Sie ist ein Verein mit über 100 Mitgliedern, davon sind ca 60 sportlich aktiv.
6 Jahrhunderte hat die Gesellschaft inzwischen auf dem Buckel, zwischendurch war sie mal scheintot, aber Totgesagte leben länger. Sicherlich hat die Gesellschaft einige Wandlungen durchlaufen, die mehr oder weniger historisch genau beschrieben worden sind.
Hier soll die moderne Gesellschaft, das heißt der Sportverein im Vordergrund stehen. Ich werde versuchen, zu beschreiben, weshalb man Schießsport betreibt, in einen Schützenverein eintritt und am Vereinsleben teilnimmt. Da dies nur subjektiv erfolgen kann, sind die Ecken und Kanten gewollt. Wenn sich daran eine lebhafte Diskussion anschließt, hat sich die Arbeit gelohnt.
Am Anfang steht die Freude am "Fernhintreffen". Damit möchte ich ganz allgemein jenes einfache Vergnügen beschreiben, das ein Junge hat, der mit einem Schneeball sein Ziel satt getroffen hat. Das mag der Hut eines Lehrers oder der Köter des Nachbarn oder der Kumpel von nebenan gewesen sein. Zwillen mit Papierkrampen, Gummischleudern, Flitzebogen und was es sonst noch so alles gibt, werden benutzt, um verschiedenen Geschossen Richtung zum Ziel und Wucht zu geben. Dumme Jungen Streiche? Mag ja sein und politisch korrekt ist meine Aussage auch nicht, aber dahinter sitzt die Freude, hier etwas zu tun und dort, weit außerhalb der Reichweite meiner Fäuste, passiert etwas. Als Erwachsener hat man nicht mehr viel Möglichkeiten diese Freude zu erleben, und beim Bund machte Schießen nur Spaß, wenn man es schaffte, die Tatsache zu verdrängen, daß die Schießscheiben Menschenumrisse darstellten. Mir gelang dies leider nicht.
Vor über zwanzig Jahren wurde ich von einem Kollegen auf einem Kaufhausparkplatz angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, mal Bogenschießen auszuprobieren. Ich hatte. Zu Hause wurde die Ehefrau gefragt, ob sie nicht mitmachen würde. Sie wollte. So kamen meine Frau und ich zum Bogenschießen. Der älteste Sohn zeigte erhebliches Talent mit der olympischen Schnellfeuerpistole, das bei Deutschen Meisterschaften in Erfolge umgemünzt wurde. So kam die Familie Nentwig zum Sportschießen und damit zur Koblenzer Schützengesellschaft.
Es macht Spaß zu schießen und zu treffen und es macht noch mehr Spaß, dies im Wettkampf zu tun. Beim Wettkampf daneben zu schießen macht allerdings weniger Spaß. Al Bundy hat dies sehr deutlich ausgedrückt mit: "Gewinnen ist nicht alles, aber Verlieren ist überhaupt nichts!" Hier bin ich an der Stelle, an der sich kein Sportverein von einem anderen unterscheidet: Etwas mit Gleichgesinnten zusammen tun, was Spaß macht und das im Wettkampf. Darauf kann man einen beliebig großen Überbau mit sozialen und politischen Aspekten errichten, aber dieses Thema füllt wohl ganze Bibliothekswände.
Ein Schützenverein unterscheidet sich von einem anderen Sportverein nur dadurch, daß der Verein oder die Mitglieder ihre Sportwaffen, soweit sie unter das Waffengesetz fallen, halt sorgfältig verwahren müssen und daß es dafür rigide gesetzliche Vorschriften gibt.
Die Koblenzer Schützengesellschaft hat gute sportliche Erfolge aufzuweisen. Sie beteiligt sich an den Städtevergleichskämpfen von Koblenz. Bei den Rundenwettkämpfen auf Bezirks- und Landesebene kämpft ihre kleine Mannschaft mit wechselndem Erfolg auf hohem Niveau. Die Bogenschützen bringen fast jedes Jahr Medaillen aus der Landesverbandsmeisterschaft mit. Insofern ist die sportliche Bilanz im Vergleich zur Mitgliederzahl beachtlich.
Selbstverständlich werden die Feste gefeiert wie sie fallen, eine deutsche Meisterschaft wurde so gut ausgerichtet, das jeder Teilnehmer Koblenz in guter Erinnerung behielt und das vereinseigene Gelände wird auch gut "in Schuß" gehalten.
Von der Struktur her ist die Koblenzer Schützengesellschaft ein typischer Verein alter Art, in dem die Mitglieder nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben. Das bedeutet für jeden neben dem Spaß am Schießen auch einen Teil Arbeit. Mit der geleisteten Arbeit am gemeinsamen Eigentum wächst auch das Zusammengehörigkeitsgefühl, auf schlecht deutsch "Corporate Identity", das einen Verein von einem Fitnesscenter unterscheidet. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist wohl bei den Schützen, ich sage es mal etwas ketzerisch, durch den Zwang der Pflege der teuren vereinseigenen Anlagen besonders ausgeprägt.
Wenn man sich die Mitgliederzahl und die Fluktuation über die Jahre hinweg ansieht, so merkt man, daß die Mitgliederzahl konstant bleibt. Wie bekommt man Mitglieder in einen Schützenverein?
Schießsport ist meiner Meinung nach kein Sport, der sich ohne weiteres für Kinder anbietet. Nicht weil eine erhöhte Gefährdung oder "eine Verbiegung der kindlichen Psyche durch den Umgang mit Waffen vorliegt"-wer so etwas behauptet hat sich nie auch nur annähernd ernsthaft mit Schießsport befaßt- sondern weil Kinder Bewegung brauchen, herumtoben wollen. Sportschießen kann da nur in kleinen Dosen verabreicht werden. Wo dies getan werden kann, wird man im Schützenverein gute Jugendarbeit leisten können. Die positiven Aspekte des Schießsportes für Kinder und Jugendliche sind die Forderungen, sich längere Zeit auf ein Ziel zu konzentrieren, selbstkritisch zu werden (es gibt niemanden, der für den Fehlschuß verantwortlich ist, außer dem Schützen) und der Wille zum Sieg. Aber das neue Mitglied kommt häufig nicht aus der eigenen Vereinsjugend. Es sind meistens Erwachsene, die ihren Lebensmittelpunkt hier in Koblenz gefunden haben, sich daran erinnern, daß Schießen einen Riesenspaß machen kann (siehe oben) und das nochmal ausprobieren möchten. Jemand bringt seinen Freund oder Lebensgefährten mit. Kinder bringen ihre Eltern dazu, das Schießen selber zu probieren. Die Motive, einem Schützenverein beizutreten sind vielfältig und immer vom Einzelfall abhängig. Die Koblenzer Schützengesellschaft brauchte sich noch nie Sorgen um sinkende Mitgliederzahlen zu machen und ich bin der Überzeugung, daß sie das auch in Zukunft nicht tun muß.
Damit verbunden ist aber auch die finanzielle Unabhängigkeit des Vereines von Verbänden und Sponsoren. Sicherlich sind wir über jede Spende dankbar, dann können wir uns Dinge leisten, die sonst noch warten müßten. Ohne Untersützung der Stadt hätten wir selbstverständlich nicht bauen können, und der jährliche Zuschuß zum Unterhalt der Sportanlage entlastet unsere Kasse. Aber grundsätzlich sind wir nicht auf fremde Geldgeber angewiesen und auch nicht gezwungen, Veranstaltungen durchführen zu müssen, um ein paar Flocken in die Kasse zu bekommen. Ich glaube, das ist ein wichtiger Aspekt für den Vereinsfrieden.
Ich habe versucht, die jetzige Koblenzer Schützengesellschaft in ihren Hauptmerkmalen Mitglieder, Sportanlage, finanzielle Verhältnisse darzustellen. Ich hoffe, daß es mir geglückt ist, einen gesunden Verein zu beschreiben, in dem sich die Mitglieder wohl fühlen, dorthin gerne gehen, um "gute Freunde zu treffen", sich der Ausübung des "edlen Schießsportes" zu widmen und auch bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit in Arbeit für den Verein zu investieren. Ich glaube, die Koblenzer Schützengesellschaft hat eine gute und gesicherte Zukunft.
In diesem Sinne ein dreifach kräftiges
Gut Schuß!