Damit wird die Windkraft beschrieben,
die den Pfeil seitlich wegdrückt. Rho bezeichnet die Dichte der Luft,
A die Projektionsfläche, die der Pfeil dem Wind darbietet, vWind die
Windgeschwindigkeit, vquer die Geschwindigkeit des Pfeiles quer zur Flugrichtung.Es
ist leicht einzusehen, daß diese Kraft nur solange wirkt, wie zwischen
Pfeilquergeschwindigkeit und Windgeschwindigkeit eine Differenz besteht.
cw ist der Widerstandsbeiwert des Pfeiles quer zu seiner Flugrichtung.
Er findet sich in technischen Tabellen, Anströmung von Zylindern quer
zur Längsachse, abhängig von der Reynoldszahl.
und
Diese Kraft setzt die Masse des Pfeiles dem Abdriften entgegen. a ist die Beschleunigung, die der Pfeil seitlich erleidet.
Beide Kräfte sind gleich groß,
sodaß sich nach Trennung der Variablen (vWind ist konstant) folgende Differentialgleichung
ergibt
Nach zweimaligem Integrieren
mit der Randbedingung, daß bei t=0 auch vquer=0 ist, ergibt sich folgender
Zusammenhang:
Ein schwererer Pfeil bringt
Vorteile. Andererseits wird ein schwererer Pfeil, unter der Voraussetzung,
daß der gleiche Bogen verwendet wird,eine niedrigerere Abgangsgeschwindigkeit
haben als der leichtere Pfeil. Und dies bewirkt wiederum eine längere
Flugzeit, eine längere Einwirkung des Windes und damit eine größere Abdrift.
Hier wirken also zwei Einflüsse gegeneinander. Welcher Einfluß die Oberhand
behält, muß sorgfältig analysiert werden. Der dazu notwendige Rechenaufwand
soll hier nur in kurzen Zügen geschildert werden.
Zu einem gegebenen Bogen mit einer Endhaltekraft von 174.2N wurden
zu dem passenden Pfeil mit einer Länge von 0.78 m, (Pfeilcode ACE 470)
die Massen zugeordnet, die sich aus
der Schaftmasse,den Spitzenmassen und den Insertmassen ergeben.
Hier bekommt man eine Spannweite der Pfeilmasse von minimal 0.017 kg bis
maximal 0.022 kg. Mit diesen Pfeilmassen wurde nach dem innenballistischen
Modell die Anfangsgeschwindigkeit und mit dieser Anfangsgeschwindigkeit
und dem außenballistischen Modell die Flugzeit auf die Schußentfernung
von 90 m bestimmt. Diese Flugzeit wurde zur Berechnung der Abdrift durch
Wind benutzt.
Unter diesen Voraussetzungen ergibt sich für den aktuell benutzten
Pfeil und dem angenommenen Querwind von 3 m/s eine seitliche Abdrift
von 0.45 m.
Der entsprechende Aluminiumpfeil (Pfeilcode 2213) mit der leichtesten
Spitze hätte eine Masse von 0.0255kg und würde 0.71 m abdriften.Hier muß
darauf hingewiesen werden,daß bei dieser Rechnung der gleiche Geschwindigkeitsabfall
bei der Außenballistik wie beim ACE Schaft angenommen wurde. Ob dies
berechtigt ist, kann nur eine Flugzeitmessung klären. Weiterhin muß bedacht
werden, daß dieser Pfeil einen größeren Durchmesser, und damit dem Seitenwind
eine größere Angriffsfläche bietet.
Das folgende Diagramm zeigt die Abdrift des ACE-Pfeiles mit zunehmender
Zeit.
Wenn man die Flugzeit auf eine
bestimmte Entfernung kennt, kann man die durch den Wind verursachte
Ablage direkt ablesen. Dieses Diagramm ist nichts anderes als die graphische
Darstellung der in (4) aufgezeigten logarithmischen Funktion. Selbst bei
diesem relativ hohen Querwind bleibt der Pfeil noch auf der Scheibe.Man
soll sich über die Windkraft aber nicht täuschen! Der Versuch, mit dem
Fahrrad mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h zu fahren, um zu überprüfen,
welche Auswirkungen dieser Fahrtwind hat, und das mit realem Wind zu vergleichen,
führt zu keiner verwertbaren Erfahrung. Ich hatte die Gelegenheit,über mehrere
Tage einen geeichten Windmesser zu beobachten, und meine Empfindungen mit
der angegebenen Windgeschwindigkeit zu vergleichen. Beim Bogenschießen
hätte ich bei eine Bö mit einer Geschwindigkeit von 3 m/s nicht geschossen.
Segler können sicher ähnliche Erfahrungen beisteuern.
Das nächste Diagramm zeigt die Abhängigkeit der Abdrift von der
Pfeilmasse.
Mit Absicht wurden nur solche
Pfeilmassen behandelt, die im Rahmen einer Abstimmung zur Diskussion
stehen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte die Pfeilmasse
gewonnen. Das soll heißen, daß scheinbar eineErhöhung der Pfeilmasse
zu einem günstigeren Verhalten bei Seitenwind führt. Schaut man sich
die Werte aber genauer an, so sieht man,daß der Gewinn an weniger Abdrift
zwischen der schwersten und der leichtesten Ausführung gerade 20mm beträgt.
Das wären mit Müh und Not gerade 4%. Immerhin kann gezeigt werden, daß
die Erhöhung der Pfeilmasse innerhalb der hier beschriebenen Grenzen keine
Nachteile mit sich bringt. Man kann in aller Ruhe seinen Pfeil mit den entsprechenden
Spitzen abstimmen, ohne Gefahr zu laufen, sich gravierende Nachteile einzuhandeln.
Im Gegenteil, Pfeilgeschwindigkeitsfanatiker kann man freundlich darauf
hinweisen, daß der schwerere Pfeil, wenn auch nur nach der Papierform,
bei Seitenwind Vorteile bietet. Dies ist übrigens kein Widerspruch zu dem
weiter oben festgestellten schlechteren Abschneiden des Aluminiumpfeiles.
Man muß halt alle relevanten Einflüsse berücksichtigen...
Zusammenfassend ist festzustellen, daß Wind erhebliche Probleme
beim Bogenschießen mit sich bringt. Aber welcher (welche) Bogenschütze/-schützin
hätte das nicht gewußt? Bis zu einer leichten Brise kann man von regulären
Bedingungen sprechen, darüber hinaus wird das Bogenschießen zur Glückssache.
Der einzige Weg ist eben, seine Pfeile in einem relativ windstillen Moment
auf die Reise zu schicken. Und dann hilft nur noch Ullr. Selbstredend
ist hier jedes Wort über die physiologisch/psychische Belastung beim Schießen
bei Wind überflüssig. Das ist ein Thema für erfahrene und gut ausgebildete
Trainer.
Auf die Ausrüstung bezogen, ist festzuhalten, daß bei einem gegebenen
Bogen die Pfeilmasse keinen Einfluß auf die Windanfälligkeit hat, solange
man sich in dem üblichen Abstimmungsrahmen bewegt.
Mit Absicht wurde das Thema der Pfeilfedern hier ausgelassen. Der
Grund ist, daß keine verläßlichen Meßdaten vorliegen, die einer analytische
Untersuchung als Grundlage dienen könnten. Eine qualitative Bewertung
läßt sich wie folgt zusammenfassen:
Die Feder hat keinen so großen Einfluß auf die Querwindempfindlichkeit
wie angenommen.
Der Einfluß wird nur indirekt sein, da die Feder den Luftwiderstandsbeiwert
beeinflußt, und damit die Flugzeit.
Auf keinen Fall wird eine Befiederung bewirken, daß "der Pfeil
in den Wind" dreht, und damit eine Trefferabweichung entgegen der erwarteten
Richtung hervorruft. Diese Behauptung wurde vom Nationaltrainer der englischen
Feldbogenschützen im Magazin Glade aufgestellt. Bei ungelenkten Raketen
trifft dies während der Antriebsphase zu. Soweit mir bekannt, gibt es
aber noch keine Pfeile mit Eigenantrieb.
Interessant ist natürlich der Vergleich von ACE und X 10 Schäften.
Diese sollen ja wesentlich windunempfindlicher sein. Von Ansatz (höhere
Masse und geringerer Durchmesser) ergibt sich ja auch ein Papiervorteil,
der einer genaueren Untersuchung wert ist. Es wurde ein ACE Pfeil mit
dem entsprechendem X10 Pfeil verglichen, wobei beide von dem gleichen
Bogen geschossen wurden (im Computer!). Damit ergibt sich für den X10
Pfeil eine geringere Anfangsgeschwindigkeit als für den leichteren ACE
Pfeil. Nimmt man alle Einflüsse zusammen ergibt sich folgendes Bild:
|
arrow
|
Initial
velocity (m/s)
|
flight
time 70m (s)
|
Sidedrag
(m)
|
|---|---|---|---|
|
ACE
|
65.9
|
1.15
|
0.25
|
|
X10
|
64.1
|
1.16
|
0.22
|
Das heißt, der X10 Pfeil hat
bei 70m bei gleichen Bedingungen eine um 3 cm geringere Seitenabweichung
als der entsprechende ACE Pfeil! Das ist revolutionär, ein Quantensprung
in der Technologie und rechtfertigt selbstverständlich den saftigen Aufpreis...
Ich glaube, Easton hat mehr Geld in Marketing, Public Relation und was
es dergleichen mehr an Bauernfängerei noch gibt, als in seriöse Forschung
hineingesteckt. Nebenbei sei bemerkt, daß mit dem X10 Pfeil und der gleichen
Visiereinstellung wie mit dem ACE Pfeil auf 90 m noch nicht mal die Scheibe,
sondern die Wiese getroffen wird. Diese Dinge wollte ich 1997 mit Herrn
Tekmitchov, Fa Easton, per E-mail diskutieren, aber er würdigte mich keiner
Antwort...Na ja, vielleicht liegt auch hier der Hund begraben, weshalb
keine anständige FITA-Runde mehr geschossen wird.
Mit den ACE Schäften hat Easton sicherlich das Bogenschießen weit
vorwärts gebracht, und man kann die an der Entwicklung Beteiligten nicht
genug loben. Die ACE Schäfte sind mit Sicherheit neben den stark gestiegenen
Treffleistungen auch ein Grund für viele ältere Sportler/ Sportlerinnen,
das Bogenschießen weiter zu betreiben, da die notwendigen Zuggewichte
durch die leichteren Pfeile reduziert werden konnten. Nebenbei sind Sie
sehr robust, und hier wird ein Grund für die X10-Marketing Kampagne liegen,
um sinkende oder stagnieren Umsätze hochzupuschen. Einen technischen/physikalischen
Grund, ACE durch X10 zu ersetzen gibt es nicht.