150 Jahre Wiedergründung der Koblenzer Schützengesellschaft

Ein geschichtlicher Rückblick

"Im Jahre 1848 gründeten überlebende Mitglieder der ehemals bestehenden Koblenzer Schützengesellschaft diese neu."

steht es in einer Einladung zu einem Schützenfest, die uns ein befreundeter Schützenbruder der Sayner Schützengesellschaft überließ. Dieses Dokument ist ein "missing link", ein Bindeglied zu der 1806 untergegangenen Gesellschaft. Das vom letzten Kurfürsten aus Koblenz, Wenzeslaus gestiftete Königssilber befindet sich noch im Besitz der Koblenzer Schützengesellschaft. Von daher ist auch vom Besitztum eine Zuordnung möglich, so daß das Gründungsdatum von 1359 seine Legitimation hat. Die Historie vor 1848 ist von Bellinghausen ausreichend genau beschreiben worden. Hier soll nur die Geschichte nach 1848 betrachtet werden. Vorher muß noch angemerkt werden, daß  die Koblenzer Schützengesellschaft keine Unterlagen aus der Zeit vor 1960 besitzt, so daß die Beschreibung lückenhaft bleiben muß.

1848 ist ein besonderes Jahr in der deutschen Geschichte. Das Volk erhob sich gegen unmenschliche Zustände, für Gedankenfreiheit und gegen Fürstenherrschaft, die durch die Restauration nach den napoleonischen Kriegen entstanden war. Der preußische König mußte sich in Berlin vor den von seinen Truppen getöteten Bürgern verneigen, der Kartätschenprinz Wilhelm nach England fliehen, Metternich entwich mit Müh und Not aus Wien und fand ebenfalls in England Exil. In der Paulskirche in Frankfurt wurde die erste moderne Verfassung Deutschlands verabschiedet, die übrigens später fast wortwörtlich von der Weimarer Republik übernommen wurde.

In den Schützengesellschaften gärte es. Die neuen Ideen wurden heiß diskutiert. Auf dem Schützenverbrüderungsfest in Ehrenbreitstein waren lange Debatten, bei denen Vereinigungsgedanken eine große Rolle spielten. Aber man soll Schützengesellschaften nicht überschätzen. Es wurde zwar immer von der Liebe und von der Verteidigung des Vaterlandes mit Herz und Hand geredet, aber getan wurde nichts. Weder für die Restauration noch für die Revolution. Die Schützengesellschaften wollten viel lieber feiern, als für irgendwelche Ideen mit der Waffe zu kämpfen. Eine Kleinigkeit ist aber bemerkenswert: Die Uniform der frisch wiedergegründeten Koblenzer Gesellschaft bestand  aus einer blauen Bluse, einer weißen Hose, und dem sogenannten "Heckerhut" mit schwarzem Federbusch. Hecker war einer der Anführer der badischen Revolution, die von preußischen Truppen blutig unterdrückt wurde. Diese Uniform war natürlich ein klares politisches Signal, daß die Mitglieder mit den Ideen Heckers und der Revolution sympathisierten. Dieser Idealismus hielt genau ein Jahr. Danach war die Schützenuniform preußisch korrekt eine graue Jacke mit grünem Kragen. Immerhin ist noch 1878 die Meinung bei den preußischen Behörden da, daß der Schützenbund, also die inzwischen gegründete Dachorganisation der Sozialdemokratie nahestehe. Nach damaligem Politikverständnis war dies die Vorstufe zum Hochverrat. Bismarck  wiederum hat bemerkt, daß die Schützengesellschaften viel zum Einheitsgedanken beigetragen haben. Weitere politische Aktionen sind nicht bekannt.

Von der Koblenzer Schützengesellschaft ist überliefert, daß Schützenfeste über mehrere Wochen gefeiert wurden. 1894 nehmen sogar Schützen aus New York am Schützenfest teil. 1908 richtete die Koblenzer Schützengesellschaft das Rheinische Bundesschießen aus. 1911 hat sich die Gesellschaft soweit in die Pleite gefeiert, daß sie ihr schönes Gelände in der Vorstadt aufgeben muß. Noch heute erinnert die Gaststätte "Schützenhof" und die Schützenstraße an die ehemaliche Blütezeit.

Die Gesellschaft erwirbt ein Gelände in Metternich, in der Neugasse, auf dem sie sich noch heute befindet. Nach dem ersten Weltkrieg ruht wegen der wirren politischen Verhältnisse (französische Besetzung, Rhein-Ruhrkampf) der Schießbetrieb und wird erst 1924 wieder aufgenommen. Danach hat sich das Vereinsleben wohl normalisiert, die Schützenfeste wurden mit etwas geringerem Aufwand, aber immer noch eine Woche lang, mit diversen Belustigungen auf der Festwiese durchgeführt.

1933 erfolgte die Gleichschaltung der Vereine, die Satzungen wurden dem NS-Reichsbund für Leibesübungen angepaßt. Aus dieser braunen Vergangenheit sind keine Akten mehr vorhanden. Es muß aber die Folgerung gezogen werden, daß die verbrecherische NS-Gesetzgebung mit allen Widerwärtigkeiten wie Ausschluß jüdischer Bürger, Rassenschande, u.ä auf die Gesellschaft durchschlug. Das Schießen wurde nicht mehr als Sport betrachtet, sondern als Teil der Wehrertüchtigung und damit als Vorbereitung auf den Krieg durchgeführt. Es kann gesagt werden, daß diesem braunen Wahn die klerikal ausgerichteten Schützengesellschaften wohl einen höheren Widerstand entgegensetzten als die anderen.

Nach dem zweiten Weltkrieg war das Schießen mit Luftdruckwaffen aufgrund alliierter Befehle die einzige Möglichkeit, Sportschießen durchzuführen. In den 60iger Jahren wurden die Verbote aufgehoben und auf dem Vereinsgelände wurde mit Kleinkaliber und zeitweise mit Schrot auf Tontauben geschossen. Dann rückte die Bebauung an die Schießanlage heran, der Verein ging von einer verkehrten Sachlage aus und es kam wie es kommen mußte, der Stand wurde gesperrt. Parallel dazu kam es zum Streit mit Nachbarn über die Nutzung einer Privatstraße. Auch hier war an der Eskalation die Schützengesellschaft nicht ganz unschuldig. Vor Gericht wurde eine Einigung erzielt, die für den Nachbarschaftsfrieden sorgte.

Mit der Gründung der Bogenschützenabteilung kamen neue Leute und neue Ideen in den Verein. Im Vorstand fand ein Generationswechsel statt, der das Gesicht der Gesellschaft erheblich änderte. So verlagerten sich die Aktivitäten vollständig auf den sportlichen Bereich, Hans-Jürgen Dingel, Rudi Adams, Peter Roller und Christian Nentwig trieben den Neubau der Sportanlage energisch voran. Mit einer Finanzspritze der Stadt, aus dem goldenen Plan und über 10000 von den Vereinsmitgliedern geleisteten Arbeitsstunden wurde die Anlage in ihrer jetzigen  attraktiven Form geschaffen.

Die Sportanlagen der KSG werden gepflegt und intensiv genutzt. Wer sich für die Geschichte der KSG interessiert, dem sei das Buch "650 Jahre Koblenzer Schützengesellschaft e.V. empfohlen. Es ist im Verein käuflich zu erwerben.