und die jedes Sicherheitsdenken zunächst einmal getrost als spießig und für die eigenen biographischen Perspektiven irrelevant abtun konnten, sieht sich die heranwachsende Generation heute in eine mit unwägbaren Risiken (- s. U.Beck's Rede von der "Risikogesellschaft") behaftete und in höchstem Maße unübersichtliche Lebenswelt hineingestellt. Dies spiegelt sich auch in den Texten. Etwa in der ständig wiederkehrenden signifikanten Gegenüberstellung von euphorischen Schilderungen des ungebunden-zügellosen Cliquenlebens einerseits und dem unverhohlenen Wunsch nach geordneten Verhältnissen (mit Frau, Kind, Heim & Beruf) andererseits.

Europe awake: von der Deutschtümelei zur Festung Europa

Während man unter Deutschlands Rechtsradikalen noch "Deutschland, Deutschland über alles in der Welt" setzt, heißt es im Repertoire englischer Bands wie Skrewdriver längst schon "Europe awake". Die rechtsextremistische Jugendkultur ist ein gesamteuropäisches (und nordamerikanisches) Phänomen, und so ist es sicher kein Zufall, daß gerade in dieser Szene die Idee von einer "Festung Europa" unheimliche Gestalt annimmt.
(Europe awake/Tomorrow belongs to us - No Surrender Vol.4 - so heißt dann auch ein Fascho-Rock-Sampler mit Aufnahmen diverser deutscher und englischer Bands).

"Für die Reinheit unserer Rasse sind wir bereit, zu den Waffen zu greifen... Für Deutschland und Europa, so soll es diesmal sein, für die Wiedergeburt des Guten, stolz, weiß und rein...!"(Trotz Verbot nicht tot/Kraftschlag)
"Gemeinsam stehen wir für die nordische Macht, das Feuer der Reinheit ist in uns entfacht. Wie sind stolz, stark, arisch und rein und absolut stolz darauf, weiß zu sein. Wir sind Klansmen, weiße Rasse, weißes Blut. Wir sind Klansmen, watch out black man und sei auf der Hut...Ein brennendes Kreuz erhellt die Nacht. White Power - Weiße Macht...Denn der weißen Rasse haben wir's geschworen, und in Deutschland, da bin ich geboren...!"(Klansmen/Kraftschlag)

Fascho-Bands gibt es längst in allen europäischen Ländern: (um nur einige zu nennen)
England - (neben Skrewdriver und No Remorse ) Battle Zone /. Brutal Attack / Die-Hards / Skullhead
Frankreich -  Brutal Combat / Evil Skins / Legion 881
Italien - Peggior Amico / Verde-Bianco-Rosso
Rußland - Der mittlerweile verstorbene, sehr populäre patriotische Pop-Barde Talkov hatte enge Beziehungen zur rechtsextremen Bewegung Pamjat. Vor allem auch Schirinowski sucht immer wieder ganz bewußt die Nähe zur faschistischen Musikszene - medienwirksam mischt er sich unter das Publikum des Heavy-Metal-Rassisten Troitsky, oder er fungiert selbst (über Strohmänner) als Veranstalter solcher Konzerte, und als Chefredakteur der Jugendzeitschrift seiner Partei engagierte er den Rechtsrocker Jerikov.

1) Die 88 steht hier für zweimal H (den 8.Buchstaben des Alphabetes) - also für HH, will heißen: "Heil Hitler"!
(Die Band hat engen Kontakt zur neofaschistischen Organisation PNFE)
 

Über all dem stellt sich nun meines Erachtens eine ganz entscheidende Gretchenfrage: wie weit tragen heute noch jene Deutungsmuster der Jugendforschung, die in den 70er Jahren (federführend von englischen Wissenschaftlern wie Willis und Clarke) konzipiert wurden? Die darin erkenntnisleitende These lautete: Subkulturen haben seit eh und je provoziert durch - gewissermaßen bloß strategischen - Tabubruch. Sie meinen das ja alles im Grunde gar nicht so! Bis zu einem bestimmten Punkt ist sicherlich auch das Gehabe, das Outfit und der Jargon einer Gruppe wie der heutigen Skinheads als exzessiver Versuch der Abgrenzung (der Devianz) zu interpretieren - und unsere reizüberflutete Lebenswelt macht es eben geradezu unumgänglich, möglichst plakative und überzogen aggressive Mittel der Selbstpräsentation zu wählen, will man hier wirklich noch auffallen. Doch es stellen sich darüberhinaus grundlegend neue Fragen deshalb, weil die alten Spielregeln des Generationenkonfliktes in der aktuellen Situation auf signifikante Weise durchbrochen werden - und eben dadurch erwächst der rechtsextremistischen Jugendgewalt eine ganz neue, bedrohliche Dimension. Ist denn heute (einmal abgesehen vom allzu distanzlosen Hantieren mit Nazisymbolik) etwa das Einfordern von autoritären Strukturen bzw. das offensive Postulat von Ungleichheitsideen und sozialdarwinistischen Positionen tatsächlich noch tabu in unserer Gesellschaft? In gleichem Maße wie die emanzipatorischen und libertinären Zumutungen früherer Jugendbewegungen es waren?
Die Gießener Soziologen Leggewie und Bergmann sprechen im "Kursbuch Nr.113"(S.35) von den "konformen Rebellen":
"Konforme Rebellen nennen wir sie, weil sie sich nicht avantgardistisch vom Werterepertoire des Mainstreams abheben, sondern seine Geltung wieder mit Macht herbeiführen wollen - gegen die multikulturelle Unübersichtlichkeit und die sozialen Anomien einer kraftlos gewordenen Konsumgesellschaft. Selbst die scheinbar so abstoßende und ausgestoßenen Subkultur der Skinheads...verkörpert diese Paradoxie konformen Rebellentums. So sehr sie sich in Erscheinung, Habitus und Aktion von den 'Spießern' unterscheiden, so sehr verteidigen sie als 'Randgruppe mit Stolz'...deutsche Normalität gegen alle von außen kommenden Devianzen...(Die) 'kleinen' Leute und 'ehrlichen' deutschen Arbeitnehmer...,(jenes bedrohte) Milieu, das sie wieder in die Mitte der in ihren Augen übermäßig pädagogisierten und intellektualisierten Gesellschaft rücken möchten... Deren Ethos Leistung, Disziplin, Nation - haben sie verinnerlicht und verteidigen es gegen die Alternativkultur der Werteumstürzer, die...am authentischsten durch die 'grüne Lehrerin' verkörpert und durch den soldatischen Großvater konterkariert wird !"

Und, um zum Abschluß ruhig einmal den Teufel an die Wand zu malen: auch in der Vorgeschichte des jugoslawischen Bürgerkriegs spielten nationalistische, rassistische Rockbands mit ihrem Schwadronieren von Groß-Serbien oder der ethnischen Reinheit eine fatale Rolle in der Sozialisation junger Menschen, die dann mit Hurra-Geschrei ins Gemetzel an die Fronten zogen.
 
 

Literatur:
Max Annas/Ralph Christoph:"Neue Soundtracks für den Volksempfänger" (Verlag ID-Archiv/Berlin 1993)
Johannes Bähr/Dorothee Göbler:"Rockmusik und Rechtsextremismus" (Staatl.Landesbildstelle Hessen/Frankfurt 1993)
Dieter Baacke (u.a.): "Rock von Rechts" (Reihe "Medienpädagogische Handreichungen Nr.3"/Bielefeld 1994)
Klaus Farin/Eberhard Seidel-Pielen:"Skinheads" (Becksche Reihe/München 1993)
 

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DORFMUSIK IN DEN MODERNEN ZEITEN
Der Rechtsrockproduzent Torsten Lemmer
(von Dr.Lutz Neitzert)

(in: "Rechte Musik / Popscriptum 5" - Hrsg. Humboldt Universität Berlin / Berlin 1995)

"Der Fall Egoldt ist exemplarisch für das Entstehen des gesamten Nazi-Musik-Business, das sich jahrelang ohne größere Widerstände als ein Underground-Ding unter vielen entwickeln konnte...Bei 'Rock-O-Rama' fand sich eine musikalisch interessierte Minderheitenkultur ein, die aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft oft nur den kleinsten gemeinsamen Nenner besetzte: die nirgendwo sonst vertretene Vielfalt an Punk- und New Wave-Singles. Zum Stammpublikum gehörten neben der lokalen Punk-Szene ebenso die Mitarbeiter des...Musikmagazins 'Spex'...Schon damals waren sich die Geister uneins über den pluralen 'Rock-O-Rama'-Weg...bei Egoldt (konnten) offensichtlich all jene Bands auf ein offenes Ohr hoffen, deren politische Ausrichtung trotz aller Punk-Attitüden eher...reaktionär war. Und dies stand oft genug diametral zu den Ansprüchen seiner progressiv eingestellten Käuferschaft...Egoldt selbst (gab) sich aber niemals explizit als Anhänger faschistischer Ideologien zu erkennen..."!1
(R.Christoph/Redakteur der Zeitschrift "Spex")

Herbert Egoldt gründete sein Label Rock-O-Rama (Köln u. Brühl) bereits 1977, und auch intimere Kenner der Szene beruhigten sich damals erstaunlich schnell über das Auftauchen solcher Bands wie "Skrewdriver" (des in England auch parteipolitisch aktiven Neofaschisten Ian Stuart-Donaldson) oder "Böhse Onkelz". Gedeckt sah man sich dabei nicht zuletzt durch (sozialpsychologische) Erklärungsmodelle, wie sie federführend das "Centre for contemporary cultural studies" Birmingham (Willis, Clarke u.a.2) entwickelt hatte: Subkulturen haben seit den Zeiten des Rock'n'Roll immer schon provoziert durch quasi bloß strategischen Tabubruch. Jugendliche sichten das in ihrer Lebenswelt vorgefundene Reservoir an Symbolen und okkupieren es nach dem Maß des darin virulenten Provokationspotentials - d.h. im Grunde meinen sie das ja alles gar nicht so!
Linke Punk-Bands wie die "Sex Pistols", die bei ihren Auftritten mit Hakenkreuzen als T-Shirt-Design Skandal machten, schienen diese Sicht dazumal ja auch aktuell und sinnfällig zu bestätigen. Also versuchte man das Phänomen "Fascho-Rock" zunächst einmal nach immanenten (vor allem auch ästhetischen) Kriterien zu fassen und im exklusiven Szenediskurs zu halten. Als dann mit der Rock-O-Rama-LP "Der nette Mann"/"Böhse Onkelz" zum erstenmal in Deutschland eine Rechtsrockplatte von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert wurde, da war es nur folgerichtig, daß 1987 die Zeitschrift "Spex" sich als Reaktion auf das Medienecho mokierte über die "besorgt sozialdemokratische Arschlöcherfraktion, (die einen) Popanz 'Faschometaller' (aufbaut)". Fünf Jahre später dann, im November 1992, titelte man selbst "The Kids are not alright: Der Neonazi-Underground, von dessen Existenz man in den Achtzigern wohl wußte, der einen aber aufgrund von Unter-vielem-anderen-gibt -es-auch-das-Irrelevanz nicht interessierte, beginnt plötzlich durch aktuelle Anlässe gestärkt aus seinem Schattendasein herauszutreten - wer hätte schon damit gerechnet, daß die 'Onkelz' mal Platz 5 der LP-Charts erreichen würden"!

Im Zuge des von den Ereignissen in Rostock, Mölln und Solingen angefachten Medien-Hype 1992/93, der selbst noch die letzte Garagenband zum Trendsetter hochspielte, ehe die Journalisten das Thema allzubald schon wieder als hinreichend abgefeiert ad acta legten, war der Name Egoldt/Rock-O-Rama zum Synonym für das rechte Plattenbusiness geworden. Dabei hatte die Szene nach 1989 längst einen neuen (und der Zeit gemäßeren) Geschäftsführer: Torsten Lemmer.
Spätestens mit ihm endete die Exklusivität der nationalistischen Jugendmusik (als ein "Unterground-Ding unter vielen") und im wiedervereinigten Deutschland erhielt die Szene (im Kontext der Asyldebatte und der anschwellenden Reden vom neuen Selbstbewußtsein der Nation) eine populistische Ausrichtung3:
Eine Jugendbewegung formiert sich als Speerspitze der Stammtische!
Torsten Lemmer steht für dieses Programm.
 

1970 in Düsseldorf geboren, profilierte er sich zunächst vor allem als Manager der Gruppe "Störkraft".
Ganz anders als Egoldt, den die Öffentlichkeit kaum je einmal zu Gesicht bekommen hat, sucht Lemmer offensiv jede Kamera und jedes Mikrophon. Den Umschlag seines 1994 erschienenen Buches "Skinhead-Rock / Eine notwendige Klarstellung über nonkonforme Musik" schmückt denn auch ein Foto, welches ihn zusammen mit Jörg Petritsch und Stefan Rasche (beides Mitglieder von "Störkraft") in der SAT 1-Sendung "Einspruch" zeigt. In einem eigenen Kapitel darin listet er zudem ausführlich all seine Trophäen aus der Zeit des großen Medienrummels noch einmal auf:
"Das Medienjahr für nonkonforme rechte Skinheadmusik war 1992 gekommen...Mehr als 80 Artikel veröffentlichte die Lokalpresse innerhalb von drei Monaten...Der englische Musikkanal MTV opferte einen ganzen Tag, via Satellit europaweit über rechte Rockmusik zu berichten...(Darin ein) Interview-Ausschnitt mit dem Sänger der Band 'Störkraft' und deren damaligem Manager Torsten Lemmer...Zuvor gab es einen Auftritt in der ältesten Talkshow Deutschlands, der 'NDR-Talkshow', die über Kabel in alle deutschen Haushalte gelang(te) und...via Satellit in die ganze Welt ausgestrahlt wurde...Der größte Diskussionsstoff wurde allerdings durch die Sendung von Ullrich Meyers 'Einspruch' ausgelöst...In seiner Moderation war Ullrich Meyer ein fairer Talkmaster...(Weitere Berichte) über 'Störkraft' (gab es dann) u.a. in 'Spiegel TV'(RTL),'Akut'(SAT 1),'Report'(ARD) und 'Frontal'(ZDF)...Das größte und bedeutendste Nachrichtenmagazin in Deutschland, 'Der Spiegel' aus Hamburg, führte ein großes Exclusiv-Interview mit der Gruppe 'Störkraft'...Bis dahin ein Novum, denn zuvor war es noch keinem...rechten Künstler oder Politiker gelungen, in so einer breiten Form in den 'Spiegel' zu gelangen..."

1989 beginnt Lemmer eine journalistische Ausbildung im einschlägig bekannten Verlag "Mehr Wissen" (Düsseldorf-Langenfeld) des rechten Buchhändlers Kurt Winter, dort, wo heute auch sein eigenes Buch und ebenfalls das von ihm herausgegebene Fanzine "Moderne Zeiten" produziert werden.
Als Macher der Jugendzeitung "Appell" und später als Chefredakteur der Stadtillustrierten "Pinboard" wurde Lemmer bald zu einer schillernden (und für Parteistrategen interessanten) Figur im Umfeld der nordrhein-westfälischen Republikaner, ehe er sich dann mit einer Reihe anderer REP-Renegaten (darunter auch Kurt Winter) zu einer "Freien Wählergemeinschaft" zusammenschloß und von 1989-93 als gewählter Volksvertreter (in der Funktion eines Fraktionsgeschäftsführers) in das Kommunalparlament seiner Heimatstadt einzog.
 

Im "Rororo-Handbuch Rechtsextremismus" schreibt Bernd Wagner:"(Die FWG-Düsseldorf) hat enge Verbindung zum 'Deutschen Hochleistungskampfkunstverband' in Solingen, der seinerseits Kontakte zur inzwischen verbotenen 'Nationalistischen Front' pflegte sowie nach deren Verbot zur  'Sozialrevolutionären Arbeiterfront'..."4

Die Lokalpresse beschäftigte er fortan mit Aktionen5 wie etwa der Reise eines von ihm gegründeten "Jugend-Oppositions-Stammtisches" zu einem "Störkraft"-Konzert  - oder, indem er gemeinsam mit Jörg Petritsch eine internationale Pressekonferenz zum Thema Rechtsrock ins Düsseldorfer Rathaus einberief: "Dort gaben sich Journalisten aus Holland, Belgien, Luxemburg und Frankreich die Klinke in die Hand. An...Torsten Lemmer trat sogar ein Fernsehsender aus Japan heran" (zitiert aus seinem Buch).

Als weitere ihm wichtige Details aus seinem Lebenslauf nennt er im Umschlagtext:
"In der Saison 1991/92 Pressesprecher des Football-Bundesligisten 'Bulldozer'...
Zeitgleich...Mitglied im Musterungsausschuß der Bundeswehr...
Von 1988-93 Vorsitzender des ältesten Nachwuchsjournalistenverbandes, der 1952 gegründeten Landesjugendpresse NRW e.V. ..."

Auch jenseits aller Verschwörungstheorien gibt das Personal der Lemmer'schen Unternehmungen und die Bandbreite seiner Projekte durchaus einen Einblick in das fortgeschrittene Stadium der Verflechtungen innerhalb der rechten Szene in Deutschland.

So gehört er (zeitweise als Mitherausgeber) zum Stamm der seit 1987 in Köln erscheinenden Zeitschrift "Europa vorn". Zu seinen Redaktionskollegen zählen dort u.a. Marcus Bauer (Redakteur auch der "Jungen Freiheit", des zur Zeit sicherlich einflußreichsten neurechten Publikationsorgans), Wolfgang Strauss (Autor auch bei "Criticon", "Nation + Europa" und in den "Staatsbriefen"), Torsten Paproth ("Schlesien-Aktivist") und (v.i.S.d.P.) Manfred Rouhs.
Der Jurist und rechte Jungunternehmer Rouhs (Ex-Vorsitzender der "Jungen Nationaldemokraten" und, wie Lemmer, Ex-Republikaner) saß von 1989-94 als Abgeordneter der "Deutschen Liga für Volk und Heimat" im Parlament der Domstadt. In seiner (seit kurzem im Billiglohnland Ukraine gedruckten und auch über eine Erlanger Mailbox verbreiteten) Postille finden sich (14-tägig in ca.15000 Exemplaren) immer auch mehrseitig Kaufangebote für Tonträger mit rechter Rockmusik. Neben Produkten aus dem Hause Lemmer vor allem solche seines eigenen Labels "M(anfred) R(ouhs) Records". Als Zugpferd über die rechtsradikale Szene hinaus versucht er hier seit einiger Zeit (den der NPD nahestehenden) Rene Heizer ("Balladen für Deutschland") zu promoten, der mit einer (potentiell hitparadentauglichen) eingängig melodiösen Popmusik und "patriotischen" Texten durchaus ein größeres Publikum erreichen könnte.
Zuallererst jedoch sieht sich "Europa vorn" als ein Forum der "Neuen (und nicht mehr ganz so neuen) Rechten".
"Orientiert an der französischen 'Nouvelle Droite' gelang es den Zeitungsmachern..., rechte Akademiker wie Hellmut Diwald ('93 verstorbener Historiker aus Erlangen/L.N.), Bernard Willms (Politologe an der Uni Bochum/L.N.), Reinhold Oberlercher (zu Apo-Zeiten '68 noch ideologischer Vordenker und führendes Mitglied des SDS!/L.N.) oder Emil Schlee (Europaparlamentarier der Republikaner/L.N.) zu verpflichten und im eigenen Lager ein beachtliches Renommee zu gewinnen"6.
Als weitere Autoren des Blattes tauchen u.a. auf: Hans-Helmuth Knütter (Politologe an der Uni Bonn und wissenschaftlicher Beirat der Bundeszentrale für politische Bildung), Herbert Hupka (Vertriebenenfunktionär), Armin Mohler (ehemals stellvertretender Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, Chef der Siemens-Stiftung, Schönhuber-Berater und Privatsekretär Ernst Jünger's, daneben Kolumnist der "Jungen Freiheit") und -nicht zu vergessen- Alain de Benoist (seit vielen Jahren Kopf der rechten Intelligenz in Frankreich und mit seiner - Antonio Gramsci entwendeten - These von der insbesondere auf dem Gebiet der Publizistik und der Alltagskultur zu erobernden "kulturellen Hegemonie" erklärtes Vorbild für die Strategen einer "konservativen Revolution" auch hierzulande).
"(Europa vorn tritt) für die Herausbildung einer...vereinigten Rechten ein, die das gesamte... Spektrum von Befreiungsnationalisten über Nationalkonservative bis zu religiös motivierten Lebens- und Umweltschützern umfassen soll"7.
 
 
 

Anfang der 90er Jahre gründete Lemmer dann zusammen mit ebenjenem Manfred Rouhs, mit Andreas Zehnsdorf (Skinhead-Führer aus Essen und Hrsg. des Fanzines "Frontal"), Kurt Winter und Mitgliedern der Gruppe "Störkraft" drei parallel operierende Firmen:
das Label "DORFMUSIK",
den Vertrieb  "MODERNE ZEITEN/CREATIVE ZEITEN"(dort erscheint auch das gleichnamige Musikjournal)
und die Plattenfirma "FUNNY SOUNDS & VISION".
Exklusiv unter Vertrag steht bei ihm (neben "Störkraft") vor allem eine ganze Reihe von Bands einer neuen Generation (gegründet allesamt in den Jahren 1993/94): (u.a.)
"08/15"(Düsseldorf)("Stark angekündigt in verschiedenen TV-Programmen, nicht zuletzt in 'Spiegel-TV'"/Zitat aus "Moderne Zeiten"/April'93)
"Rheinwacht" (Düsseldorf), "Schlagzoig"(Mettmann), "Bomber" und "Tollwut" (beide aus Meerane/Sachsen).
(Unter dem Titel "Klänge einer neuen Generation" erhältlich auch ein Sampler mit Aufnahmen der genannten Bands).
Im Vertrieb hat Lemmer außerdem fast alle einschlägigen Fascho-Gruppen aus dem In- und Ausland (nebst Fanartikel) - sowie einige der literarischen Szene-Bestseller: Schirinowski, "Mäxchen Treuherz", eine Schönhuber-Biographie (u.ä.m.)
 

Bei allem Dilettantismus, der Lemmer's Aktivitäten anhaften mag (und der sicher auch ganz bewußt von ihm kultiviert wird, solange sich der größte Teil seiner Kundschaft aus Skinhead-Kreisen rekrutiert, die einen allzu augenscheinlichen Professionalismus kaum goutieren würden), geben seine Operationen und programmatischen Äußerungen dennoch gewisse Anhaltspunkte für mögliche Tendenzen und Potentiale innerhalb der rechten Jugendszene.
Natürlich weiß Lemmer sehr gut, daß die Entwicklungsmöglichkeiten des Skinhead-Milieus (gerade auch in Sachen Medienpräsenz) mittlerweile längst ausgereizt sind.
Anders als Rock-O-Rama, das schon aus geschäftlichem Interesse (im Schatten des Kölner Plattenkaufhausgiganten "Saturn") nie versucht hat, seine Nische im Independent-Markt zu verlassen, ergreift Lemmer jede sich bietende Chance, über den engen Zirkel der "Glatzen" hinaus eine andere Klientel zu erreichen. So finden sich in seinem Programm Rockabilly-Bands8 (wie etwa die Gruppe "Schlagzoig") oder auch Heavy-Metal-Combos, die sich dem rechten Lager zuschlagen, wie etwa "Saccara" (im Zusammenhang mit dieser Band weist Lemmer übrigens immer wieder hin auf die Verbindungen der renommierten Frankfurter Plattenfirma "Bellaphon" zum rechten Musikgeschäft. Nicht nur, daß dort seit '91 die "Böhsen Onkelz" lukrativ unter Vertrag stehen, auch Platten ebenjener Band "Saccara" wurden und werden von "Bellaphon" vertrieben - ebenso, laut Lemmer, in Kooperation mit den Labels "Music Enterprises" und "Skull-Records", Tonträger der Gruppen "Kahlkopf" und "Boots & Braces").

Lemmer's Ziel ist es, seine Produkte letztlich in jenen rechten Mainstream einzuspeisen, den die "Böhsen Onkelz"9 mit sechsstelligen Verkaufszahlen (und das ohne jegliche kommerzielle Werbung und trotz des Boykotts durch fast sämtliche große Plattengeschäfte!) angebahnt haben.

Das Reservoir für seine Dorfmusik in den Modernen Zeiten, das findet sich pointiert charakterisiert im Aufsatz von Claus Leggewie und Jörg Bergmann über die "konformen Rebellen":
"'Konforme Rebellen' nennen wir sie, weil sie sich nicht avantgardistisch vom Werterepertoire des Mainstreams abheben, sondern seine Geltung wieder mit Macht herbeiführen wollen - gegen die multikulturelle Unübersichtlichkeit und die sozialen Anomien einer kraftlos gewordenen Konsumgesellschaft. Selbst die scheinbar so abstoßende und ausgestoßene Subkultur der Skinheads ...verkörpert diese Paradoxie konformen Rebellentums. So sehr sie sich in Erscheinung, Habitus und Aktion von den 'Spießern' unterscheiden, so sehr verteidigen sie als 'Randgruppe mit Stolz'...deutsche Normalität gegen alle von außen kommenden Devianzen...(Die)'kleinen' Leute und 'ehrlichen' deutschen Arbeitnehmer...,(jenes bedrohte) Milieu, das sie wieder in die Mitte der in ihren Augen übermäßig pädagogisierten und intellektualisierten Gesellschaft rücken möchten...Deren Ethos Leistung, Disziplin, Nation - haben sie verinnerlicht und verteidigen es gegen die Alternativkultur der Werteumstürzer, die...am authentischsten durch die 'grüne Lehrerin' verkörpert und durch den soldatischen Großvater konterkariert wird"!10
(Jugendstudien, wie u.v.a. die des "Leipziger Instituts für Jugendforschung'92" zeigen, daß dieses Reservoir durchaus kein geringes ist).

Große Hoffnungen setzt (nicht nur) Lemmer dabei auch auf tümelnde Liedermacher wie etwa Frank Rennicke, dessen Konzerte und Platten (CD:"Ich bin nicht modern, ich fühle deutsch") in den "Modernen Zeiten" immer wieder euphorisch rezensiert werden.

"Die...verschiedenen Schienen der Rechtsrockmusik müssen um viele weitere Komponenten erweitert werden. So sollte z.B. auch Techno- und Discomusik mit nonkonformen Texten versehen werden. Auch auf dem Sektor der selbstironischen Blödelmusik, wie sie z.B. Mike Krüger betreibt, sollte sich ein rechter Barde finden lassen, der in dieser Form die Probleme ganz unkompliziert und auf lustige Art und Weise anreißt...Durch die Erweiterung der rechten Musik auf die hier genannten verschiedenen Musikrichtungen wird erreicht, daß automatisch auch die Hörerschichten...erweitert werden...(Auf dem neuen Medium) Video...könnte (sich das Publikum) ein Bild machen, daß es sich bei den nonkonformen Musikern nicht um Krawallbrüder...handelt, sondern um junge anständige und ordentliche Kämpfer für ein besseres Deutschland..." (zitiert aus seinem Buch)

Die Suche gilt also verstärkt Musikern mit dezenterer Tonlage und stammtischkompatiblen Texten.

Mit besonderem Interesse registriert er da natürlich auch Artikel wie den folgenden aus dem eher altbacken ewiggestrigen Theorieorgan "Nation + Europa"(Dezember'92):
"Gerade jetzt (erschienen ist) die ...LP der Heidelberger Band 'Aufruhr', die den Titel 'Freiheit' trägt und die 'allen Völkern gewidmet ist, die zu dieser Zeit im nationalistischen Befreiungskampf stehen'. Lobenswert ist anzumerken, daß es den fünf Musikern dieser Gruppe gelungen ist, vom 3-Akkord-Gehobel wegzukommen, und zwar immer noch harte, aber auch anspruchsvolle Musik zu machen, deren Texte nicht von oberflächlichen 'Blut & Ehre'-Parolen überquellen..."
 

In seiner Programmschrift projektiert er darüberhinaus:"(Man könnte) sich vorstellen, daß z.B. auch eine gezielte Werbeanzeige in...Sportfachblättern mit...hoher Auflage ein neues Publikum ansprechen würde. Gezielt wäre dies möglich, wenn beispielsweise eine...Musikgruppe einen Tonträger mit Texten zu einem bestimmten Sportereignis wie der Fußballweltmeisterschaft herausbringt. Dieser Versuch wäre es wert, denn hier besteht nicht der direkte Verdacht, mit rechtem Gedankengut in Verbindung gebracht zu werden..." (Bei "Funny Sounds & Vision" erschien 1994 eine CD unter dem Titel "WM-Blöker"/eine Koproduktion der Gruppen "Rheinwacht" und "08/15" - darauf debütierte Lemmer übrigens als Sänger).

Weiter schreibt er:"(Auch könnte man Musiken als Soundtracks für Videospiele) Computerfirmen vorschlagen, die nicht unbedingt firm in dem sind, was Rechtsrock ist...,(um so) bei den Computerfreaks einen Durchbruch zu erzielen, denn im Begleitheft wird selbstverständlich auch der Musiker erwähnt, der für die musikalische Untermalung verantwortlich zeichnet. Da es sich um Instrumentalstücke handelt, wäre hier zumindest ein Einstieg in die etablierte Musikwelt erreicht"!

Den größten Reiz jedoch übt auf ihn zur Zeit sicherlich die (massenbewegende) Techno-Szene aus. Einige Projekte in diesem Revier hat er bereits lanciert oder gefördert ("Standarte" oder auch eine Platte mit dem Titel "Techno Town").
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht auch ein Artikel, der im Oktober'93 in der "Jungen Freiheit" erschienen ist. Unter der Überschrift "Stahlgewitter als Freizeitspaß" hieß es dort: "Die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche...(und sprechen eine andere Sprache als die der Moderne)...Macht, Gewalt, Ekstase, Geschwindigkeit, Totalität von Herrschaft und Unterordnung - diese Schlagworte bieten ganz brauchbare Eckpunkte zur Markierung des ästhetischen Gehalts von Tekkno. Dieser augenscheinliche Gegensatz zur Welt des Rock'n'Roll zeigt sich auch im düsteren Schein der Laserbatterien, die auf breiter Front im Kunstnebel die Halle durchfluten und an die Scheinwerfer der Luftaufklärung erinnern... Selten sieht man tausende Menschen so lustvoll und mit Hingabe ihren Führern folgen. Zum einen führt der gnadenlose Schlag der Musik, zum andern die - in auffallend gestrengem Ton gehaltenen - Kommandos der DJs..."!
 

Ebenfalls vom Feuilleton der "Jungen Freiheit" (November'94) mit freudigem Erstaunen kommentiert wurde übrigens Lemmer's Faible für die deutsche Romantik: "Bands des 'nationalen' Musiklagers haben die Romantik entdeckt. Verwundert reibt man sich die Augen, wenn man auf den Covers statt Totenköpfen...oder Flaggen...nun echte Kunst entdeckt"!
So verpaßte Lemmer den jüngsten Veröffentlichungen seiner Bands "Rheinwacht"(CD:"Neue Macht"),"08/15" (CD:"Die Schonzeit ist vorbei") und "Tollwut"(CD:"Der Alptraum beginnt") als Illustration  jeweils ein Gemälde von Caspar David Friedrich ("Der Wandrer über dem Nebelmeer","Die gescheiterte Hoffnung" bzw. "Die Abtei im Eichenwald").

Ob jedoch Lemmer's Wirken zuletzt tatsächlich im eher Skurrilen steckenbleiben wird (und auch, welches Kaliber mögliche Nachfolger und Mitstreiter haben werden), das bleibt abzuwarten. Aufgezeigt hat er jedenfalls schon heute, welche Stoßrichtungen die rechte Jugendmusikszene und ihre Macher zukünftig einschlagen könnten.
 

"VATER RHEIN
Morgens aufstehen, das fällt mir schwer / denn meine Liebste liegt neben mir / Sehen die Augen auch trübe aus / der Chef, der wartet, ich muß raus /

Refrain: Trinken, heiter, lustig sein / fällt uns leicht am Vater Rhein / Sitzen, lachen, gröhlen, schrein / hier bei uns am Rhein /

Auf der Arbeit geht es ran / hier steh ich täglich meinen Mann / Jeder träumt vom Wochenend / vielleicht spielt irgendwo 'ne Band /

Auf dem Weg nach Hause komm ich dann / voll Durst an meiner Kneipe an / Freunde rufen:'Mensch, komm doch rein!' / laß uns besoffen sein".("Rheinwacht"/Text:TORSTEN LEMMER)
 

Anmerkungen:

1) in Annas/Christoph: "Neue Soundtracks für den Volksempfänger"(ID-Archiv/Berlin'93) S.112ff

2) s. Willis:"Profane Culture"('78) u. "Spaß am Widerstand"('79)
      Clarke:"Jugendkultur als Widerstand"('76)

3) In England war es die "National Front", die mit "White Noise" das erste genuine rechte OI-Musik-Label gründete, im französischen Brest vertreibt und produziert der Politaktivist Gael Bodilis mit seiner Firma "Rebelles Europeens" (Adresse ausgerechnet in der "Rue Jean Jaures"!) viele Platten auch deutscher Fascho-Bands, und in Rußland sucht gerade Wladimir Schiriniowski immer wieder Kontakt zur rechten Musikszene (gerne mischt er sich medienwirksam unter das Publikum des Heavy-Metal-Rassisten Troitski, und als Chefredakteur seiner parteieigenen Jugendzeitschrift bestellte er den Rechtsrocker Jerikow).
Nicht Avantgardisten tummeln sich heute im Umfeld dieser Jugendszene, sondern agitierende Populisten!

4) s."Rororo-Handbuch Rechtsextremismus"(Hamburg'94) S.44.
Neben den mutmaßlichen Brandstiftern von Solingen trimmte sich im "Hak Pao Kampfsportclub" (unter Aufsicht eines V-Mannes des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, wie man heute weiß) Lemmer neben "Störkraft", den Mitgliedern der "Bergischen Front" und den beiden Neonaziführern Christian Worch und Meinolf Schönborn.
Einer der Köpfe jener "Sozialrevolutionären Arbeiterfront" ist übrigens Andreas Pohl, Mitglied der Berliner Skinhead-Band "Kraft durch Froide".

5) Für Weihnachten'92 kündigte er ein Benefiz-Konzert von "Störkraft" an zugunsten der "Deutschen Kinderkrebshilfe" (die Organisation erwirkte daraufhin ein Verbot und konnte die Veranstaltung in letzter Minute verhindern).
Und als es Ende'93 bei Gericht darum ging, den (wegen Volksverhetzung) angeklagten Jörg Petritsch vor einer Gefängnisstrafe zu bewahren, da veröffentlichte Lemmer eine neue CD der Band, darauf ein flammender Aufruf gegen den Ausländerhaß. In seinem Fanzine "Moderne Zeiten" gab es dazu ein "Störkraft"-Interview mit gleichfalls abwiegelnden Tönen - der letzte Satz darin allerdings lautete (wohl gerichtet an die rechte Kundschaft): "Reden ist Silber und Schweigen ist Gold"! (und am Fuß der Seite als kleingedruckte Randbemerkung. "Feind liest mit"!)
Zuletzt verschaffte er seinem Rechtsrockbuch ein gewisses Medienecho dadurch, daß er hierin ein Foto abdruckte, welches ihn Hand in Hand mit einem (wohl ahnungslosen) bayerischen Justizstaatssekretär zeigte. Darunter als angebliches Zitat des Politikers: "Ich wünsche Ihnen ein gutes Gelingen für Ihr Erstlingswerk"!

6) s. A.Lange:"Was die Rechten lesen"(München'93) S.99.

7) s. "Rororo-Handbuch Rechtsextremismus"(s.o.) S.170

8) Assoziiert wird dieser Musikstil innerhalb der Szene natürlich immer auch mit dem Südstaaten-Rassismus in den USA.
Vorbild ist hier die englische Gruppe "Klansmen" (ein Projekt des "Skrewdriver"-Sängers Stuart-Donaldson).

9) Erstaunlich wenige ihrer jungen Hörer nehmen der Band ihre Vergangenheit noch übel - es scheint kaum zu kümmern. Und die sozialdarwinistischen Positionen ihrer neueren Songs aufzuklären, das ist ein sehr schweres pädagogisches Geschäft.

10) "Kursbuch Nr.113/'Deutsche Jugend'"(September'93) S.35
 
 
 
 
 

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DIE NEUE RECHTE  oder  DAS SPIEL IST AUS
(Zur Ästhetik der Gegenmoderne)
(von Dr.Lutz Neitzert)

(in: "Kunst und Unterricht" Heft 185 / 1994)
 

1982: Hakenkreuze neben Hammer & Sichel, daneben das Playboy-Häschen - als Ornamente eingewebt ins Strickmuster von Wollmützen, Strümpfen und Pullovern.
Rosemarie Trockel trieb ihr ironisch entlarvendes Spiel mit Symbolen und entblößenden Konstellationen.
MODERNE KUNST.
Seht her, jedes Pathos macht sich wie von selbst lächerlich in unseren modernen Zeiten -
jedes Emblem (und stand es auch einst für finsterste Barbarei) ist in unserer Popkultur hilflos der Willkür und der (guten) Laune seines Deuters ausgeliefert -
der Mensch in unseren Tagen steht nicht länger in Bann!
Ihr braucht keine Angst mehr zu haben - die totalitären Ideologien und bornierten Weltbilder haben als Anachronismen abgedankt -   ein für allemal im Multimedia-Zeitalter, in der Informationsgesellschaft, im "globalen TV-Dorf" -
und mit ihnen verschwindet auch die Anmaßung einer autoritären Ästhetik -
Anything goes, nothing hurts!
Man war geneigt, es zu glauben - damals!
 

1992: Während eines Fernsehinterviews trug ein Musiker der faschistischen Skinhead-Band "Störkraft" einen mit Hakenkreuzen verzierten Pullover aus ebenjener Kollektion von Rosemarie Trockel.
Aller Hintersinn war verflogen!

Es ist zu dumm - aber DAS SPIEL IST AUS!
 

"Die Kultur als Machtfrage" -
unter dieser Überschrift verkündet in seiner Oktoberausgabe'93 das Zentralorgan der "Neuen Rechten", die Zeitschrift "Junge Freiheit"(JF), das Programm einer "reaktionären Ästhetik der konservativen Revolution":
"(Das) Angebot des revolutionären Konservatismus an den modernen Menschen geht bis zur Neudefinition seiner Existenz... Unmittelbar ist die menschliche Lebensführung betroffen... Letztlich geht es um eine 'Seelenfärbung', beschreibbar durch...ästhetische Figuren... Die Substanz jener ästhetischen Figuren ist die von 'inneren Bildern':
Der Gedanke der Wiederkehr (Kreis), monadenhafte Erd- und Gottverbundenheit, Tragik und Bestimmung, Ehre und Glaube, Haltung von Geist, Seele, Körper, Schöpfungs- und Vernichtungsakt...
Es geht um reale Defizite im permanenten Ausnahmezustand einer sterbenden Epoche. Solche Defizite, ungelöste Spannungen aufzugreifen, ist Aufgabe des revolutionären Konservatismus"!
"Revolutionärer Konservatismus" - Deja vu - im Geistesleben der Weimarer Republik firmierten unter diesem Etikett Blut & Boden-Ideologen und Machiavellisten wie Ernst Jünger1, Carl Schmitt oder Arthur Moeller van den Bruck, Vordenker des Nationalsozialismus, die nun plötzlich wieder - up to date - zu Stichwortgebern geworden sind einer neurechten Intelligenz.

"Daß Konservativ-Sein heute eine revolutionäre Haltung bedingt, ist offensichtlicher denn je... Hier tritt ein Ansatz auf, der von seiner Anlage her Wissenschaft, Kunst, Religion, Jugendkultur und Politik von Grund auf 'umwälzen' kann...
In Deutschland entsteht eine Rechte, die auf der Höhe der Zeit steht - und noch ein kleines Stückchen darüber hinaus"!(JF)

Die Protagonisten einer Ästhetik der GEGENMODERNE präsentieren sich als Rädelsführer einer Jugend-Bewegung - als Avantgarde. Niemand sollte die Hoffnung hegen, daß sich der Neofaschismus in Kultur und Politik selbst diskreditieren wird durch den Ruch des Ewiggestrigen. Er wird ganz ohne Zweifel tatsächlich "auf der Höhe der Zeit" sein.

"Die Jugendkultur von heute bietet erfolgversprechende Ansätze...
Der Gedanke, (wonach) die 'Moderne' nie Endzustand sein kann und 'Postmoderne' nur als Hilfsvokabel zur Umschreibung der Pulverisierung aufklärerischen Erbes fungiert, scheint Bestandteil vieler Jugendkulturen zu sein.
Ein merkwürdiges Bewußtsein, in einer Phase des Niedergangs zu leben, ist virulent..."!(JF)

Vor allem in der Jugendszene stehen ihre Seismographen:

"Die Parties der Tekkno-Szene gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche...(und sprechen eine andere Sprache als die der 'Moderne')...
STAHLGEWITTER ALS FREIZEITSPASS... Macht, Gewalt, Ekstase, Geschwindigkeit, Totalität von Herrschaft und Unterordnung - diese Schlagworte bieten ganz brauchbare Eckpunkte zur Markierung des ästhetischen Gehalts von Tekkno. Dieser augenscheinliche Gegensatz zur Welt des Rock'n'Roll zeigt sich auch im düsteren Schein der Laserbatterien, die auf breiter Front im Kunstnebel die Halle durchfluten und an die Scheinwerfer der Luftaufklärung erinnern... Selten sieht man tausende Menschen so lustvoll und mit Hingabe ihren Führern folgen. Zum einen führt der gnadenlose Schlag der Musik, zum andern die - in auffallend gestrengem Ton gehaltenen - Kommandos der DJs...
Tekkno bietet Stahlgewitter als Freizeitspaß"!(JF)

"Stahlgewitter", Ernst Jünger's Roman über die (ästhetische) Faszination der Weltkriegsschlachten im Schützengraben.

In fataler Weise erinnert diese Sprache an jene des "I.Futuristischen Manifestes"2:
"Wir wollen den Krieg verherrlichen - die einzige Hygiene der Welt - den Militarismus, den Patriotismus..., die schönen Ideen, welche töten, und die Verachtung der Frau...
Wir...wollen kämpfen gegen den Moralismus, den Feminismus3 und gegen jede utilitaristische Feigheit... (Wir bekennen uns zu einer) starke(n) und gesunde(n) Ungerechtigkeit"!
Und zum Sieg des Duce schwadronierte Marinetti:
"Wir Futuristen, die wir seit Jahren...die Liebe zur Gefahr und zur Gewalt, den Patriotismus und den Krieg...verherrlichen, sind glücklich, endlich diese große futuristische Stunde Italiens zu erleben, während das schmutzige Gesindel der Pazifisten...im Sterben liegt...                 (Der Futurismus ist eine) nationalheroische und mit der Rasse unumgänglich verbundene Lebens- und Kunstform... Die 'fliegende Gewalt' (kündet) von einer neuen Geistigkeit, einer Vitalisierung des Daseins... In den leitmotivischen Sujets der Sturmtrupps und Faschistenlegionen (erkennt man) futuristische Apotheosen der faschistischen Idee"!

Gerade der Blick auf den Futurismus läßt ahnen, welche Faszination durchaus wieder von einer autoritären Ästhetik ausgehen könnte - und daß eben nicht etwa ein operettenhaftes Remake in Reichsparteitags-Manier zu erwarten ist, sondern eine junge, dynamische und vorsätzlich kompromißlose Sprache und Bildsprache.

Oberste Intention - damals wie heute - der
AUFRUF ZUR SKRUPELLOSIGKEIT!
Und das in einer Welt, die Vorsicht und Bedachtsamkeit doch nötiger hätte als jemals zuvor.

1910 hielt Mussolini's Freund Marinetti in Neapel (dort, wo heute Mussolini's Enkelin umjubelt politische Furore macht) einen programmatischen Vortrag, in dem er schwärmte: Die "Schönheit der Gewalt" müsse ununterscheidbar werden von der "Gewalt der Schönheit"!

Auch als Futurist wird er wohl kaum die Phantasie besessen haben, sich auszumalen, wie sich veritable "Stahlgewitter" (und tausendfacher Tod) zelebrieren lassen als High-Tech-Videospektakel - Live aus Bagdad - und das zur besten Sendezeit. (Was  - um Himmels und um Quoten willen - hätte CNN wohl gemacht aus Hiroshima? - kaum auszudenken!)

 "Vielleicht...wird sich der eigentliche Umschwung nicht auf vermutetem Felde vollziehen... (Es) kennzeichnet...die Lage trefflich, daß im besten Sinne reaktionäre Ästhetik...bislang nicht von 'rechten Postillen' am erfolgreichsten verbreitet wurde"!(JF)

Vorsicht! Sie sind hellwach.

Auf vielen Feldern der Alltagskultur und Alltagsästhetik spüren die Neurechten mit einigem Erfolg "Ansatzpunkte zum 'Einklinken'" auf.

Längst hat die Werbung den "Riefen-Stahl" in zeitgemäße Formen gegossen. Der Weg von Arno Breker zum leibhaftigen "Duschgel-Mann" ist kürzer als so manch einer denken möchte.

Schönheit, Gesundheit, Sauberkeit, Jugendlichkeit und Kraft - Good Vibrations (heute wie vor 60 Jahren)!
Und, bitte schön, was soll den Schlechtes sein an diesen Idealen?
Es wird zunehmend schwerer werden, die Kehrseiten dieses Kultes aufzuklären - die Verachtung des Ohnmächtigen, Kranken und Schwachen - und vielleicht wird dies in Zukunft die wichtigste Aufgabe auch der Pädagogen sein.

"Jedem einzelnen Menschen macht der Konservatismus zunächst einmal das Angebot einer persönlichen Neuausrichtung. Eine 'heroische' Lebensperspektive...wirkt heute katalysatorisch. Die Verachtung des Kalküls..., die Wahl von Bekenntnis und Hingabe...wirken magnetisch fremd in unserer Zeit.
So vermag jene 'Geschlossenheit' auf individueller Ebene wieder gefunden werden,die die Erben von 1789 gesellschaftlich zerstörten"!(JF)

Gegenaufklärung - Obskurantismus, und das im Angesicht von existentiellen Weltproblemen, die verlangen, daß wir doch nun endlich klug werden mögen.

Der Soziologe Ulrich Beck kommentiert solche Sätze:
"(Alle) Schlüsselbegriffe der rollenden konservativen Gegenreformation...(sind) ein giftiges Gegengift gegen (den) Fluch des Weltzerfalls...Natur, Frau, Mann, Volk, ethnische Identität und so fort. Diese Kategorien beschwören Altes, Anthropologisches, Unveränderliches und Hinzunehmendes. Sie beschwören die WIEDERGEBURT DER EINFACHHEIT NACH IHREM ENDE.
Die Gegenmoderne absorbiert, verteufelt, fegt die Fragen vom Tisch, die die Moderne aufwirft..."!
 

DIE SEHNSUCHT NACH SCHEUKLAPPEN WÄCHST und erfasst immer mehr Menschen angesichts einer zunehmend unübersichtlicheren und (allem Anschein nach) desolateren Welt. Die Sozialpsychologie prägte den Begriff des "psychischen Modernisierungsverlierers"4 und meint damit all diejenigen, welche vor den immer höheren Orientierungsanforderungen und dem Informations-Overkill kapitulieren, diejenigen, welche die alltägliche Reizüberflutung als eine existentielle Bedrohung erleben. Insbesondere auch viele junge Leute scheinen heute geradezu eine Höllenangst zu haben vor jeder Verwirrung und allem Befremdlichen. Man wünscht sich vor allem eines:
SCHÄRFERE KONTUREN!

Und die Vordenker der Neuen Rechten beschwören ja gerade das Ende des Außer-ordentlichen, des Extravaganten, des Spitzfindigen, wie auch des Grotesken und des Witzes, und sie beschwören stattdessen die RÜCKKEHR DES PATHETISCHEN!
Gerade die Kunst soll nach ihrem Willen nicht länger Diskurse anregen, soll nicht nach Räsonnement verlangen. Nicht kritische Distanz oder die Fähigkeit, differenziert zu denken wird gefordert, sondern die Inthronisierung des "gesunden Menschenverstandes". Eine BERUHIGENDE UND SINNSTIFTENDE GEMEINHEIT soll Platz greifen.
 

Und die moderne Medienwelt wird faschistischen Tendenzen (- spätestens seit der Entfesselung des Massengeschmacks mit Einführung des Privatfernsehens-) wohl kaum noch irgendwelche Hemmnisse entgegensetzen - wenn anstelle des alltäglichen "Kindergeburtstages" auf dem Bildschirm einmal wieder bösartigere Untertöne Programm werden sollten.

Als sei gar nichts dabei und als sei gar nichts geschehen, so spricht ein H.J.Syberberg heute schon wieder davon, daß es gelte, "alle Unnatur" aus deutschen Landen zu vertreiben, mitsamt den ganzen "Popneurosen" und der "blut & bodenlosen" Pseudokunst.
("Spiegel"/52-93)

"Das DEUTSCHE..soll es sein,was gemeinschaftliche Identität stiftet. Nur steht diese Position in zwei Problemkreisen. Einer umfaßt die Krise der eigenen Kultur,
der andere die Existenz des FREMDEN"!(JF)

Nun, altväterliche Deutschtümelei wird dabei allerdings wohl nur kleinere Nischen besiedeln5 (mag sein, den "Musikantenstadl"?). Die neue "Nation", die als "Schicksalsgemeinschaft" zusammenrücken soll, das wird wohl viel eher die Gesellschaft der  Burgherren unserer "Festung Europa" sein. ("Europe awake!"6, so ein Titel von "Skrewdriver", den englischen Vorsängern des "Fascho-Rock").
Das FREMDE jedenfalls, das ist längst lokalisiert jenseits der "Inseln des Wohlstandes".

Beängstigend viele junge Leute verweigern heute vorsätzlich jede Auseinandersetzung mit allem "Fremdartigen".
Und das ausgerechnet am Vorabend einer Völkerwanderung von solchen Ausmaßen, daß sich dagegen der Gotenzug aus unseren Geschichtsbüchern ausnehmen wird wie ein Betriebsausflug einiger trinkfester schwedischer Matrosen.
Es besteht nicht der geringste Zweifel daran, daß die neofaschistische Ästhetik sich in Dienst stellen lassen wird zur "Wehrertüchtigung" im Kampf um die Verteidigung der "Neuen S-Klasse"!
 

Bitte keine Mißverständnisse - Gefahr droht nicht von den einzelnen beschriebenen Symptomen. Weder ist Techno-Musik "faschistisch", noch sind es die Fotos eines Helmut Newton, noch ist jeder naßfrisierte "Aftershave-Adonis" die ultimative Verkörperung eines neuen Ungeistes.
Erst durch jenen verhängnisvollen Normalitätszuwachs, den rassistische Unduldsamkeit heute auch in unserer Gesellschaft wieder erfährt, droht ein Klima zu entstehen, in welchem die Errungenschaften der Moderne und der Aufklärung - plötzlich und unerwartet - kollabieren könnten.
 

Aber vielleicht bleiben es ja nur düstere Vorahnungen, und wir erleben nicht nocheinmal, was ein Mensch wie Carl Einstein7 erleiden mußte - als Jude, linker Intellektueller und avantgardistischer Künstler von Hitler-Deutschland ins Exil und dann in den Tod getrieben.

Er notierte in sein Tagebuch:
"Ich sitze in diesem Pariser Cafe. Um mich herum geht das Leben weiter und Hitler hält eine dumme Rede. Das steht in der Zeitung...
Der Riesenspießer tritt auf.
Alles jubelt, die Übermasse des Problematischen wird mit einem Strich beseitigt, verboten...;
alles atmet erleichtert auf;
das Leben ist wieder angenehm banal...
'SCHULZE' ist wieder Zweck der Schöpfung und der Welt"!
 
 
 
 

1) Helmut Kohl besuchte im letzten Jahr Ernst Jünger - bedenkenlos oder mit Bedacht? - ausgerechnet am 20.Juli, dem Tag des Widerstandes gegen Hitler.

2) Abgedruckt 1909 im "Figaro" - dort also, wo heute Alain de Benoist, der Kopf der französischen "Nouvelle Droite", seine Artikel zu veröffentlichen pflegt.

3) Der Anti-Feminismus steht auch heute wieder ganz oben auf der Themenliste der rechten Jungmänner.

4) "Modernisierungsverlierer": ursprünglich meinte dieser soziologische Terminus nur die ökonomisch Zukurzgekommenen, jene, die den Anschluß an die Entwicklungen der modernen Arbeitswelt verpaßt haben.

5) Hierfür werden wohl nicht zuletzt die Mächte der internationalen Popkultur(-Industrie) Sorge tragen - das jedenfalls steht zu hoffen.

6) "Europa vorn" und "Nation Europa" - so heißen denn auch zwei der einflußreichsten rechten Zeitschriften.

7) In Frankreich und Italien ist vor allem sein Buch über die "Negerplastik" von 1915 noch heute vielbeachtet als einer der faszinierendsten Versuche einer Annäherung an das FREMDE in der Kunst(theorie). In Deutschland dagegen ist Einstein, der Freund Picasso's und Braque's, der wohl scharfsinnigste Interpret des Kubismus, heute völlig in Vergessenheit geraten.
 

NACHTRAG: Der Versuch neurechter Strategen, in der TECHNOSZENE Fuß zu fassen, ist letztlich (am per se kosmopolitischen Selbstverständnis der Rave-Society) gescheitert. Als nächstes (und weit vielversprechenderes) Operationsfeld nahm man daraufhin (- instruiert erneut durch die "Junge Freiheit" -) die Darkwave- / Gothic-Szene in den Blick.
 

                                       ____________________________________________

DIE NEUE RECHTE, DIE MUSIK UND DER RIEFENSTAHL
(von Dr.Lutz Neitzert) (unveröffentlicht)

Im modernen Tonstudio ist die Collage der denkbar billigste Weg zum Bombast:
 

1)„MITTERNACHTSBERG"/VON THRONSTAHL (CD-„Riefenstahl"/VAWS 202)(5 Min.)
 

Die Wortführer der sogenannten „Neuen Rechten" bejubeln seit jüngstem die Wiederkehr des Pathos in der Jugendkultur der ausgehenden 90er Jahre  -  ausgerechnet in der Rockmusik, dort also, wo sich pathetische Töne bislang, wenn überhaupt einmal, dann doch immer nur eher ungewollt einschleichen konnten.
Und man konstatiert zugleich den Auszug der rechten Musik aus der Schmuddelecke der Skinheads und der Neonazis:

ZITAT: Abseits vom unappetitlichen Gegröle der (Skin-)Bands hat sich Unkonventionelles eine Plattform geschaffen: inmitten des Arkanums linksalternativen Bewußtseins...sprießen schwarze Blüten...Die rechte Independent-Szene hat es sich in der...remotesten Nische gemütlich gemacht: in der Schnittfläche von Nietzscheanischem Nihilismus, Wagnerschen Mythen, okkulter Dunkelei und...Heroismus"!
(JF-1.9.95)

So kündigte die Zeitschrift „Junge Freiheit", das einflußreichste Forum neurechter Journalisten und Aktivisten, eine Reihe von Schallplattenprojekten an, die ihrer Gesinnung neues Terrain innerhalb der Jugendmusikszene erobern sollen: unter Programmen wie „Im Blutfeuer" oder „Riefenstahl" versammelte man deutsche, österreichische, italienische, schwedische, tschechische, australische, englische und amerikanische Musikgruppen  - allesamt aus düster-avantgardistischen Randbereichen des Rock - unter solchen Etiketten wie "Darkwave-, Gothic-, Industrial- oder Neofolk-Music"  und mit solchen Namen wie: "Von Thronstahl", "Turbund Sturmwerk", "Projekt Blauland", "Preussak", "Voxus Imp.", "Nothwende", "Allerseelen", "Forthcoming Fire", "Blood Axis" oder "Sol Invictus".
Und tatsächlich erreichen die  Konzerte und Platten dieser Bands ein ganz anderes, vielschichtigeres Publikum als jene Skinheads, die vor einigen Jahren (aus gegebenen Anlässen von Rostock bis Solingen) in die Schlagzeilen gerieten. In einer Aura des Exklusiven gibt es hier kein "Ausländer raus!" oder "Sieg Heil!", stattdessen nebulöse Multimediaspektakel und symbolbeladene Happenings.

Doch unmißverständlich stellt man dabei selbst die Kontexte her, in welchen man verstanden sein will, im Interview, im Internet oder in (oft aufwendig produzierten) Begleitpublikationen:

 ZITAT: "Es gibt nur wenige Künstler, die sich in den 30er Jahren einen großen Namen geschaffen hatten, ohne sich später in täglicher Bußfertigkeit davon zu distanzieren. Leni Riefenstahl ist...eine davon!... (Wir) haben uns zusammengefunden, um dieser Frau ein...Denkmal zu setzen!"
(Buch zur „Riefenstahl"-CD)
 

Gelegentlich kokettiert man dabei zwar wohlkalkuliert auch einmal mit dem Reiz des Verbotenen bzw. des Gerade-noch-Erlaubten: etwa wenn sich  eine australische Formation den Namen "Strength through Joy" ("Kraft durch Freude" also) gibt oder eine italienische firmiert als "Swirling Swastikas" ("Wirbelnde Hakenkreuze"), wenn das "Horst Wessel-Lied" zitiert oder wenn Klaus Barbie, der berüchtigte Gestapo-Chef von Lyon, besungen wird.
Zumeist jedoch (und ganz gemäß den Vorgaben der intellektuellen Strategen der neuen Rechten)  sucht man es zu vermeiden, sich in dieser Art als Neo-Nationalsozialisten zu präsentieren. Stattdessen beruft man sich mit Bedacht auf jene Riege unorthodoxer Faschisten, die (aus unterschiedlichen Gründen) nicht zu politischen Funktionären des 3.Reiches geworden sind oder die gar - als unerwünschte Konkurrenz in den eigenen Reihen - Opposition zum Hitlerregime waren (wie etwa  Ernst Röhm oder auch Gregor und Otto Strasser).
So bezieht die englische Gruppe "Death in June"  ihren Namen ausdrücklich auf den Putschversuch und die Hinrichtung des SA-Führers Röhm im Juni 1934.

Was nun die Bezugnahme auf eine Figur wie Leni Riefenstahl anbetrifft, so eröffnet dies (wie erwünscht und vorhergesehen) eine Diskussion mit unabsehbaren Fronten.
Zum einen scheint ihre Ästhetik ja längst rehabilitiert und findet sich wiederaufgegriffen  in der Werbung ebenso wie im Videoclip - oder man denke nur an die Medieninszenierungen großer Sportereignisse (wie der letzen Olympischen Spiele).
Zum andern spiegelt sich in ihren Filmen auf schillernde Weise jener so schwer faßbare Grat, an welchem das fraglos Positive (die Idealisierung des Schönen, Starken, Jungen und Gesunden) beginnt, seine Kehrseite (die Verachtung des Nicht-Schönen, des Nicht-Starken, des Nicht-Gesunden) heraufzubeschwören.

2) aus "DONNERSTAG"/VOXUS IMP. (CD "RIEFENSTAHL")
 
 

Hoch im Kurs als Stichwortgeber stehen aber vor allem die Vertreter der sogenannten "Konservativen Revolution" und der völkischen Jugendbewegung, deren antidemokratisches Wirken in den 20er und 30er Jahren die kulturelle Atmosphäre der Weimarer Republik in einer das gesellschaftliche Leben letztlich lähmenden und die politischen Strukturen zersetzenden Weise polarisiert hatte.
Immer wieder finden sich Zitate oder übernommene Gedanken von Carl Schmitt (dessen These, wonach die notwendige Unterscheidung in Freund und Feind das eigentliche Wesen des Politischen ausmache, die nazistische Staatsrechtslehre fundierte), aus Alfred Rosenberg's Buch über den "Mythus des 20.Jahrhunderts",  aus Oswald Spengler's Traktat über den "Untergang des Abendlandes" -  Zitate von Ernst Niekisch, Arthur Moeller van den Bruck oder auch von Mussolini's Hausphilosoph Julius Evola als Motto genommen für  eklektizistisch überladene Rockmusiken.
 

ZITATE: "Hier redet das Leben selbst, und der Urgrund des roten Blutes zaubert seine bunten Bilder!" (Ernst Jünger/ im Begleitheft zur CD-„Im Blutfeuer")

Das Leben selbst....Das Blut...Der Urgrund...!
Keine Parolen, sondern ominöse Formeln.
 

3) „SONNENWENDE"/ERNTE  (CD-„Im Blutfeuer"/CTHULHU-Records CR17) (ca.1Min.)
              (daraus die Strophen 2 und 3 / d.h. ab CD-Laufzeit 0:55)

Alle Diktatoren und politischen Aggressoren dieses Jahrhunderts wußten solche Semantik in ihrer Propaganda einzusetzen.
Und es ist nicht Geschichte!  Auch im ehemaligen Jugoslawien spielen die Kriegstreiber wieder auf solch einer Klaviatur.  Und es ist gewiß kein Zufall, daß das erklärte musikalische Vorbild all dieser Bands eine Gruppe aus dem heutigen Slowenien ist, mit Namen "Laibach".
1992, zur Hochzeit des Bürgerkriegs, gaben die Musiker von "Death in June" in Zagreb ein Konzert vor kroatischen Frontsoldaten und ehrten die  HOS-Milizen (in denen Rechtsextremisten aus ganz Europa mitmarschierten) als die Märtyrer des Abendlandes.

ZITATE:"'Allerseelen'  und die technosophische Tonkunst!... Wenn man die Augen schließt, führen einen diese Klänge direkt an das Lagerfeuer alter Volksstämme, die noch wissen, wie man durch das Tor zu höheren Dimensionen tritt... 'Konservative Avantgarde' meint (Kadmon, der Kopf von 'Allerseelen')... (In seiner) Schriftenreihe 'Aorta' beschäftigt (er) sich...mit esoterisch-historischen Themen: ein Beitrag über Leni Riefenstahls Film 'Das blaue Licht' findet sich neben einem Text über den theo- und ariosophischen Maler Fidus..."

(...als nacktbadender Volksgesundheitsapostel ein Idol des jungen Hitler...)

"...Der Runenkundige Karl Maria Wiligut..."

(...Himmler's Mystiker und Schöpfer des SS-Totenkopfringes...)

"...wird ebenso Vorgestellt wie der Gründer der...'Eisernen Garde' Rumäniens, Corneliu Codreanu... (Vor allem) Wiligut spielt für ('Allerseelen') eine besondere Rolle. Für das neueste Projekt...liefert der Gedichtzyklus ('Gotos-Kalanda') des Völkischen  die textliche Grundlage. Er besingt die germanischen Monate von Hartung bis Julmond. Zu härtestem Industrial-Gewitter...!" (JF-38/95)

Während hier ganz bewußt (und bis zur Groteske) der anachronistische, völkisch-romantische Sprachstil (quasi liturgisch) rezitiert wird - wobei durchaus einkalkuliert ist, damit nicht von jedem so ganz ernst genommen zu werden (eine Abgrenzungsstrategie, die ja auch in anderen Jugendsubkulturen immer wieder angewandt wurde und wird!). Während man hier also versucht, eine Aura des vorgeblich Nicht-Modernen zu kreieren, sind andere Zirkel dabei, die dahinterstehenden weltanschaulichen Positionen in nüchternere Tonlagen zu übersetzen und sie für aktuelle politische,soziale und kulturelle Debatten umzuformulieren.
Inspiriert und instruiert durch die bereits seit langem etablierte französische "Nouvelle Droite" um Alain de Benoist, durch Jean Marie LePen's "Front National" und das intellektuelle Umfeld Jörg Haider's in Österreich,  versuchen auch hierzulande junge Historiker, Sozial- und Geisteswissenschaftler, Ökologen und Literaten, die Eckpfeiler jener antidemokratischen Ideologie in zeitgemäßen Programmen zu rekonstruieren.

Die Bücher dieser Autoren finden sich in den Katalogen renommierter Verlage:
"Die selbstbewußte Nation"(Schwilk/Schacht) / "Die gekränkte Nation"(Breitenstein) / „ Die verbogene Gesellschaft"(Schönhuber) / "Rückruf in die Geschichte"(Weißmann) / "Geopolitik - Deutschlands Chance"(Brill) /  „Vom Geist Europas" (Kaltenbrunner)/ „Der Todesschlaf Europas"(Höllhuber) / „Lexikon des Konservatismus"(Schrenck-Notzing) / „Positionen und Begriffe Carl Schmitts(Quaritsch) / „Arno Breker - ein Leben für die Schönheit"(Egret) / „Kulturrevolution von rechts" /"Wir 89er"(Bubik)!"
(dazu eventl. im Hintergrund: aus „FORGIVENESS"/TIMOTHY MOLDREY -  CD-„Riefenstahl")

Sozialdarwinistische Ideen werden gemünzt auf die Diskussionen um den Sozialstaat oder um die Entwicklungshilfe. In diesem Zusammenhang dann steht als aktuell brisante Forderung die „Festung Europa", deren Errichtung durch geopolitische, historische, kulturelle und rassistische Argumente legitimiert werden soll. Auch in der Musik taucht diese Vorstellung auf: in Gruppennamen wie „Heiliges Europa", in Szenezeitschriften wie „Europafront" oder „Europakreuz" und als zentrales Thema der rezitierten nordisch-germanischen Mythen.
Ein starker Staat mit einer neuen, machtbewußten Elite wird beschworen und das Hierarchische als das einzige dem Menschen naturgegebene Ordnungsprinzip:

ZITAT: „Es läßt sich kein Aufbau denken ohne Stufung. Ohne Aufblick zum Hervorragenden, zum Überragenden gibt es keine Bildung. Die Tatsache der...Vermassung, der inneren und äußeren Normierung, erfordert die Bildung der Elite. Spannung ist Grundgesetz alles Lebendigen - (das) gilt für jeden Lebensbereich, im Politischen wie im Geistigen, besonders aber im Kulturellen und Religiösen: Nach dem Gesetz der Trägheit und Schwere müssen den Kräften der Tiefe andere entgegenwirken, die nach oben ziehen!" (Josef Sellmair/ im  Buch zur „Riefenstahl"-CD)

Immer wieder rekurriert man auf eine vorgebliche Naturgesetzlichkeit deren Gebote die moderne Gesellschaft mißachte und die es wiederherzustellen gelte, gleich so, als sei das Zusammenleben der Menschen in den komplexen Lebenswelten des ausgehenden 20.Jahrhunderts nach archaischen Mustern zu durchschauen oder gar zu organisieren.

 ZITAT: "'Neuer Adel, den ihr suchet / führt nicht her von Schild und Krone / stammlos wachsen im Gewühle / seltne Sprossen eignen Ranges / und ihr kennt die Mitgeburten / an der Augen wahrer Glut'! - diese Verse Stefan Georges können als Leitidee von 'Forthcoming Fire' dienen ... Als drohende und zugleich zukunftverheißende Losung eröffnen sie das Stück 'Germania Incognita'...(das) geheime Deutschland...jenseits vom Nazitum und dem, was sich Demokratie schimpft!" (JF-6/96)
 
 
 

4) "GERMANIA INCOGNITA" /FORTHCOMING FIRE (CD-„Riefenstahl" / VAWS 202) (6:00)
 

Natürlich steht nicht zu befürchten, daß  eine solche Rhetorik und solch skurrile Poesie im Zeitalter von MTV und Microsoft eine Jugendbewegung zu initiieren vermag.
Doch könnte das Auftauchen und der relative Erfolg dieser Musik (im Zusammenhang mit anderen konstatierbaren gesellschaftlichen Tendenzen)  sehr wohl ein Indiz dafür sein, daß bestimmte ideologische Strömungen wieder breiter zu werden drohen und daß die weltanschaulichen Koordinatensysteme begonnen haben, sich zu verschieben.
Eine Entwicklung, die in Zukunft innerhalb der Jugendszene durchaus wieder ein unbehagliches Potential entstehen lassen könnte, welches in ökonomisch-politischen Krisenzeiten (wie in Jugoslawien geschehen, und auch in Rußland) sehr schnell virulent würde.

Dazu kommt, daß viele der in der neurechten Rockmusik anklingenden Ideale auch in anderen, unverdächtigen  Bereichen unserer Gesellschaft zunehmend größere Resonanzräume finden. Vor allem die Macher der Populär- und Alltagskultur setzen in ihren Inszenierungen und Verpackungen immer alternativloser auf den wohlfeilen Reiz der beeindruckenden Makellosigkeit des Schönen und des Starken und auf die nervenkitzelnde Aura des Kämpfers: angefangen bei harmlosen Sonntagnachmittags-Genres (der Naturfilm etwa wird fast ausschließlich noch präsentiert und dramaturgisch stilisiert als Thriller vom Fressen- & Gefressenwerden), über die TV-Choreographien der großen Box-Spektakel bis hin zu den naßfrisierten Duschgelheroen in der Werbung.
Die hohe Dosierung dieser Ikonen und Vorbilder könnte eine Atmosphäre entstehen lassen, in der es schwer wird, (vor allem jungen Menschen gegenüber) die Kehrseiten aufzuklären.
 

ZITAT: "Seele - Feuer - Licht - Bewußtsein... eine geistige, eine seelische Erhebung... Diejenigen, von denen die letzten Geistträger unserer Kultur sagten, sie seien zur Elite berufen. Diejenigen, die sich die Kraft erkämpft haben, aus dem tiefsten Dunkel kommend Sinn und Aufgabe in eine Zeit hineinzutragen. Ich kenne viele, die auf der Suche nach Seele nicht mehr auf das Bestehende setzen, sondern auf alles, was zu schaffen und zu erwirken ist... 'Schließe die Tore, baue den Staat!'  sagt Gottfried Benn... Deutschland wird in seinem innersten Unschuldigen, in seinem Allergeheimsten neu entstehen...('Germania Incognita').. Ich glaube an die Reinheit und den Lichtgehalt dieser geschändeten Nation. Ihre Geisteskultur, die eine liebende ist, kann und darf nicht länger unterdrückt werden... Es ist das verzehrende Feuer, das wir durch Welt und Winter tragen... Das Ewige will wieder Anteil am Leben haben, es bahnt sich seinen Weg... Die selten schöne dunkle Facette unserer Kultur hat es nicht nötig, sich im Wettlauf mit Trends oder Moden nach den Zügen zu richten... Mein Wesen ist opferbereit. Ich werde mich den Erfordernissen opfern... Da greift das Schicksal ein. Darin weht aber auch erkämpfte Freiheit, mein Wort erheben zu können gegen alles, was vor der aufgehenden Sonne keinen Bestand haben darf!" (JF-23.2.96)

Seele, Feuer, Licht, Blut, Sturm, Schicksal & Opfer, das Ewige und das Geheime  -
Kultur versus Zivilisation, Volk versus Gesellschaft, Empfindung versus Verstand, Erde versus Asphalt...!

Pathos ist seit je der naive Versuch, das Unübersichtliche, Widersprüchliche und Unbehagliche in großen Worten zu bannen!
Und als fataler Reflex auf die Ungemütlichkeit der Moderne ermöglichte dies in unserem Jahrhundert immer wieder den verhängnisvollen Kurzschluß zwischen Kunst/Kultur/Ästhetik und Politik.
Gerade das Niemals-Konkretwerden, das Unbestimmte des pathetischen Duktus bildet sprachlich das ideale Milieu, um Machtpolitik zu kaschieren und zu verbergen hinter naturlyrischen Tönen und ebenso banalen wie fatalen Dualismen: das Helle und das Dunkle, das Natürliche und das Un-Natürliche, das Gesunde und das Entartete, das Eigene und das Fremde!

Und nun leben wir wieder in einer Zeit, in der bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Scheuklappen wächst!

Erschreckenderweise scheint der Reiz und die Verlockung des Pathetischen gerade darin zu liegen, daß daß in ihm jedem Diskurs, jeder Kommunikation kategorisch und demonstrativ ein Ende gesetzt wird. Ritual und Verkündigung statt Auseinandersetzung und Diskussion.
Auf der Suche nach scharfen Konturen und sinnstiftenden Orientierungen drohen nicht wenige wieder auf jene Fährten zu geraten, die in den 20er und frühen 30er Jahren die demokratischen Prozesse und Institutionen fortschreitend blockierten und so den Weg in den Faschismus bahnten.

5) „WIDER DIE MASSE" / VON THRONSTAHL (CD „RIEFENSTAHL" / VAWS 202) (4:55)

Die musikalischen Stilmittel rekapitulieren auf gleiche Weise wie die Texte und Kontexte die alten Vorlagen und geraten in die gleichen Widersprüchlichkeiten:
mit Originaltönen aus Filmen, Wochenschauen, Hörspielen und Reden, mit pseudosakralen Synthesizerklängen und Chorälen, mit Wagner, Marsch und Fanfaren, unterlegt mit im Technosound stilisierten futuristischen Maschinen-Rhythmen sucht man auf manierierteste Art das Archaische als das Schroffe, das  Authentische und - widersinnigerweise - als das Unwandelbare und Zeitlose vorzustellen.
Nun hat aber das Absurde der Idee den Reiz faschistischer Inszenierungen - von der Sonnwendfeier bis zum Reichsparteitag - niemals diskreditieren können.

6) aus „DER ERLÖSER" / VATICAN’S CHILDREN (CD-„Riefenstahl")(daraus die ersten ca. 30
   Sekunden)
 
 

Je unverhohlener mit Naziparolen und Insignien hantiert wird, umso leichter fällt es, den Widerstand dagegen zu begründen und zu mobilisieren - doch die Haiderisierung des politischen Rechtsextremismus bis zur Salonfähigkeit, die findet ihre Entsprechung auch im Spektrum der Jugendkultur, der Jugendmusikkultur:

7)  „DER MEISTER" / RAMMSTEIN („Rammstein"-CD-„Herzeleid" / MotorMusic 529160-2)
 
 

Im Frühjahr 1996 präsentierte die Zeitgeist-Redaktion der „Jungen Freiheit" ihre jüngste Entdeckung:

ZITAT: „Böse - weil diese Zeit es nicht anders verdient: `RAMMSTEIN´!...Harte, deutschsprachige Musik...mit Top-Ten-Potential...(Das) Ganze irgendwo zwischen Heavy(metal), Techno und Marschmusik, dazu geeignet, den Soundtrack zum Abgang dieses Jahrhunderts abzugeben. Rammstein sind vermittelnder Katalysator...Daher Daumen hoch für Rammstein und all dem, was in ihrem Fahrwasser auf uns zukommen mag"! (JF-29.3.96)

8)  nochmal einige Takte aus „DER MEISTER"/RAMMSTEIN)

Zwar hält diese Gruppe einige Distanz zum Umfeld der einschlägigen „Neuen Rechten", doch spielt auch sie mit den gleichen Versatzstücken: das Heroische als ästhetisches Prinzip, der Kampf als der Sinn des Lebens und das Schwadronieren übers „Stahlgewitter" als Apokalypse unserer Epoche.
Zwar haben die Stücke, die Bühnenshows und die medienwirksamen Selbstdarstellungen dieser Band für die Wachen unter ihren Zuhörern stets einen leicht ironischen Unterton - doch inwieweit Ironie ein aggressives Pathos umzudeuten vermag, das bleibt stets eine offene Frage!
Die Prognose der „Jungen Freiheit" jedenfalls stimmte: kaum ein Jahr später eroberte „Rammstein" die Hitparaden und füllt seither (als eine der erfolgreichsten deutschen Rockbands) die Programme der Musikkanäle, die Reihen der größten Konzertsäle und Stadien  - ebenso wie die Seiten der „Bravo"!
 
 
 
 
 
 

SWR-„Dschungel“ am 20.6.02
    DIE GESCHICHTE DER SKINHEADS
DER GEIST VON 69 UND DIE HIRNRISSE AUF DEM WEG NACH RECHTS
                                             (von Lutz Neitzert)
 

MUSIK: „Skinhead Moonstomp“ SYMARIP
(in die Musik hinein) SPRECHER 1: Die erste Hymne der Skins hieß „Skinhead Moonstomp“.
 

SPRECHER 1:  Man liegt ganz richtig, wenn man argwöhnt, daß die Interpreten dieses Titels weder blond noch blauäugig gewesen sind. Und auch der Pigmentanteil in der Epidermis der Mitglieder der Gruppe „Symarip“ war so hoch, daß es sicher ein ernsthaftes Problem gegeben hätte – mit dem „Ariernachweis“:
ZITAT: „Unsere Musik beruft sich auf musikalische Stilrichtungen von Farbigen auf der ganzen Welt!“1

SPRECHER 1: Begonnen hat die Geschichte im Jahr 1969.

SPRECHER 2: Mit Rechtsextremismus und mit Rechtsextremisten hatte die erste Skingeneration nicht das Geringste zu tun!

SPRECHER 1: „The Spirit of 69“ nannte George Marshall, eine Glatze der ersten Stunde, die von ihm verfaßte Autobiographie der Bewegung:

ZITAT:  „Für einen schrecklichen Augenblick sah es so aus, als ob das Beste, was die britische Jugend zu bieten hatte, die Hippiekommunen oder die Studentenmärsche waren... Die saßen voll in der Sahne, mit ihren Schlaghosen und Blumenmanifesten für eine bessere Zukunft. Alles sollte von nun an Liebe und Frieden sein, gezeichnet in einem Kaleidoskop psychedelischer Farben... Und als ob diese Dopeheads noch nicht genug wären, fingen die intellektuellen Revoluzzer nun auch noch an mit diesem `Laßt-uns-die-Welt-verbessern´-Gerede... Nun, wenigstens so lange, bis ihnen Papi einen Job in einem Büro besorgt hatte, bei dem sie locker 10 Riesen verdienen konnten!“3

SPRECHER 2: Das „Woodstock“-Festival war gerade erst über die Bühne gegangen, da rührte sich – zuerst in England - bereits Widerstand in den eigenen Reihen gegen die Übermacht der „Flower-Power“.

MUSIK:  „San Francisco“ SCOTT McKENZIE

SPRECHER 1: Es waren keine politisch motivierten oder rassistisch gefärbten Feindbilder, gegen die man am Wochenende Krawall machte. Es ging, wie eh und je, gegen Gleichaltrige anderer Cliquen und Szenen und natürlich gegen die erwachsenen Autoritäten.

SPRECHER 2: Und ganz unten auf der Sympathieskala, da rangierten eben die Hippies. Unter den Kids aus den sozialen Brennpunkten britischer Großstädte galt es nie als besonders cool, mit bunten Blümchen im Haar in der Fabrik oder auf dem Bau zur Schicht zu erscheinen. Man suchte nach tougheren Typen, die besser ins eigene Milieu paßten. Und so stylte man sich betont proletarisch:

SPRECHER 2: Stramm (durch 16 Loch) geschnürte Arbeitsstiefel statt ausgetretener Jesuslatschen, breite Hosenträger statt bewußtseinserweiternder Hare Krishna-Kettchen, Karo statt Batik, Schwielen an den Händen statt Falten in der Denkerstirn und:  Sixpacks statt LSD!

ZITAT: „Mein Gott – die Hippies!... `Laßt uns mal drüber reden und `nen Kamillentee trinken´...!“4

SPRECHER 1: Hinsetzen – auf den Flokati! Jetzt wird diskutiert!?

SPRECHER 2:  Nein! Dann lieber etwas schlichter gestrickt, aber dafür schneller bei der Sache.

ZITAT: „Saufen, Sex, Parties, sich nicht alles gefallen lassen, mehr Bier vertragen als die andern, gegen die Gesellschaft sein, zusammenhalten, Hippies klatschen, zum Fußball gehen, Ärger machen und hinterher nicht mehr wissen, was eigentlich losgewesen ist!“5

SPRECHER 1: Arbeiterkult, so wie man ihn sich vorstellte...
SPRECHER 2:  ...jenseits von Marx & Engels!

ZITAT:  „Skinhead ist Working Class!... Es hat viel mit gesellschaftlich eher unterprivilegierten Schichten zu tun. Einfache manuelle Verrichtungen, die auch mal mit `nem Brummschädel vom Vorabend erledigt werden können – und für’s Wochenende leben!“6

SPRECHER 1: Man gefiel sich in der Rolle des ehrlichen Malochers – und dazu glaubte man auch, den Macho geben zu müssen.

ZITAT: „Tatsache ist, daß es nur wenige Skinheadmädchen (Renees) gibt, was wohl daran liegt, daß es nicht so einfach ist, sich in diesem Männer-Kult als Frau zu behaupten!“7

SPRECHER 2: Außerdem sollte die Welt schon ein bißchen zittern, wenn man auftauchte.

ZITAT:  „Versteht mich bitte jetzt nicht falsch! Niemand, der noch halbwegs richtig im Kopf ist, würde behaupten, daß Skinheads Engel seien - `Randale´, das könnte ohne weiteres unser Beiname sein... Aber so unglaublich es auch klingen mag, es gibt gar nicht so viele von uns, die nur darauf warten, am Wochenende ein unschuldiges Großmütterchen abzuknallen!“8
ZITAT: „Die einzige Art, als Underdog-Kid zu leben, ist gefährlich auszusehen - ohne es unbedingt zu sein!“9
ZITAT:  „Aber mir liegt viel daran, einen grundsätzlichen Unterschied in der Gewaltanwendung bei Fascho-Glatzen und Nicht-Rassisten herauszustellen. Während wir defensiv mit der Gewalt umgehen und es eigentlich nur bei Provokationen zu Auseinandersetzungen kommt, geht es bei den Rechten offensiv zur Sache, unfair gegen schwächere Glieder der Gemeinschaft... Es fehlt ihnen eben jeder Respekt vor anderen!“10
 

MUSIK: O-Ton & „Rudy got married“ LAUREL AITKEN
ZITAT (die Übersetzung seines Statements in die Musik hinein): „Sie haben mich immer unterstützt! Nicht, daß ich ein Skinhead-Experte wäre, aber immer wenn ich einen von ihnen sehe, verspüre ich dieses Kribbeln! So viele Jahre schon sind sie mir treu geblieben!“

SPRECHER 2: Jamaikanische Klänge waren damals noch nicht das Metier bedrönter und penetrant gutgelaunter Dreadlocks, sondern galten – im Gegenteil - eher als Soundtrack für den Auftritt äußerst düster dreinschauender „Rude Boys“, berüchtigter Gangs aus den Ghettos von Kingston, die zu der Zeit im Zuge einer Einwanderungswelle aus der Karibik auch in englischen Arbeitervierteln aufgetaucht waren.

SPRECHER 1: Und nicht nur die Liebe zu dieser neuen, von der Plattenindustrie noch kaum entdeckten, Partymusik...
SPRECHER 2: ...Bluebeat, Rocksteady, Ska und Reggae...
SPRECHER 1: ...lockte die ersten Skins tief in den Dunstkreis schwarzer Kultur. Auch ihre Suche nach einem passenden Way of Life. Die meist etwas älteren Jamaikaner machten mit ihrem lässigen Provo-Image mächtig Eindruck auf die halbstarken Milchgesichter in London, Manchester oder Birmingham.

ZITAT: „Schwarze Jugendliche aus der unmittelbaren Nachbarschaft ignorierten die Megatrends der Musikindustrie. Sie tanzten zu Rhythmen, die direkt aus den Slums von Kingston kamen... Es war Liebe auf den ersten Blick!“11

SPRECHER 2: Selbst das Outfit, das die „Rude Boys“ trugen, wurde sofort übernommen: die derbe, bis zu den Knöcheln aufgekrempelte, Jeans, dazu ein grobes Flanellhemd...
SPRECHER 1:  ...mit Karos...
SPRECHER 2: ...und auch das randaletaugliche Kurzhaar schien Sinn zu machen...
SPRECHER 1:  ...bei den allwöchentlich geplanten Handgreiflichkeiten und Schlägereien.

SPRECHER 2: Man ergänzte die Kollektion bloß noch durch ein paar angesagte Markenklamotten...
SPRECHER 1: ...und zwar ausgerechnet solche, die für einen gesinnungsstrengen Neonazi schon aus ideologischen Gründen eigentlich völlig untragbar sein müssten:

SPRECHER 2: Das Polohemd sollte unbedingt das Etikett „Fred Perry“ haben...
SPRECHER 1: ...Perry, eine englische Tennislegende, war zwar einerseits, als erster Arbeitersohn, der jemals Wimbledon gewinnen konnte, so etwas wie ein Workingclass-Hero...
SPRECHER 2: ...andererseits aber ist er bis heute ein verehrtes Sportidol der Schwulenszene.

SPRECHER 1: Und die Jeans? Natürlich eine „Levis 501“...
SPRECHER 2: ...kreiert von Levi Strauss, einem vor 150 Jahren aus Deutschland in die USA ausgewanderten jüdischen Textilfabrikanten.

SPRECHER 1: Und da wir schon einmal dabei sind:

MUSIK: „Israelites“ DESMOND DEKKER

SPRECHER 1: Ausgerechnet „Israelites“ hieß jener erste große Jamaika-Pop-Hit von Desmond Dekker, den vor allem die Begeisterung der Skinheads in die Charts gebracht hatte, und besungen wird darin – mit religiöser Inbrunst - das Schicksal der Juden zu Moses Zeiten.

SPRECHER 2: Ob die alten Kameraden von der NPD wirklich wissen, welchem musikalischen Stammbaum ihr heutiger Nachwuchs verpflichtet ist?

SPRECHER 1: Aus all diesen multikulturellen Zutaten also brauten sich die Skins ihre Subkultur zusammen.

SPRECHER 2: In der Musik allerdings sollte es sehr bald zu größeren Schwierigkeiten kommen: der „Reggae-War“ war ausgebrochen.

SPRECHER 1: Mit Bob Marley und Peter Tosh nämlich begann der Reggae immer unverhohlener gemeinsame Sache zu machen ausgerechnet mit den Hippies. Und, wenn man ehrlich war, dann paßten Songs mit Titeln wie...
SPRECHER 2: ... „Positive Vibration“, „Mellow Mood“, „No more Trouble“ oder „Legalize it“...
SPRECHER 1: ...ja auch wirklich besser in deren Universum.

SPRECHER 2: Während Reggae dann also bald von Feindeshand okkupiert worden ist, blieb die schnellere, rauhere Variante, Ska, bis heute Skinhead-kompatibel. Plattenfirmen wie „Trojan“ oder „TwoTone“ bedienten die Szene und sorgten zudem dafür, daß auch weiße Musiker in dieser Sparte ihre Chance bekamen:
SPRECHER 1: Die „Bad Manners“ wurden Kult, „Madness“ und vor allem Judge Dread:

MUSIK: „Big Seven“ JUDGE DREAD
 

SPRECHER 2: Der erste Auftritt der gestiefelten Kahlköpfe dauerte knapp ein halbes Jahrzehnt -  und erst Ende der 70er kam ihre Bewegung schließlich wieder neu in Fahrt. Parallel zum Punk und Seite an Seite mit den bunten Cherokeesen und schmuddeligen Ratten-Trägern...
SPRECHER 1: ...und, wie wir noch hören werden, behelligt von den ersten rechten Ratten-Fängern.
SPRECHER 2: Gemeinsam suchte und fand man schnell die alten Feinde wieder.
SPRECHER 1: Die etablierte Rockmusik war – zusammen mit den Hippies – mittlerweile in die Jahre gekommen und auf den Bühnen gab es nur noch pompöse Mega-Shows und Klänge, die Skin und Punk eher abtörnten:

MUSIK: „The Barbarian“  EMERSON, LAKE & PALMER

SPRECHER 2:  „The Barbarian“ von „Emerson, Lake & Palmer“, nach einer Komposition von Bela Bartok.
SPRECHER 1: Bela who???
SPRECHER 2: Als daraufhin auch noch die ersten Musiklehrer ihr Wohlgefallen bekundeten, „The Wall“ im Unterricht seziert werden mußte und Abiturienten „Yes-“ oder „Genesis“-Sticker auf ihre Schultaschen klebten, da wurde es des Schönen & Guten dann doch so langsam zu viel.

ZITAT: „I hate Pink Floyd!“
SPRECHER 1: ...stand auf den zerrissenen T-Shirts der Punks...
ZITAT: ...„me too!“
SPRECHER 1: ...konnte der Skinhead da nur zustimmen.

SPRECHER 2: Bitte, bitte keine Orgeln mehr, keine hochkulturell dazwischenfiedelnden Sinfonieorchester und auch keinen High-Tech-Synthesizer-Bombast...
SPRECHER 1: ...und kein Gitarrensolo darf länger dauern als ein Schluck aus der Bierflasche.
 

MUSIK: „If the Kids are united“  SHAM 69
 

SPRECHER 2: Die Punk- und die Skinszenen waren – bis sie politisch auseinander drifteten – sehr eng verbunden. Viele wechselten problemlos hin und her die Seiten. Und Bands wie „Sham 69“ schrieben ihre Songs ohne Unterschied für Glatzen ebenso wie für die mit den Nadeln in der Backe.

SPRECHER 1: Die Klänge wurden wesentlich härter...
SPRECHER 2: ...aber für den Eingeweihten klang ganz leise im Hintergrund noch immer das Erbe Jamaikas:

MUSIK:  „Oi Oi Oi“ COCKNEY REJECTS
(unbedingt das Bass-Intro / ausblenden nach dem Refrain bei ca. 1:00)

SPRECHER 1: „Oi Oi Oi!“ Mit diesem Lied der „Cockney Rejects“ kam ein Etikett auf, das seither unter Skins von links und rechts heftig umkämpft ist.
SPRECHER 2: Zuerst, so heißt es, hätten die Musiker einfach den Schlachtruf der Fußballhooligans aus den Fankurven der „Premier League“ übernommen, wo immer schon viele Glatzen mitgröhlten:
ZITAT: „Joy, joy, joy – Oi, oi, oi!“

SPRECHER 1: Dann aber erschien, produziert von der renommierten Musikzeitschrift „Sounds“, ein Skin- und Punk-Sampler mit dem Titel...
ZITAT: ...“Strength thru Oi!“...
SPRECHER 1: ...ganz bewußt angelehnt an das Nazimotto...
ZITAT: ...“Strength through Joy / Kraft durch Freude“...
SPRECHER 1: ...und auf dem Cover abgebildet war zu allem Überfluß auch noch ein einschlägig bekannter englischer Rechtsextremist.
SPRECHER 2: Und damit kam die Sache politisch auf ein gefährlich falsches Gleis!
SPRECHER 1: „Oi!“ jedenfalls wurde von den Medien fortan als Synonym für „Fascho-Rock“ verwendet und die rechten Aktivisten, die damals in der Szene aufgetaucht waren, nahmen das Angebot dankbar an, nun also auch die Skin-Musik für sich reklamieren zu können.

SPRECHER 2: Der Weg eines Teils der Skinheads nach Rechts, der um 1980 begonnen hatte, bekam jetzt also auch noch eine musikalische Stilbezeichnung.

MUSIK: „White Power“ SKREWDRIVER

SPRECHER 1: Vor allem die Band „Skrewdriver“ und ihr Sänger Ian Stuart Donaldson wurden zum Einfallstor für englische Neonazis.
SPRECHER 2: Slogans wie „Rock against Communism“, Labels wie „White Noise“ und Organisationen wie „Blood & Honour“...
SPRECHER 1: ...“Blut und Ehre“ war das Motto der HJ, der „Hitler-Jugend“...
SPRECHER 2: ...gaben seither die Stichworte für die meisten Nachrichten und Schauergeschichten aus der Welt der Glatzen.

SPRECHER 1: Als Mitglied der „National Front“ machte Donaldson in der Szene erstmals politische Propaganda und es gelang ihm, viele tatsächlich ins rechte Lager herüberzuziehen – wo auch damals schon Randale und öffentliche Empörung lockten.

SPRECHER 2: Und erst als die Skins dann im Umfeld rassistischer Untaten erstmals auch international Schlagzeilen machten, wurden sie plötzlich auch jenseits der Insel populär:
SPRECHER 1: ...als Neonazis!
SPRECHER 2: Donaldson starb 1993 bei einem Verkehrsunfall...
SPRECHER 1: ...der Spruch “Ian Stuart – We will see You in Walhalla“ ziert seitdem so manches Fascho-T-Shirt.
SPRECHER 2: Tümelnde Musikanten aber gibt es, leider Gottes, mittlerweile in aller Welt. In Deutschland öffneten die „Böhsen Onkelz“ die Tür für faschistische Töne aus der Mottenkiste der Vergangenheit...
SPRECHER 1: ...ganz egal, was sie heute sagen, singen und sein mögen...
SPRECHER 2: ...und in ihre Fußstapfen traten in den 90ern dann Gruppen wie...
ZITAT (am Ende ausblenden): ...„Störkraft“, „Landser“, „Wotan“, „Hauptkampflinie“, „Aufmarsch“, „Oithanasie“, „Kraftschlag“, „Freikorps“, „Gestapo“, „Rheinwacht“, „Sturmtrupp“, „Frontsoldaten“, „Heldentreue“, „Nordfront“, „Nordmacht“, “Nordreich“, „Nordlicht“...

MUSIK: „Weisse Musik“ KRAFTSCHLAG

SPRECHER 1: „Weisse Musik“? Wie würde sich das denn wohl anhören, eine tatsächlich wurzelecht „arische“ Rockmusik? Keine E-Gitarren, keine Keyboards und kein Schlagzeug...
SPRECHER 2: ...alles „Made in USA“....
SPRECHER 1: ...statt dessen: Pauken und Zithern?
SPRECHER 2: Keine Bluenotes, kein Off- und kein Back-Beat...
SPRECHER 1: ...statt dessen Schuhplattler im Dreivierteltakt?
SPRECHER 2: Nun denn Kameraden, viel Spaß damit!

SPRECHER 1: Das Bild des Skinheads ist zum Inbegriff geworden für die Rechte Szene! Eine Ironie der Geschichte!
SPRECHER 2: Zwar versuchen Initiativen wie SHARP...
ZITAT: ...“Skinheads against racial prejudice“...
SPRECHER 1: ...“Skinheads gegen Rassenvorurteile“ also...
SPRECHER 2: ...die Öffentlichkeit über den wahren Kult der Glatzen aufzuklären – aber der Imageschaden durch die medienpräsenten rechten Kluftgenossen scheint leider irreparabel.

SPRECHER 1: Die eigentlichen Traditionen dieser Bewegung sind durch ihre Verstrickung in die politische Auseinandersetzung heute fast aus dem Blick geraten:

MUSIK: ein kurzer JODLER, KUHGLOCKEN & MUHEN (o.ä.)
SPRECHER 1: Echte Skins tragen übrigens auch keine Springerstiefel! Ihre heiß geliebten Boots sind keine Militärgaloschen, sondern durchaus zivile Treter der altehrwürdigen Marke „Doc Martens“!

SPRECHER 2: Es begann mit einem Skiunfall! Doktor Klaus Märtens, ein Landarzt aus dem Allgäu, hatte sich bei einer (wohl etwas zu waghalsigen) Abfahrt die Haxen gebrochen. Und als er dann so umher humpelte, da kam ihm ein genialer Einfall: Schuhsohlen mit Luftpolster! Zuerst nur als orthopädische Gehhilfe gedacht...
SPRECHER 1: ...und sehr beliebt bei arthritischen älteren Damen...
SPRECHER 2: ...wurde er schließlich von einer englischen Firma beauftragt, Arbeitsstiefel für die Londoner Hafenarbeiter nach seinem Prinzip herzustellen. Aus Doktor Märtens wurde Doc Martens...

SPRECHER 1: ...und dann kamen seine Schuhe sogar ins Kino und machten Furore:

MUSIK: aus dem CLOCKWORK ORANGE-Soundtrack von WALTER CARLOS (Beethoven-„March“)
 

ZITAT: „O meine Brüder! Da war ich, Alex, und da waren meine Droogs... Wir saßen in der Korova-Milchbar und überlegten, was wir mit dem Abend machen sollten... Nun, was sie da verkauften, war Milch mit einem Schuß von was anderem... und das machte dich scharf und bereit für... ein kleines bißchen Horrorshow... Wir trugen unser Haar nicht zu lang, und wir hatten schmale Horrorshow-Stiefel zum Treten... Wir waren in einer finsteren Mord- und Totschlag-Stimmung – einen anständigen Tollschock sollte es geben!“ 12

SPRECHER 1: 1969 drehte Stanley Kubrick den Film „Clockwork Orange“ - nach einem Roman von Anthony Burgess:

ZITAT: „Der Streifen war für die Skinheads sehr faszinierend... Viele guckten ihn sich gleich ein halbes Dutzend mal an... Eine Geschichte über das Ultra-Brutale und das alte Rein-Raus-Spiel... Die Zeitungen behaupteten, daß der Film zur Gewalt aufrufen würde und jeder Gewaltakt zu dieser Zeit wurde schnell als ein `Clockwork-Verbrechen´ bezeichnet... Das zeitweise Verbot machte ihn dann nur noch berüchtigter!“13

SPRECHER 1: „Alex“, der Held der Geschichte, ist der Anführer einer Gang von randständigen Jugendlichen, die durch ein Endzeitszenario marodieren...
SPRECHER 2: ...und der schließlich zu den Klängen von „Beethovens Neunter“ zwangsresozialisiert werden soll.

SPRECHER 1: Von den Machern für den sozialkritisch eingestellten Kinogänger eigentlich gedacht als eine mahnend düstere Utopie...
SPRECHER 2: ...die Science Fiction spielt übrigens in damals ferner Zukunft: im Jahr 1983 !...
SPRECHER 1: ...wurde die Story von den Skins, der pädagogischen Absicht zum Hohn, einfach nur als eine verdammt gute Show, als eine perfekt gestylte Horrorshow eben, betrachtet und beklatscht.

SPRECHER 2: Alles Ansichtssache?

SPRECHER 1: Skinheads als Verteidiger der „weissen Rasse“!? Kein guter Witz!

MUSIK (zum Ausklang): zuerst aus
CLOCKWORK ORANGE die Textzeile: „... alle Menschen werden Brüder...!“
dann überblenden in
 „Skinhead Love Affair“ BIG 5
 
 

ZITATE:
1  zit. nach TEJA SCHWANER „BOB MARLEY - TOD IN BABYLON“
    http://www.in.tu-clausthal.de/~wallner/marley/story_01.html
      1998© Copyright by Thomas.Wallner@tu-clausthal.de
2 Klaus Farin / Eberhard Seidel-Pielen „Skinheads“ (Beck München 1993  (S.116)
3 George Marshall  „Spirit of `69“ (S.T.Publishing Dunoon 1993) (S.7)
4 Farin / Seidel-Pielen (S.162)
5 Klaus Farin „Skinhead - A Way of Life“ (Syndikat Hamburg1996) (S.21)
6 "A Way of Life“  (S.76)
7 "A Way of Life“  (S.57)
8 Marshall (S.4)
9 "A Way of Life“ (S.25)
10 "A Way of Life“ (S.67f)
11 Farin / Seidel-Pielen (S.29)
12 Anthony Burgess „Clockwork Orange“ (Heyne München 1972) (S.5)
13 Marshall (S.64f)

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SWR-„Dschungel“  vom 22.5.03
RUNEN RAUNENDE ROCKER AUF NORDISCHER SCHOLLE
                                - Rechte Musikanten in der Neofolk- und Darkwaveszene -
                                                               (von Lutz Neitzert)

 MUSIK: „Donnerstag“ / VOXUS IMP. (ca. 0:45 bis 1:15)  (von der CD-„Riefenstahl“)
 

SPRECHER: Im modernen Tonstudio ist die Collage der billigste Weg zum Bombast!
Wagner-Klänge digital verschnitten mit einer militärischen Fahnenweihe, gesamplete O-Töne aus Nazi-Reden, dazu allerlei Synthesizer-Gimmicks unterlegt mit Rhythmen aus dem Drumcomputer:

MUSIK: (der Beginn von) „Walked in Line“ / BLOOD AXIS (bis max. 0:40)
                                       (von der CD-„Im Blutfeuer“)

SPRECHER: Die intellektuellen Strategen der „Neuen Rechten“ jedenfalls befanden, dies sei endlich eine patriotische Subkultur weit genug entfernt vom peinlich dumpfen Neonazimilieu und der Schmuddelecke der Glatzen.

ZITAT: „Abseits vom unappetitlichen Gegröle der Skin-Bands hat sich Unkonventionelles eine Plattform geschaffen. Inmitten des Arkanums linksalternativen Bewußtseins sprießen schwarze Blüten. Die rechte Independent-Szene hat es sich in der remotesten Nische gemütlich gemacht: in der Schnittfläche von Nietzscheanischem Nihilismus, Wagnerschen Mythen, okkulter Dunkelei und Heroismus"! 1

SPRECHER: Auf ihrer Kulturseite kommentiert die Zeitschrift „Junge Freiheit", das einflußreichste Forum der sogenannten „Konservativen Avantgarde“, das Eindringen ihrer Gesinnungsgenossen in bis dahin betont un-politische (und vielleicht gerade deshalb wenig wache) Szenen.
Unter den Etiketten „Gothic“, „Darkwave“, „Industrial“ oder „Neofolk“ spielen plötzlich Musikanten mit solch raunenden Namen:

ZITAT: "Von Thronstahl", "Turbund Sturmwerk", "Projekt Blauland", „Ahnenkult“, "Weltenbrand“, „Waldteufel“, "Nothwende", "Allerseelen", "Forthcoming Fire", "Blood Axis", „Der Blutharsch“, „Isengard“, „Darkwood“, „Swirling Swastikas“...
SPRECHER: ...Wirbelnde Hakenkreuze...
ZITAT: … „Heiliges Europa“, „Mjölnir“…
SPRECHER: ...Thor’s Hammer...
ZITAT: …Swantje Swanhwit, „The last Days of Jesus“, "Sol Invictus"…
SPRECHER: ...der unbesiegte Sonnengott...
ZITAT: …„Voice of Blood“, “The Days of the Trumpet Call”, “Moon lay hidden behind a Cloud”...
MUSIK: (dazu im Hintergrund) „Mitternachtsberg“ / VON THRONSTAHL
                                                              (ab ca. 4:15) (von der CD „Riefenstahl“)

SPRECHER: Und ihre CDs – Pardon: ihre „Lichtscheiben“ - die widmen sie mit Vorliebe zwielichtigen Figuren aus faschistischer Zeit: Leni Riefenstahl etwa, den Nazi-Bildhauern Breker und Thorak, Ernst Jünger oder Mussolini’s Einflüsterer Julius Evola.

ZITAT: „Die anbrechende Abenddämmerung ließ Burg Falkenstein im Dunkeln versinken. Umrahmt von altertümlich dekorierten Verkaufsständen, Schwenkgrill und einer Met-Theke stand vor der steil abfallenden Burgmauer eine Bühne, links und rechts verziert von Bannern mit der Sig-Rune. Die Bühnenmitte schmückte eine Fahne mit dem SS-Totenkopf, dem Logo der englischen Band `Death in June´...“ 2
MUSIK: (dazu im Hintergrund) „Kameradschaft“ / DEATH IN JUNE
                                                            (von der CD-„Thorak“)
 

SPRECHER: Vor allem der Erfolg von „Rammstein“ machte am Ende des letzten Jahrhunderts klar, daß faschistoide Klänge und Bilder bei der jugendlichen Kundschaft längst keine allergischen Reaktionen mehr auslösen. Und auch ein Blick in unsere Alltagskultur zeigt, daß einiges von dem ins Ganz-Normale zurückgekehrt ist, was noch vor nicht allzu langer Zeit bei den Nachdenklicheren unter uns eher ungute Erinerungen heraufbeschworen hätte.
Die Designer unserer Lebenswelten setzen in ihren Inszenierungen und Verpackungen immer skrupelloser auf den Reiz der beeindruckenden Makellosigkeit des Schönen und des Starken und auf die nervenkitzelnde Aura des Kämpfers.       In Popvideos und im Hollywood-Blockbuster ebenso wie in reisserischen Naturfilm-Thrillern (vom Fressen und Gefressenwerden) oder in den TV-Choreographien großer Sport-Spektakel.
Und von den naßfrisierten Duschgelheroen der Werbung über martialische Teutonenrocker bis zu tatsächlichen Wiederbelebungsversuchen faschistischer Weltanschauung ist es eben kein zu weiter Weg mehr.
Auch wenn die eingeölten „Rammstein“-Pyromanen nur fahrlässig spielen mit Riefenstahl und rollendem R, die „Junge Freiheit“ spürte schon im Frühjahr 1996, daß sich mit ihnen die Tür in eine neues Operationsfeld geöffnet hatte:

ZITAT: „Böse - weil diese Zeit es nicht anders verdient: `Rammstein´!
Harte, deutschsprachige Musik mit Top-Ten-Potential - irgendwo zwischen Heavy, Techno und Marschmusik. Daher Daumen hoch für Rammstein und all dem, was in ihrem Fahrwasser auf uns zukommen mag!“ 3
MUSIK: (dazu im Hintergrund) „Meister“ / RAMMSTEIN

SPRECHER: Zu DDR-Zeiten hießen „Rammstein“ übrigens noch „Feeling B“ und waren damals die Kultband aller Ost-Punker:
MUSIK: „Artig“ / FEELING B  (ab ca. 1:50) (von der CD „DT 64 – Story“)

SPRECHER: Auch ein anderer mittlerweile hitparadenkompatibler Vertreter der „Neuen Deutschen Härte“ begann seine Karriere einst auf einer ganz anderen Bühne:
MUSIK: „Der Goldene Reiter“ / JOACHIM WITT (ab ca. 1:00)(von der CD „Das Jahrzehnt 1980-90“)

SPRECHER: Aus Joachim Witt, dem „Goldenen Reiter“ der „Neuen Deutschen Welle“ anno 1980, wurde in Nachwendezeiten ein düsterer apokalyptischer Reiter, dem äußerst nebulöse Textzeilen aus der Feder fließen:

ZITAT: „Bayreuth Eins!
Durch die Gewitternacht stampft eine Hundertschaft exzentrischer Muskelkraft, dort wo die Wölfin lebt nunmehr die Erde bebt und dichter Nebel steht...
Mit Wotan und Sturm war ich immer verwandt...
kalter Nordwind weckt meine Seele...
vor dem Blendwerk keuchender Leiber stehn die Fackeln im Sturm bereit!“ 4
MUSIK: (dazu im Hintergrund) „Die Flut“ / JOACHIM WITT (von der CD  „Die Flut“)
 

SPRECHER: Josef Klumb, aus Bingen am Rhein, der wichtigste Musiker in der rechten Darkwave- und Gothicszene, sah im „Fahrwasser von Rammstein“ plötzlich eine realistische Chance, in den Pop-Orbit aufzusteigen.

KLUMB-ZITAT: "Rammstein gehören zu uns, aber unwissend und unschuldig. Sie machen eine Art Volksmusik, sie marschieren in die Charts... und sie sind authentisch Deutsch!"  5

SPRECHER: Seine Band „Weissglut“ tauchte plötzlich im Angebot des größten Unterhaltungskonzerns der Welt auf. Und beinahe hätte er es tatsächlich geschafft.
Die „Junge Freiheit“, die seine Karriere stets wohlwollend begleitet und gefördert hat, veröffentlichte nach dem im letzten Augenblick dann doch noch gescheiterten Durchbruch zum Superstar einen etwas weinerlichen Artikel über sein Schicksal:

ZITAT: „Im Frühjahr 1999 stand Klumb vor seiner großen Chance: Mit der Band Weissglut bekam er einen exklusiven Plattenvertrag mit Sony Music. Doch der Antifa-Sturm brach los. Nach immerhin bemerkenswertem Ausdauern seitens der Plattenfirma mußte Klumb schließlich gehen. Dieses vorläufige Ende seiner musikalischen Karriere bedeutete für  ihn auch das Ende der materiellen Perspektiven. Der Mann hatte jahrzehntelang nur für die Musik  und seine Ideale gelebt. Um sich die Sozialhilfe zu sichern, geht der Ungelernte nun auf den Friedhof zum Wegekehren!“  6

SPRECHER: Für einen Gruftie gibt es, so möchte man meinen, durchaus weit unbehaglichere Arbeitsplätze.
MUSIK: (dazu im Hintergrund) „Thronfeuer“ / WEISSGLUT (ab ca. 1:45)
 

ZITAT: „Wenn das Mystische und Irrationale, der Wunsch nach antiaufklärerischer Innenschau und gelebter Transzendenz ihre Stimmung in der Jugendkultur finden, ist der ästhetische Konsens des Westens durchbrochen. Wenn die Bezugspunkte Mittelalter und deutsche Geisteskultur darstellen statt `Love & Peace´, wenn die Seele gegen den Intellekt...ins Feld geführt wird!“ 7

SPRECHER: Seele, Feuer, Licht, Blut, Sturm, Schicksal & Opfer, das Ewige und das Geheime  -  Kultur versus Zivilisation, Volk versus Gesellschaft, Gefühl versus Verstand, Erde versus Asphalt!
Pathos ist seit je der naive Versuch, das Unübersichtliche, Widersprüchliche und Unbehagliche in Epochen des Umbruchs durch große leere Worte zu bannen!

MUSIK: (dazu im Hintergrund) „Germania Incognita“ / FORTHCOMING FIRE
                         (ab ca. 2:45 „...Schwarze Sonne...!“)         (von der CD „Riefenstahl“)

SPRECHER: Die „Schwarze Sonne“!
Ein Lieblingssymbol der Szene. Das Sonnenrad. Ein uraltes Zeichen – aber eben auch das Emblem der berüchtigten SS-Abteilung „Ahnenerbe“.
Die Lieder der Runenrocker raunen in ihren Versen unentwegt über das Helle und das Dunkle, das Natürliche und das Un-Natürliche, das Gesunde und das Entartete, das Eigene und das Fremde.

ZITAT: „Wenn man die Augen schließt, führen einen diese Klänge direkt an das Lagerfeuer alter Volksstämme!“ 8

SPRECHER: Wotan und Siegfried als wegweisende Galionsfiguren für eine neue Gesellschaft?
Und Antworten auf die anstehenden Schicksalsfragen der Menschheit abgelauscht der „Stimme des Blutes“ und dem „Ruf der Scholle“?
 

ZITAT: „...An die 350 Besucher waren zu dem Konzert unter dem Motto `Der Tod im Juni´ auf die Burg im Harz gepilgert..“
SPRECHER: ...der Bandname „Death in June“ bezieht sich auf die Ermordung des SA-Führers Ernst Roehm im Juni 1934...
ZITAT: „...`Einlaß nur in Abendgarderobe oder historischem Gewand!´ Die Damen erschienen in langen Abendkleidern. Einige der Herren wählten als `historisches Gewand´ Tarnbekleidung oder schwarze Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg, geschmückt mit Runen- und Totenkopfsymbolen am Revers. Der exklusive Vertrieb der Konzertkarten und der Eintrittspreis von 70 DM garantierten eine elitäre Atmosphäre!“ 2
MUSIK: (im Hintergrund dazu noch einmal) „Kameradschaft“ / DEATH IN JUNE

KLUMB-ZITAT: "Also, was ich mag, ist diese SS-Ästhetik. Es gibt keine anziehendere Uniform auf der Welt als diese SS-Uniform. Man sollte einfach die Frauen fragen. Eine unvoreingenommene Frau wird sagen: das ist einfach sexy!" 5

ZITAT: "...Frontmann Douglas Pearce betrat nun in seinem klassischen Outfit - Tarnfleck-Uniform und weiße Maske - die Bühne, begleitet von John Murphy, ebenso in Tarnjacke, aber mit Ledermaske, und Albin Julius mit Gasmaske. Aufrecht stehend trug Pearce das zentrale Thema der Band vor: `Death of the West´! In seinen Songs lamentierte er über die Negation der klassischen europäischen Kultur durch das Christentum und propagierte den offenen Kampf gegen die Moderne. Eine längst verloren geglaubte Vergangenheit, zwischen Mittelalter und Nationalsozialismus, schien aufzuerstehen und die vertonte Botschaft hieß: Kameradschaft und Vaterland...!“2
MUSIK: (im Hintergrund wieder) „Kameradschaft“ / DEATH IN JUNE

KLUMB-ZITAT: „Und der Mann ist wieder Mann, und die Frau ist wieder Frau!“ 5

ZITAT: „...Die Inszenierung zwischen (Apocalyptic Folk) und Industrial bildete eine harmonische Performance!“ 2

SPRECHER: So unterschiedlich die Musikstile auch sind, das Publikum bei diesen Festivals ist erstaunlich homogen. Und im übrigen mit einem weit höheren Frauenanteil gesegnet als bei Neonazi-Konzerten üblich. Man lauscht den Gruftklängen des Gothic ebenso wie den brachialen Lärmorgien des Industrial und zum Chill-out bei Sonnenaufgang gibt es dann Elfensingsang und Harfenklang.
 

MUSIK: „Sonnenwende“ / ERNTE  (ab ca. 1:00) (von der CD „Im Blutfeuer“)

ZITAT: „Wir waren eingeladen zu einem altgermanischen Beltanefest im Bergischen Land, um mit ausgewählten Leuten zu feiern. Nach einem 45minütigen Fußmarsch mit Fackeln durch den Wald kamen wir an. Der Platz lag eingesäumt am obersten Rande eines Berges. Als die Zelte aufgebaut und das Feuer errichtet war, begannen die Feierlichkeiten. Alle sangen mit. Gut, daß das nächste Dorf einen Kilometer weg war und nichts mitbekam!“  9

SPRECHER: Auch nur wenige Kilometer entfernt liegt Königswinter am Rhein, und darüber ein mythenreicher Ort: der Drachenfels!
Dort oben, auf halber Höhe, eine düstere Höhle, die „Nibelungenhalle“ -
die heute sinnigerweise einen Reptilienzoo beherbergt.

MUSIK: (Das Drachengebrüll aus) „Fafner“ / THE SWORD VOLCANO COMPLEX (von der CD „Hermann Hendrich“)
(nicht auf der beigefügten CD! Im MP3-Format als Anhang zur E-Mail vom 6.2.03 !)

SPRECHER:  Und um diese Grotte schlichen schon viele der Dunkelgewandeten auf ihrer Suche nach altgermanischen Wurzeln.
Und hier soll sich auch, ganz in der Nähe, in einer lauschigen Sommernacht des Jahres 1985, der okkulte Orden der „Illuminates of Thanateros“ gegründet haben, ein obskurer Zirkel, dem auch Ian Read von „Death in June“ angehört.

MUSIK: (noch einmal kurz der Drache)

SPRECHER: Als Benefiz-Aktion zum Erhalt der Drachenhöhle versammelten sich unlängst Klumb und andere auf einem CD-Sampler, um inbrünstig die alten Recken zu besingen, und die Nornen, die Göttinnen des Schicksals, und Fafner, den armen, vom blond-blauäugigen Helden gemeuchelten Lindwurm.

MUSIK: „Kinder des Nordens“ / CARPE DIEM (von der CD „Hermann Hendrich“)

ZITAT¨„Identität durch Musik!“

SPRECHER: So nennt die Band „Carpe Diem“ eine Initiative zur Förderung des Deutschrock. Aber wenn man sich diese, ihre Musik dann anhört, so richtig arisch tönt es doch eigentlich nicht!?
Mit all den Bluenotes und Backbeats und Powerchords?

Und auch Josef Klumb will es nicht gelingen. Auch in seinen Stücken nistet noch so mancher tief schwarze Ohrwurm.
So sehr sich die Braunen in der schwarzen Szene auch um weisse Klänge bemühen, in ihrer musikalischen und ideologischen Mottenkiste finden sie neben ein paar Takten Wagner und schmissigen Märschen, ein bißchen Irish Folk und die Minnesongs eines Walther von der Vogelweide recht wenig, um einen jugendlichen Zeitgenossen des 3. Jahrtausends in Stimmung zu bringen.
Für den letzten Kick bedienen sie sich am Ende dann doch lieber der bewährten Licks und Grooves von den Ufern des Mississippi. Oh Yeah!

MUSIK: „Thronfeuer“ / WEISSGLUT (ab ca. 2:00)

SPRECHER: Oh Yeah? Oh Yeah! That’s Soul Music, not Richard Wagner!
Detroit not Bayreuth!

MUSIK: „Respect“ / ARETHA FRANKLIN
(...und dann noch einmal zum Schluß...)
MUSIK: (die Wagner-Klänge) aus „Donnerstag“ (s.o.)
 
 
 
 

Für die ANMODERATION:   Mitte der Neunziger beklagte man unter rechten Strategen das klägliche Scheitern des Versuchs, in der Techno-Szene Fuß zu fassen. Doch die Enttäuschung wich bald einem neuen vielversprechenderen Ziel. Die Wortführer bejubelten die Wiederkehr des Pathos in der Jugendkultur -  ausgerechnet in der Rockmusik, dort also, wo sich pathetische Töne bislang, wenn überhaupt einmal, dann doch immer nur eher ungewollt einschleichen konnten. Die sogenannte „Neue Deutsche Härte“ und ihre Hitparadenerfolge, gaben neue Hoffnung. Und bald schon präsentierte man in deren Gefolge eigene Bands, deren Konzerte und CDs seither tatsächlich ein ganz anderes, vielschichtigeres Publikum erreichen als die Combos der Naziskins.
 
 

MUSIKEN:

CD-„Im Blutfeuer“ (Cthulhu-Records CR 17)
CD-„Riefenstahl“ (VAWS 202)
CD-„Thorak“ (VAWS 203)
CD-“Hermann Hendrich” (Nibelungenhort / Förderverein Hendrich e.V. / Billerbeck)
CD-„Etwas kommt in deine Welt“ / WEISSGLUT  (Epic/Sony 492653 2)
CD-„Die Flut“ / JOACHIM WITT (EPC 6657252)
CD-„Das Jahrzehnt 1980-90“ (Electrola CDP652-7943262)
CD-„DT 64 – Story“ (Hansa Musik 74321461502)
LP-“Live at Fillmore West” / ARETHA FRANKLIN (Atlantic 50861)

ZITATE:
1. „Junge Freiheit“  v. 1.9.95
2. Andreas Speit: „Ästhetische Mobilmachung“ (S.65f) (Unrast-Verlag / Münster 2002)
3. „Junge Freiheit“ 29.3.96
4. Joachim Witt CD-„Bayreuth I“
5. zitiert nach einer Hörfunksendung des DLF vom 14.1.01: „Schwarzer Samt und schwarze Sonne“
                                                           (von Michael Weißfeld)
6. „Junge Freiheit“ Nr.24/00
7.  Andreas Speit (s.o.) (S.196)
8. „Junge Freiheit“ Nr.38/95
9. Zeitschrift „Rocknord“ Nr.59/2000  (Creative Zeiten-Verlag / Langenfeld) (ISSN 1438-2431)
 
 

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EINE KLEINE ANMERKUNG ZUM "DEUTSCHLANDLIED"

Im Zentrum rechter Ideologie steht die Einteilung der Welt in Wir und Die - Wir vs Die !
Und bereits an dieser ersten Stufe ihrer politischen Bildung endet das Reich der Vernunft.
Wer oder was ist Deutsch oder was, um alles in der Welt, ist deutsche Kultur ?
„Deutschland, Deutschland über..." - Stop!
Nicht nur, daß die bundesdeutsche Nationalhymne, wie man ja weiß, ehedem eine Hymne zu Ehren des österreichischen Kaisers Franz gewesen ist, ihr Komponist, der Wiener Joseph Haydn, hat ihre wunderschöne Melodie zudem auch noch geklaut:
aus diesem alten kroatischen Liebeslied!
 
 
 
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GABBER – Die bösen Raver - Dezibel, Feyenoord und Fascho

  (SWR-„Dschungel“ 22.1.07)

                                 (von Lutz Neitzert)

Musik-1: Marusha „Somewhere over the Rainbow

(daraus die elegische Schlußpassage ab ca. 3:05)

– abrupt überblenden in einen Remix des gleichen Titels:

Musik-2: DJ HOOLIGAN „Somewhere over the Rainbow 

SPRECHER-1: Als Anfang der 90er Jahre die Technogemeinde auf Ibiza, in Goa und anderen Idyllen gerade die alten Hippie-Ideale wiederentdeckte und fortan ihre Parties und ihren Straßenkarneval mit immer sonnigerem Gemüt unter dem Motto Love & Peace feierte, da ertönten an der niederländischen Nordseeküste plötzlich ohrenbetäubende Störgeräusche:

Musik-3: GABBER MAFIA „Gabber Mafia”

SPR-1: In den sozialen Brennpunkten von Rotterdam beschworen böse Raver statt Regenbogen und Flower Power eher ungemütliche - bis ungute - Assoziationen:

Musik-4: DJ ADOLF„Sieg Heil“ (daraus ein oder zwei Mal den „Aufschrei der Massen“)

SPRECHER-2: Reichsparteitag ?

Musik-4: (noch einmal die gleiche Passage aus) „Sieg Heil“

SPR-2: Fussballstadion ? Fankurve !

SPR-1: 1991 erschien der erste Gabber-Hit.

DJ Paul Elstak und seine Euromasters vertonten damals jenen Schlachtruf und Schmähgesang, den alle „Feyenoord“-Hooligans bei Begegnungen mit dem Erzfeind Amsterdam anzustimmen pflegen:

Musik-5:  EUROMASTERS “Amsterdam waar lech dat dann?“

ZITAT: „Amsterdam? Wo liegt das denn?“

SPR-1: Der „Euromast“, das Wahrzeichen Rotterdams, zierte dann auch das CD-Cover.

SPR-2: Ein phallischer Fernsehturm pinkelt dort von oben herab in die Amsterdamer Grachten!

SPR-1: Und den Anhängern von „Feyenoord Rotterdam“, nun ja, nicht gerade bekannt als besonders angenehme und zurückhaltende Zeitgenossen, den gefielen die brachialen Klänge sofort und sie nahmen sie als passenden neuen Soundtrack für die Dritte Halbzeit – vor allem natürlich nach den (für sie zumeist eher deprimierend verlaufenden) Saisonhöhepunkten gegen „Ajax“.

Musik-6: NEOPHYTE “Rotterdam Hooligan”

SPR-1: Die Amsterdamer Technoszene war dagegen geprägt durch nettere Mellow-, Trance- und Ambient-Music...

SPR-2: ...deodoriert mit ein paar süßlich duftende Wölkchen.

SPR-1: Für einen hartgesottenen Rotterdamer Raver jedenfalls war es die Hochburg des verhassten Mainstream, des Multikulti, der Softies und der teetrinkenden Studenten.

Und außerdem ist für jeden Fan, der in „Feyenoord“ immer noch einen Arbeiter-Verein sehen möchte...

SPR-2: ...wie hierzulande etwa ein Schalker...

SPR-1: ...„Ajax Amsterdam“ aufgrund seiner Erfolge und seiner Finanzkraft geradezu der Inbegriff des Fussballkapitalismus – angefeindet oft unter unverhohlen antisemitischen Vorzeichen.

SPR-2: Untertöne, die bald auch in ersten hetzenden Gabber-Tracks auftauchen sollten:

ZITAT: „Powerstation Holocaust“, „Das Tausendjährige Reich“, „Endlösung“ oder „The eternal Jew“...

SPR-2: ...“Der ewige Jude“!

SPR-1:  Das bekommt nun dadurch eine besondere Pointe, daß die Chronisten der Szene selbst den Namen „Gabber“...

SPR-2: ...oder „Gabba“ - mit A am Ende...

SPR-1: ...etymologisch zurückführen ausgerechnet auf das jiddische Wort "Khaver" für Freund, Kumpel, welches...

SPR-2: ...im Land der Anne Frank...

SPR-1: ...aus dem Slang jüdischer Jugendcliquen Eingang in die holländische Umgangs- und schließlich in die Hardcore-Sprache gefunden hat.

SPR-2: Da im Gabber aber auch eine gewisse Punk-Attitüde steckt und nicht wenige Gabbers sich zuvor erst einmal ihren lila Irokesen-Kamm abschneiden mußten, dürfte den meisten von ihnen auch noch etwas anderes dabei in den Ohren klingen:

Musik-7: RAMONES „Gabba Gabba Hey“

SPR-2: In dem Song „Gabba Gabba Hey“ der alten US-Punker Ramones steht „Gabba“ für „Garbage“– ganz ähnlich wie Punk – selbstironisch für Abfall.

SPR-1: Ihre eigentlichen Brüdern im Geiste...

SPR-2: ...und im Ungeist...

SPR-1: ...das aber waren und sind die Skinheads. Mit diesen teilt man nicht nur das proletarische Herkunftsmilieu, sondern auch den randaletauglichen Kurzhaarschnitt, die Bomberjacke und eine Vorliebe für aggressive Labels wie „Lonsdale“, „Pitbull“, „Troublemaker“ oder „Kategorie C“...

SPR-2: ...so klassifiziert die Polizei die gewalttätigsten Hooligans.

SPR-1:  Allerdings gibt sich der Gabber gern etwas sportlicher und trägt anstelle der Stiefel meist Turnschuhe der Marke „Nike Air Max Classics“ und dazu passend einen Trainingsanzug des „Feyenoord“-Sponsors „Kappa“.

SPR-2: Doch zurück zur – nun gut – Musik.

SPR-1: Interpreten wie Paul Elstak, Neophyte oder das Rotterdam Terror Corps brachten also - 

gelangweilt vom ewigen Geflöte und Sitargezirpe psychedelischer Chillout-Schwaden - eine wesentlich härtere Variante der Technomusik in Stellung.

Zusammengebraut aus elektronisch nachempfundenem Industrielärm, gesampleten Kettensägen, Zahnarztbohrern und ähnlich Unbehaglichem entstand so eines der lautesten Geräusche im bewohnten Universum.

ZITAT: „Um mal ganz klar, klar zustellen: Gabber ist nicht bloß Baustellenkrach oder Schädelmucke!

Gabber ist aggressiv. Gabber ist energisch und es ist provozierend und hart. Aber vor allem ist es ohne die Kompromisse, wie sie die übliche Kommerz-Musik ständig macht!“ 1

SPR-1: Einige Insider sehen sogar psychohygienische – ja geradezu kathartische – Wirkungen in den Dezibel-Orgien:

ZITAT: „Warum ist Gabber so aggressiv? Und was ist dagegen die Message des Mainstreamtechno: Liebe, Umarmungen, Blumen, glückliche Püppchen? Gabber beinhaltet Aggressionen und Frustrationen - wie im richtigen Leben! Den Druck freigeben und dabei Spaß haben. Die Fuck-Ups des Lebens feiern und gleichzeitig von ihnen durch das Knallen der Lautsprecher direkt an Deinen Kopf befreit werden - so schnell, verzerrt und hart, daß es dir alle Sorgen aus Deinen blutenden Ohren bläst. Also den Frust wegtanzen. Und dann, dann gehst du nach Hause und kaufst eine Blume für deine Mami. Du bringst Deine Aggressionen nicht mit zurück in den Alltag. Du lässt sie auf der Tanzfläche - bis zum nächsten Mal!“ 2

SPR-2: Lärm-Aushalten wohl auch als eine Art akustischer Mutprobe für pubertierende Jungmänner !?

SPR-1: Den Grundsound lieferte dabei jedenfalls das klassische Technoequipment -

vor allem der legendäre TR-909 - ein Drumcomputer (Made in Japan) der Firma „Roland“:

Musik-8: („ROLAND TR-909“-Sound)

SPR-1: Laut und verzerrt sollte es, wie gehört, sein - und sehr sehr sehr schnell:

Musik-9: („250 BpM“)

SPR-2: 250 BpM – 250 Taktschläge pro Minute!

SPR-1: Als Tanzbeat eine echte Herausforderung für den von Stroboskop-Blitzen beleuchteten Dancefloor.

SPR-2: Hakken !

SPR-1: Als Sprung- und Stampftanz eine außergewöhnliche Leibesübung, die außenstehende Beobachter ein wenig an alpenländisches Schuhplattlern erinnern könnte, und welche holländische Kenner der Szene wie folgt beschreiben:

ZITAT:  Hakken is een individuele Dans waarbij Armen en Benen in een strak Ritme vooruit geslagen en geschopt worden...!“3

Musik-9: („250 BpM“)

Musik-1: noch einmal kurz MARUSHA „Somewhere over the Rainbow“

SPR-1: „We are one Family! Wir sind hier alle auf dem gleichen Planeten. Die Loveparade ist ein Zeichen für die Liebe auf der Erde. Wir verstehen uns über die gemeinsame Sprache Musik, die uns verbindet. Es ist die Musik unserer Zeit, die unser Lebensgefühl ausdrückt. Eine frohe und glückliche Familie schätzt und integriert jede Eigenart. Nur dadurch, daß wir alle glücklich sind, entsteht ein friedvolles Miteinander! (Dr. Motte – Spiritus Rector der Berliner Loveparade)“4

Musik-10: NEOPHYTE „Rotterdam Gabber“

SPR-1: Die Gabber-Szene wuchs erstaunlich schnell.

ZITAT: „De Gabbersubcultuur is momenteel de grootste autochtone Subcultuur in Nederland!“5  

SPR-1: Man traf sich zur “Rotterdam Nightmare“ oder zum „Thunderdome“-Festival - oder man beschallte in Berlin seit 1997 (lustvoll übelgelaunt) die Gegenveranstaltungen zur „Loveparade“ - die „Hate-„ und die „Fuckparades“ – die Protestdemos gegen den kommerziellen Ausverkauf der Techno- und House-Szene und die fortschreitende Intellektualisierung der Raving Society (auf ihrem Weg vom Partykeller ins Feuilleton).

Musik-10: NEOPHYTE „Rotterdam Gabber“

SPR-1: Ein Vorläufer in Sachen Musik und Geisteshaltung kam übrigens aus Deutschland.

In Frankfurt am Main hatte der DJ Marc Trauner - alias Marc Acardipane - schon ein paar Jahre früher ein furchtbar grimmiges Gesicht gemacht, alle Regler aufgedreht und verzerrte Bässe mit allerlei unschönen Samples vermischt:

Musik-11: MARC ACARDIPANE „One World no Future“

SPR-1: Ein anderes (geographisch naheliegenderes) Vorbild firmierte unter dem Etikett EBM.  

SPR-2: „Electronic Body Music“!

SPR-1: Und die Pioniere dieses Genres, die Gruppe Front 242, die stammte aus dem Nachbarland Belgien, wo sie in den frühen 80ern mit martialischen Performances schockierte.

Musik-12: FRONT 242 „Tragedy for You“

SPR-1: Auch dort und damals gab es schon den Faschismus-Vorwurf, der sich allerdings vor allem auf eine Ästhetik bezog, die geprägt war von soldatischem Kurzhaar und Kampfanzügen als Bühnenoutfit, und nicht auf tatsächliche Verbindungen zum politischen Rechtsextremismus, der zu jener (guten alten) Zeit ja auch - im Gegensatz zu heute - noch eine unappetitliche gesellschaftliche Randerscheinung gewesen ist.

Musik-4: aus DJ ADOLF„Sieg Heil“

SPR-2: Reichsparteitag !

SPR-1: Die Fussballhooliganszene von Rotterdam hatte seit eh und je engste Verbindungen zur extremen Rechten in Holland, zu Parteien wie der „Nationalen Allianz“ und der „Nieuwen Nationalen Partij“ – und darüber gerieten auch diverse Musikanten tief ins neofaschistische Fahrwasser:

SPR-2: Ein DJ Panzerfaust etwa, oder eine Gruppe, die sich „88 A.D.R.“ nennt...

SPR-1: ... „Aryan Dance Resistance“ – „Arischer Tanzwiderstand“ – 8 - 8 – H - H – Heil Hitler!

SPR-2: In einer Studie des Amsterdamer „Anne Frank“-Hauses“ aus dem Jahr 2005 heißt es über die Gabbers, die...

ZITAT: „...Lonsdale-Jongeren !

(- im folgenden entweder in Deutsch, in Holländisch oder gemischt zitieren -)

Mannen hebben kale Koppen, Pilotenjassen, strakke Spijkerbroeken en Sportschoenen, Vrouwen het haar strak ingevlochten, kleine T-Shirts en zwarte Legerschoenen.

Racisme bestaat in veel Gradaties en is ook in de Gabberscene in vele Vormen aanwezig:

Op Internetfora worden vaak Pseudoniemen gebruikt die een afkeer van de multiculturele Samenleving laten zien, zoals Holland Volland, Whitesoldier  en Eigen Volk eerst -

En Symbolen zoals de White Power-Vuist en het Keltisch Kruis.

Bij anti-islamitische Aanslagen sin regelmatig Gabbers betrokken...“ 6

 

Die Männer haben kahle Köpfe, Bomberjacken, gerade geschnittene Nietenhosen und Sportschuhe, die Frauen haben das Haar eng geflochten, kleine T-Shirts und schwarze Armeestiefel.

Rassismus gibt es in vielen Abstufungen und ist auch in der Gabberszene in vielen Formen virulent.

In Internetforen verwendet man Pseudonyme, die eine Abkehr vom multikulturellen Zusammenleben ausdrücken – wie etwa Holland Volland, White Soldier oder Eigen Volk eerst

und Symbole wie die White Power-Faust und das Keltenkreuz.

Bei anti-islamischen Anschlägen sind regelmäßig Gabbers beteiligt...“

SPR-2: Heute haben in Holland sie den Skins beinahe den Rang abgelaufen, was rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten anbetrifft.

Musik-13: DJ PANZERFAUST „MOH 88“

(„White Revolution is the only Solution...“)

SPR-1: Neben politischer Haltung erfordert die gewagte Kombination von Hardcore und Neonazismus auch noch einiges Bewegungstalent. Ist es doch eine – wenngleich reichlich alberne - gymnastische Übung, beim wilden Hakken die rechte Hand auch noch zum Hitlergruß zu erheben.

SPR-2: Und die Kalen Vandalen erklären alle Ausländer (alle „Buitenlanders“) zu einem "Krebsgeschwür" am Körper des holländischen Volkes:

Musik-14: Kale Vandalen „Oprotten Kanker Buitenlanders“

SPR-2: Bei den Rotterdamer Gemeinderatswahlen im März 2002 erreichte dann – bejubelt und gewählt nicht zuletzt von ausländerfeindlichen Hools - ein anderer Glatzkopf fast ein Drittel aller Stimmen. Der Rechtspopulist Pim Fortuyn, der das politische Klima in den Niederlanden nachhaltig vergiften sollte.

Musik-15: DJ Panzerfaust „Pim Fortuyn“

ZITAT: „Pim Fortuyn ist erschossen worden...“

SPR-2: ...und an seinem Grab standen viele Gabbers mit aufgespannten „Feyenoord Schals“ und der Aufschrift:

ZITAT: „You’ll never walk alone!“

SPR-2: Spätestens von da an hatten es die Antifa und die Justiz in den Niederlanden mit einem neuen Typus junger Rechtsextremisten zu tun.

SPR-1: Es blieb für längere Zeit ein holländisches Phänomen und Problem, doch dann tauchten vermehrt auch hierzulande Fascho-Gabbers überall dort auf, wo man es erwarten konnte...

SPR-2: ...und befürchten mußte...

SPR-1: ...bei Neonaziaufläufen wie etwa dem alljährlichen „Rudolf Hess“-Gedenkmarsch im fränkischen Wunsiedel – und im Fan-Umfeld der Fussballbundesliga.

Musik-16: Standarte „Duisburg Hooligans“

(„Heut ziehen wir ins Stadion, natürlich alle Mann. Wir sehen nichts vom Spiel, Randale ist heut dran. Unsre Gegner sind die Bullen, unser Motto der Krawall. Mit tausend deutschen Fäusten bringen wir sie heut zu Fall. Wir wollen totale Fussball-Randale. Wir sind Duisburg Hooligans. Wir sind totale Rechtsradikale. Wir sind Duisburg Hooligans...“)

SPR-1: Schon in den frühen 90ern hatten Rechtsextremisten versucht, in der Technoszene...

SPR-2:... der ersten, wie sie meinten, nicht-linken Jugendsubkultur seit dem 2. Weltkrieg...

SPR-1: ...Fuß zu fassen. Das Strategieblatt “Junge Freiheit” etwa hatte unter der Überschrift “Stahlgewitter als Freizeitspaß“ bereits ein wenig voreilig, wie sich zeigen sollte, gejubelt:

ZITAT: „Die Parties gleichen makabren Totenfeiern einer Epoche und sprechen eine andere Sprache als die der Moderne. Macht, Gewalt, Ekstase, Geschwindigkeit, Totalität von Herrschaft und Unterordnung - diese Schlagworte bieten ganz brauchbare Eckpunkte zur Markierung des ästhetischen Gehalts von Techno. Dieser augenscheinliche Gegensatz zur Welt des Rock'n'Roll zeigt sich auch im düsteren Schein der Laserbatterien, die auf breiter Front im Kunstnebel die Halle durchfluten und an die Scheinwerfer der Luftaufklärung erinnern. Selten sieht man Tausende Menschen so lustvoll und mit Hingabe ihren Führern folgen. Zum einen führt der gnadenlose Schlag der Musik, zum andern die - in auffallend gestrengem Ton gehaltenen - Kommandos der DJs!“ 7

SPR-1: Die hoch gesteckten Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Alle Versuche rechter Musikanten und rechter Parteien...

SPR-2: ...in Österreich etwa von Jörg Haider’s FPÖ...

SPR-1: ...scheiterten kläglich.

SPR-2: In Raverkreisen runzelte man ob nationalistischer Parolen bloß zwischen zwei Tracks die schweißglänzenden Stirnen oder tippte sich kurz an dieselben. Soweit, so gut !?

SPR-1: Doch dann entwickelte sich eben plötzlich und unerwartet in der Hardcore-Ecke mit Gabber ein brauner Humus. Und Faschorock-Produzenten wie der Düsseldorfer Torsten Lemmer schöpften sofort neue Hoffnung:

ZITAT:  „Im Bereich der modernen Musik (sprich: Techno) gab es bisher nur spärliche Versuche, neue Hörerschichten für uns zu erobern. Es ist aber zu erwarten, daß in Zukunft auch dieser Markt abgedeckt wird...“ 8

SPR-1: Und diesmal schwappte tatsächlich eine braune Welle auch auf den deutschen Dancefloor.

Ein DJ Adolf und ein  DJ WhiPo (White Power) bitten seither zum Tanz und einschlägige Gruppen nennen sich nun Zyklon B oder Standarte:

Musik-17: Standarte „Arisches Blut“

SPR-1: Da ravet das „arische Blut“ und man besingt die blond-blauäugigen Germanen.

SPR-2: So blond und blauäugig wie Adolf Hitler ?!?

SPR-1: Immer wieder finden sich dabei gesamplete O-Töne von den Schurken und Schergen der Nazizeit - in deutschen ebenso wie in holländischen Stücken...

SPR-2: ...und bei italienischen Gabbers sind schmale Oberlippenbärtchen plötzlich schwer in Mode.

Musik-18: DJ ADOLF „SS SA Mix“

(„Es sprechen Reichsminister Dr. Goebbels und der Führer...“)

ZITAT: „Ich bin ein überzeugter Gabber und habe eine widerliche Erfahrung machen müssen. Ich war mal wieder am Wochenende bei einer Party und habe friedlich mit Freunden gefeiert. Da kommt auf einmal so ein Typ daher mit einer CD. Er fragte mich: `Hey, Kamerad, hast Du Bock auf richtig harte nationale Gabbermucke?´ Ich antwortete: `Ähm... was verstehste denn darunter?´ Er: `Na, DJ Adolf! Das ist der beste deutsch-nationale Gabber-DJ!´  Ich: `Nee, lass mal stecken, ich hör nur unpolitische Gabbersachen!´  Auf einmal flippt der Typ völlig aus und brüllt mich an: `Scheiß Pseudo! Geh sterben!´ und schlägt mir mit voller Wucht in den Magen. Wären meine Freunde nicht dagewesen, die ihn dann rausgeworfen haben, wäre ich jetzt wohl im Krankenhaus oder vielleicht tot!“9

SPR-1: In Holland häuften sich, wie gesagt, schon früher rassistische Übergriffe und führten zu szeneinternen Konflikten und ersten Versuchen einer Selbstreinigung. Das Hardcore-Label „Mokum Records“ etwa verteilte Flyer und Buttons mit der Aufschrift:

ZITAT: „Gabbers against Racism and Fascism”!...

SPR-1: ...bekannte DJs produzierten Antifa-Songs gegen den...

ZITAT: ...“Nazi Scum”...

SPR-1:...und die...

ZITAT: ...“Ku Klux Cunts“

SPR-1: ...und die Hymne der Gabbers gegen Rechts, die heißt „Time to make a Stand”:

Musik-19: Hardcore United “Time to make a stand”

ZITAT: “Shut the fuck up, make Racism stop ! Hardcore United...”

SPR-1: Und auch in Deutschland formiert sich mittlerweile innerhalb der Technogemeinde der Widerstand...

SPR-2: ...unter dem schönen Motto...

ZITAT: ...„No historical Backspin“...

SPR-1: ...oder anders gesagt:

SPR-2: Lasst die verdammte Mottenkiste doch endlich zu!

ZITAT: „...Techno- & House-Artists gegen Rassismus, Gewalt und Intoleranz!  

Aufgrund der nicht abreißenden Gewalt gegen ausländische Mitbürger hat sich im Jahre 2000 eine szeneinterne Gruppe aus dem Bereich der elektronischen Musik entschlossen, die Initiative No historical Backspin zu starten. Da wir der Meinung sind, daß viele DJs und Produzenten eine Art Vorbildfunktion für Jugendliche ausüben, sollten gerade diese ein erstes Zeichen setzen.
Bisher wurde die gesamte Szene nur als Spaßgeneration eingestuft, was mit Sicherheit in dieser Eindimensionalität nicht der Realität entspricht.
Während die Liebe bei Paraden gefeiert wird, können wir nicht bei Fäusten und Schlägen gegen unsere Mitbürger wegsehen!“ 10

Musik-20: DJ ADOLF „Sieg Heil“

ZITAT: „Sieg Heil - Heil Hitler“!

SPR-2:  Wieso ??? Heil Du ihn doch!

SPR-1: Apropos Gesundheitsschäden! 

SPR-2: Die allgegenwärtigen Drogen dienen im Gabber gewiß nicht zur „Bewußtseinserweiterung“, sondern lediglich als ein „Doping“ für sehr sehr lange Nächte.

SPR-1: Entsprechend das Sortiment – bestehend aus Speed, Amphetaminen aller Art, Kokain und natürlich Ecstasy.

             In Neonazikreisen war das allerdings zunächst ein großes ideologisches Problem.

ZITAT: „Keine Macht den Drogen!“...

SPR-1: ...pflegen gesinnungsfeste Kameraden ja bei ihren Demos gerne lautstark (mit der Bierflasche in der Hand) zu lallen.

SPR-2: Aber auch hier bot sich plötzlich ein Ausweg.

SPR-1: Braune „Historiker“ entdeckten...

SPR-2: ...„Hitler’s Droge!“

SPR-1:  Methamphetamin sei bereits von den Nationalsozialisten verwendet worden als Aufputschmittel in den Fliegerstaffeln der Wehrmacht...

SPR-2: ...bei jenen Bomberpiloten also, die 1940 nicht zuletzt auch Rotterdam in Schutt und Asche legten !

 

Musik-21: DJ ISAAC „We like Marihuana“

SPR-2: Ein DJ Isaac coverte ausgerechnet einen alten Song aus den 60ern des New Yorker Ur-Hippies und Haschisch-Propheten David Peel.

SPR-1: Und überhaupt scheinen einige aus den eigenen Reihen die Sache offenbar mittlerweile...

SPR-2: ...zum Ärger der immer noch ganz ganz Bösen...

SPR-1: ...nicht mehr ganz so ernst zu nehmen.

SPR-2: Happy Hardcore ist angesagt !

Musik-22: ROTTERDAM TERROR CORPS „I’m a Gabber Baby“

Musik-23: JIMMY J „99 Red Balloons”


ZITATQUELLEN

1. www.gabberfaq.de
2. www.oyla9.de/cgi-bin/designs/medusa_schwarz/index.cgi?page=text&id=33976855&userid=36515441
3. www.annefrank.org/upload/downloads/lonsdale_webeditie.pdf
4. offizieller Plakattext der „Loveparade 1996“
5.
http://kafka.antifa.net/holhard.htm
6. www.annefrank.org/upload/downloads/lonsdale_webeditie.pdf
7. „Junge Freiheit“ 10/93 (S. 28)
8. Torsten Lemmer: „Skinhead Rock“ (Düsseldorf-Langenfeld 1994 - S.23)
9. www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/artikel.php?id=21&kat=76&artikelid=1447
10. www.nobackspin.de
11. offizieller Plakattext der „Loveparade 1999“

 


 

 

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